Actualité

39-jähriger Österreicher nach Erpressung von Babykosthersteller Hipp festgenommen

Die Polizei nahm den Verdächtigen nach 38 Tagen Ermittlungen fest; er soll zwei Millionen Euro in Kryptowährung gefordert haben.

3 min
39-jähriger Österreicher nach Erpressung von Babykosthersteller Hipp festgenommen
Die Polizei nahm den Verdächtigen nach 38 Tagen Ermittlungen fest; er soll zwei Millionen Euro in Kryptowährung geforderCredit · ORF

Die Fakten

  • Festnahme eines 39-jährigen Österreichers am Samstag in Salzburg.
  • Er soll zwei Millionen Euro in Kryptowährung von Hipp gefordert haben.
  • Fünf manipulierte Gläser in Österreich, Tschechien und der Slowakei sichergestellt.
  • Ein Glas mit 15 Mikrogramm Rattengift wurde am 18. April in Eisenstadt gefunden.
  • Ermittelt wird wegen vorsätzlicher Gemeingefährdung und versuchter schwerer Körperverletzung.
  • Ein zweites Glas aus dem Burgenland ist noch nicht gefunden.
  • Die SOKO Glas führte länderübergreifende Ermittlungen durch.
  • Der Verdächtige befindet sich in Polizeigewahrsam und wird vernommen.

Festnahme nach wochenlanger Jagd

Die österreichische Polizei hat am Samstag einen 39-jährigen Mann festgenommen, der verdächtigt wird, den deutschen Babykosthersteller Hipp erpresst zu haben. Die Festnahme erfolgte nach 38 Tagen intensiver Ermittlungen, die von der SOKO Glas unter Leitung der Staatsanwaltschaft Eisenstadt geführt wurden. Der Verdächtige, ein Österreicher, soll zwei Millionen Euro in Kryptowährung gefordert haben. Die Beamten des Landeskriminalamts Burgenland, unterstützt vom Bundeskriminalamt, vollzogen die Festnahme in Salzburg. Details zum genauen Ort oder zur Herkunft des Mannes wurden aus ermittlungstaktischen Gründen nicht bekannt gegeben. Der Verdächtige wurde in die Justizanstalt Eisenstadt eingeliefert und befindet sich derzeit im Dauerverhör.

Die Spur der vergifteten Gläser

Der Fall begann, als am 18. April ein Glas Hipp-Babybrei in einem Supermarkt in Eisenstadt sichergestellt wurde. Das Glas, das mit Rattengift versetzt war, enthielt 15 Mikrogramm des Giftes. Es handelte sich um das Produkt „Gemüsegläschen Karotte mit Kartoffel“ in der 190-Gramm-Packung. Der Rückruf wurde in der Nacht auf den 18. April öffentlich, und andere Supermärkte nahmen das Produkt vorsorglich aus dem Verkauf. Insgesamt wurden bisher fünf manipulierte Gläser in Österreich, Tschechien und der Slowakei sichergestellt. Alle Gläser waren mit einem weißen Sticker gekennzeichnet, der von einem roten Kreis umrahmt war und sich am Glasboden befand. Ein sechstes Glas, das ebenfalls in der Spar-Filiale in Eisenstadt verkauft wurde und manipuliert sein soll, ist noch nicht gefunden worden. Die Polizei sucht weiterhin danach.

Der mutmaßliche Täter und seine Methode

Der Verdächtige soll die Gläser in Supermärkten gekauft, mit Rattengift versetzt und wieder ins Regal gestellt haben. Seine Erpresser-Mail landete jedoch im Nirwana des Unternehmens, was ihm zum Verhängnis wurde: Die Fake-E-Mail-Adresse hinterließ elektronische Spuren. Zudem wurden Videoüberwachungen in den Supermärkten ausgewertet, die den Täter identifizieren halfen. Die Ermittler gehen derzeit von einem Einzeltäter aus. Der Mann wird wegen vorsätzlicher Gemeingefährdung und versuchter absichtlich schwerer Körperverletzung angeklagt. Ein toxikologisches Gutachten soll klären, ob die Giftmenge für ein Baby tödlich gewesen wäre. Sollte dies der Fall sein, könnte die Anklage auf Mordversuch ausgeweitet werden.

Offene Fragen und laufende Ermittlungen

Trotz der Festnahme bleiben viele Fragen offen. So ist unklar, ob der Verdächtige ein ehemaliger Mitarbeiter von Hipp ist oder ob er Verbindungen zu dem Unternehmen hatte. Die Polizei hat noch keine Aussage zu seinem Motiv gemacht. Auch die toxikologische Untersuchung steht noch aus; ihr Ergebnis wird entscheidend für die weitere rechtliche Bewertung sein. Die Suche nach dem sechsten manipulierten Glas geht weiter. Stefan Hipp, der Geschäftsführer des Unternehmens, zeigte sich erleichtert über die Festnahme, betonte aber: „Der Fokus liegt jetzt darauf, dieses eine Glas noch zu finden, was leider noch nicht gelungen ist.“ Die Polizei hofft, dass die weiteren Ermittlungsschritte Licht in die Angelegenheit bringen.

Ein Fall mit weitreichenden Folgen

Der Erpressungsversuch hat Hunderttausende Eltern in Österreich und Deutschland verunsichert. Der Vorfall zeigt, wie verwundbar die Lebensmittelversorgungskette ist. Die Behörden in mehreren Ländern arbeiten zusammen, um die Sicherheit von Babynahrung zu gewährleisten. Der Fall hat auch die Diskussion über die Sicherheit von Produkten in Supermarktregalen neu entfacht. Die Festnahme ist ein erster Erfolg, aber die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen. Die Staatsanwaltschaft Eisenstadt wird die Anklage vorbereiten, sobald das toxikologische Gutachten vorliegt. Bis dahin bleibt der Verdächtige in Untersuchungshaft.

Das Wichtigste

  • Ein 39-jähriger Österreicher wurde nach 38 Tagen Ermittlungen festgenommen.
  • Er soll Hipp mit vergifteten Babygläsern erpresst und zwei Millionen Euro in Kryptowährung gefordert haben.
  • Fünf manipulierte Gläser wurden sichergestellt, ein sechstes wird noch gesucht.
  • Die Giftmenge von 15 Mikrogramm pro Glas könnte für Babys tödlich sein; ein Gutachten steht aus.
  • Die Ermittlungen laufen wegen vorsätzlicher Gemeingefährdung und versuchter schwerer Körperverletzung, möglicherweise Mordversuch.
  • Der Fall zeigt die Verwundbarkeit der Lebensmittelkette und hat Eltern verunsichert.
Galerie
39-jähriger Österreicher nach Erpressung von Babykosthersteller Hipp festgenommen — image 139-jähriger Österreicher nach Erpressung von Babykosthersteller Hipp festgenommen — image 239-jähriger Österreicher nach Erpressung von Babykosthersteller Hipp festgenommen — image 339-jähriger Österreicher nach Erpressung von Babykosthersteller Hipp festgenommen — image 439-jähriger Österreicher nach Erpressung von Babykosthersteller Hipp festgenommen — image 539-jähriger Österreicher nach Erpressung von Babykosthersteller Hipp festgenommen — image 6
Mehr dazu