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Trotz EZB-Pause: Spar- und Bauzinsen steigen – Inflation frisst Erträge

Während die Europäische Zentralbank den Leitzins bei 2,0 Prozent belässt, haben die Märkte längst reagiert: Baukredite kosten wieder über vier Prozent, und die Inflation überholt die Renditen.

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Trotz EZB-Pause: Spar- und Bauzinsen steigen – Inflation frisst Erträge
Während die Europäische Zentralbank den Leitzins bei 2,0 Prozent belässt, haben die Märkte längst reagiert: Baukredite kCredit · BILD

Die Fakten

  • EZB hält Einlagensatz unverändert bei 2,0 Prozent.
  • Baukredite kosten wieder mehr als vier Prozent Zinsen.
  • Top-Sparangebote sind nur für flexible Anleger zugänglich.
  • Inflationsrate übersteigt die erzielbaren Sparerträge.
  • Viele Immobilienkredite mit einprozentiger Zinsbindung laufen aus.
  • Forward-Darlehen ermöglichen Zinssicherung bis zu fünf Jahre im Voraus.
  • Restschuld nach jahrelanger Tilgung ist deutlich niedriger als ursprüngliche Darlehenssumme.

Die trügerische Ruhe der EZB

Die Europäische Zentralbank hält an ihrem Kurs fest: Der Einlagensatz bleibt bei 2,0 Prozent. Auf den ersten Blick eine unspektakuläre Entscheidung ohne neue Belastungen. Doch genau darin liegt die Gefahr. Während die Notenbank abwartet, haben die Märkte längst reagiert. Diese Bewegung kommt inzwischen spürbar bei Anlegern, Sparern und Kreditnehmern an. Wer jetzt nicht handelt, hat eine Menge zu verlieren.

Baukredite überschreiten die Vier-Prozent-Marke

Für Hauskäufer wird die Finanzierung wieder teurer: Baukredite kosten inzwischen mehr als vier Prozent Zinsen. Auf den ersten Blick scheinen fast alle Angebote gut und günstig, aber der Teufel steckt im Detail. Die Nachkommastelle macht hier einen entscheidenden Unterschied. Während bei Temperaturen oder Kuchenrezepten ein paar Zehntel keine Rolle spielen, entscheiden bei Kreditzinsen schon kleine Abweichungen über Tausende Euro Mehrbelastung.

Sparer in der Zinsfalle: Inflation überholt Renditen

Die Top-Angebote am Sparmarkt können sich nur flexible Anleger sichern. Gleichzeitig überholt die Inflation die Erträge – ein doppelter Verlust für Sparer, die auf ihr Geld nicht zugreifen wollen. Die EZB-Pause bedeutet keine Entwarnung. Im Gegenteil: Die realen Zinsen bleiben negativ, und die Kaufkraft der Ersparnisse schmilzt dahin.

Anschlussfinanzierung: Wer zu lange wartet, zahlt drauf

Viele Kunden, deren Zinsbindung jetzt ausläuft, haben ihre Verträge vor zehn oder fünfzehn Jahren zu günstigen Konditionen abgeschlossen. „Viele kommen von einem damals üblichen Zinsniveau um ein Prozent“, sagt Roland Stecher, Immobilienexperte der Verbraucherzentrale Bremen. „Wenn sie jetzt mit den aktuellen Zinssätzen um die vier Prozent konfrontiert werden, bekommen sie große Augen.“ Wer bei der Anschlussfinanzierung einfach nur auf das Angebot seiner Hausbank wartet, zahlt unter Umständen drauf. Denn diese Offerten kommen erst kurz vor dem Ende der Laufzeit und bieten meist nicht die günstigsten Konditionen.

Der Fahrplan zur günstigen Anschlussfinanzierung

Schon zwei bis drei Jahre vor Ablauf der Zinsbindung sollten Kreditnehmer eine Bestandsaufnahme machen: Wann endet die Zinsbindung genau? Wie hoch ist die Restschuld? Wie hat sich das Einkommen entwickelt? „Diese Fragen sollte jeder für sich beantworten“, rät Matthias Zetzl, Spezialist für Baufinanzierung bei Dr. Klein. „Mit allen diesen Informationen ist man dann gut gewappnet für künftige Verhandlungen mit den Banken.“ Ein Jahr vor Ablauf beginnt die Marktbeobachtung. Und wer noch weiter vorausschaut, kann mit einem Forward-Darlehen das aktuelle Zinsniveau gegen einen geringen Aufschlag bis zu fünf Jahre im Voraus sichern. Allerdings: Ob sich das lohnt, kann niemand genau vorhersagen.

Kein Grund zur Panik – aber zum Handeln

Angst vor der Anschlussfinanzierung ist auch in Zeiten steigender Zinsen nicht angebracht. „Man muss bedenken, dass der Kredit schon jahrelang abgezahlt wurde und jetzt die Restschuld wesentlich geringer ist als die damalige Darlehenssumme“, sagt Matthias Zetzl. „So kann man auch mit höheren Zinsen bei der Anschlussfinanzierung ähnliche Monatsraten erreichen wie vorher.“ Dennoch gilt: Wer jetzt nicht handelt, verpasst Chancen. Die Märkte haben die EZB-Pause bereits eingepreist – und die Bewegung geht weiter.

Das Wichtigste

  • Die EZB hält den Leitzins bei 2,0 Prozent, doch die Märkte haben bereits reagiert: Baukredite kosten über vier Prozent.
  • Sparer erzielen kaum Renditen, während die Inflation die Erträge überholt – reale Verluste drohen.
  • Viele Immobilienkredite mit einprozentiger Zinsbindung laufen aus; die Anschlussfinanzierung wird deutlich teurer.
  • Wer frühzeitig handelt – zwei bis drei Jahre vor Ablauf – kann durch Forward-Darlehen und Vergleich bessere Konditionen sichern.
  • Die Restschuld ist nach Jahren der Tilgung niedriger, sodass höhere Zinsen durch geringere Darlehenssummen ausgeglichen werden können.
  • Aktives Management der eigenen Finanzen ist entscheidend: Passives Abwarten führt zu unnötigen Mehrkosten.
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