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Putin schlägt Waffenruhe zum 9. Mai vor – Selenskyj verlangt Klarheit

Nach einem Telefonat mit Trump bietet der Kreml eine kurze Feuerpause an, doch Kiew pocht auf einen längerfristigen Waffenstillstand.

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Putin schlägt Waffenruhe zum 9. Mai vor – Selenskyj verlangt Klarheit
Nach einem Telefonat mit Trump bietet der Kreml eine kurze Feuerpause an, doch Kiew pocht auf einen längerfristigen WaffCredit · tagesschau.de

Die Fakten

  • Putin und Trump telefonierten am 30. April über eine begrenzte Waffenruhe.
  • Putin schlug eine Feuerpause zum russischen Tag des Sieges am 9. Mai vor.
  • Selenskyj forderte Details und sprach sich für einen langfristigen Waffenstillstand aus.
  • Ukrainische Drohnen griffen eine Ölpumpstation und eine Raffinerie in Perm an.
  • Russland sagte die Militärparade zum 9. Mai in verkürztem Format ab, ohne schweres Gerät.
  • Peskow begründete die Absage mit terroristischen Bedrohungen durch ukrainische Drohnen.
  • Putins Berater Uschakow gab an, Putin habe die Initiative zum Telefonat ergriffen.
  • Trump stellte den Vorschlag als seine eigene Idee dar: ein kleines bisschen Waffenruhe.

Kreml bietet Feuerpause an – Selenskyj skeptisch

Am Mittwochabend telefonierten Kremlchef Wladimir Putin und US-Präsident Donald Trump über eine mögliche Waffenruhe im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Nach Darstellung des Kreml schlug Putin eine Feuerpause für die Zeit der Feierlichkeiten zum Tag des Sieges am 9. Mai vor, die Trump aktiv unterstützt habe. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj reagierte umgehend: Er beauftragte sein Team, Kontakt zum US-Präsidenten aufzunehmen, um die Details des russischen Vorschlags zu klären. Selenskyj betonte, die Ukraine strebe eine längerfristige Waffenruhe an. „Wir werden genau herausfinden, worüber gesprochen wird, ob es sich um ein paar Stunden Sicherheit für eine Parade in Moskau oder um etwas Längerfristiges handelt“, schrieb er auf Telegram. Die Ukraine wolle ein Ende des Krieges, einen zuverlässigen und garantierten Frieden. Er sei bereit, in jedem würdevollen und effektiven Format daran zu arbeiten.

Trump und Putin streiten um Urheberschaft

Die Darstellungen über die Initiative zum Telefonat widersprechen sich. Putins außenpolitischer Berater Jurij Uschakow erklärte, Putin habe die Initiative ergriffen. Das Gespräch habe mehr als eineinhalb Stunden gedauert. Trump hingegen sagte vor Journalisten im Oval Office: „Ich habe ein kleines bisschen Waffenruhe vorgeschlagen, und ich denke, er könnte das machen. Er könnte etwas verkünden, das etwas damit zu tun hat.“ Der Disput über die Urheberschaft zeigt das Misstrauen zwischen den Seiten. Während der Kreml den Vorschlag als russische Geste präsentiert, stellt Trump ihn als Ergebnis seiner eigenen Diplomatie dar. Selenskyj bleibt vorsichtig: Er will wissen, ob es sich um eine kurze Atempause für die Parade oder um einen ernsthaften Schritt zum Frieden handelt.

Ukrainische Drohnen treffen tief in Russland

Parallel zu den diplomatischen Signalen setzt die Ukraine ihre Angriffe auf russisches Hinterland fort. Am frühen Donnerstagmorgen griffen ukrainische Drohnen bereits den zweiten Tag in Folge Ziele in der Stadt Perm im Ural an, mehr als 1500 Kilometer von der Front entfernt. Betroffen waren eine Ölpumpstation des Pipelinebetreibers Transneft und eine Raffinerie des Konzerns Lukoil. Auf Telegram veröffentlichte Bilder zeigen Rauch, Feuer und Explosionen. Der Gouverneur der Region Perm, Dmitrij Machonin, bestätigte den Angriff, spielte die Schäden jedoch herunter: Eine feindliche Drohne habe einen Industriestandort getroffen, es gebe weder Verletzte noch bedeutsame Zerstörungen. Solche Aussagen widersprechen jedoch den Bildern von pechschwarzem Rauch und Berichten über beißenden Gestank. Die ukrainischen Langstreckendrohnen werden offenkundig immer leistungsstärker.

Militärparade ohne Panzer – aus Furcht vor Drohnen

Die traditionelle Militärparade zum Tag des Sieges am 9. Mai auf dem Roten Platz in Moskau wird in diesem Jahr in verkürztem Format stattfinden. Kremlsprecher Dmitrij Peskow bestätigte, dass weder militärisches Gerät wie Panzer und Schützenpanzer noch Kadetten teilnehmen werden; nur Kampfflugzeuge sollen über den Platz fliegen. Zuletzt gab es 2007 eine Parade ohne Militärgerät. Das Verteidigungsministerium begründete den Schritt zunächst knapp mit „operativen Umständen“. Peskow präzisierte später, man ergreife alle Mittel, um Gefahren vor dem Hintergrund terroristischer Bedrohungen zu verringern. Er warf Kiew vor, mit Hochdruck zu terroristischer Aktivität überzugehen, da es auf dem Schlachtfeld täglich Boden verliere. Die Absage der Parade ist ein Eingeständnis der Verwundbarkeit: Selbst das symbolträchtigste Ereignis von Putins Herrschaft ist nicht mehr sicher vor ukrainischen Drohnen.

Internetabschaltungen und Spannungen im Machtapparat

Die ukrainischen Drohnenangriffe haben nicht nur militärische, sondern auch innenpolitische Folgen. Russland schaltet regelmäßig das mobile Internet ab, um Drohnenangriffe zu erschweren, doch die Ukrainer umgehen diese Maßnahmen offenbar. Zudem gehen die Sicherheitskräfte gegen Telegram und VPN-Dienste vor, was zu Spannungen in Putins Machtapparat führt. Am Donnerstag meldete der kremltreue Telegram-Kanal Mash, in Jekaterinburg sei eine Gruppe Schüler festgenommen worden. Sie sollen als sogenannte Roofer auf hohe Gebäude geklettert sein und Panoramafotos an ukrainische Geheimdienste verkauft haben. Auf dieser Grundlage hätten die ukrainischen Streitkräfte ein Computermodell der Stadt erstellt und ihre Drohnen so programmiert, dass sie auch bei abgeschaltetem Internet Ziele angreifen können. Die Festnahme zeigt, wie die russische Führung versucht, die Kontrolle zu behalten – und wie brüchig diese Kontrolle ist.

Offene Fragen und Ausblick

Der Vorschlag einer Waffenruhe zum 9. Mai wirft mehr Fragen auf, als er beantwortet. Unklar ist, ob die Feuerpause nur für die wenigen Stunden der Parade gelten soll oder für einen längeren Zeitraum. Selenskyj hat klargestellt, dass die Ukraine einen langfristigen Waffenstillstand anstrebt, keine kurze Unterbrechung. Die russische Seite hat bislang keine Details genannt. Hinzu kommt, dass beide Seiten militärisch weiter aufrüsten. Während Russland seine Parade verkleinert, setzt die Ukraine ihre Drohnenangriffe fort. Die nächsten Tage werden zeigen, ob die diplomatischen Kanäle tatsächlich zu einer Verhandlungslösung führen oder ob die Waffenruhe nur eine taktische Atempause bleibt. Der 9. Mai rückt näher – und mit ihm die Entscheidung, ob die Waffen schweigen oder weiter donnern.

Das Wichtigste

  • Putin schlug eine Waffenruhe zum 9. Mai vor, Trump unterstützte den Vorschlag, Selenskyj fordert Details.
  • Die Ukraine lehnt eine kurze Feuerpause ab und verlangt einen langfristigen Waffenstillstand mit Sicherheitsgarantien.
  • Ukrainische Drohnen greifen weiterhin Ziele tief in Russland an, darunter Ölanlagen in Perm.
  • Russland sagt die Militärparade zum 9. Mai in verkürztem Format ab, aus Furcht vor ukrainischen Drohnen.
  • Internetabschaltungen und Festnahmen zeigen die innenpolitischen Spannungen in Russland.
  • Die widersprüchlichen Darstellungen über die Initiative zum Telefonat untergraben das Vertrauen in den Vorschlag.
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