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Buckelwal „Timmy“: Meeresmuseum erklärt ihn für tot – Minister Backhaus widerspricht

Das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund geht mit hoher Wahrscheinlichkeit vom Tod des Buckelwals aus, doch Umweltminister Till Backhaus fordert Beweise und schließt sich der Todesvermutung nicht an.

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Buckelwal „Timmy“: Meeresmuseum erklärt ihn für tot – Minister Backhaus widerspricht
Das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund geht mit hoher Wahrscheinlichkeit vom Tod des Buckelwals aus, doch UmweltministerCredit · BILD

Die Fakten

  • Das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund erklärte am Dienstag, der Buckelwal sei mit hoher Wahrscheinlichkeit tot.
  • Umweltminister Till Backhaus (SPD) schloss sich der Todesvermutung nicht an und forderte die Herausgabe von Beweisen.
  • Der GPS-Sender am Wal funktioniert nicht ordnungsgemäß und liefert keine Positionsdaten.
  • Die private Initiative unter Geldgeberin Karin Walter-Mommert hat bisher mindestens 1,5 Millionen Euro für die Rettungsaktion ausgegeben.
  • Der vier bis sechs Jahre alte Walbulle wurde Anfang März erstmals in der Ostsee gesichtet und strandete mehrfach.
  • Die Tierärztin Kirsten Tönnies erhob schwere Vorwürfe gegen den Kapitän der „Fortuna B“.
  • Zwei unverifizierte Walsichtungen vor Norwegen, gemeldet von einem User namens „timmy-1“, wurden nach einer Anfrage von der Karte gelöscht.

Todeserklärung ohne Beweise

Das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund hat am Dienstag erklärt, dass der Buckelwal „Timmy“ mit hoher Wahrscheinlichkeit tot sei. In einer Mitteilung heißt es, der Wal sei in einem extrem geschwächten Zustand gewesen und habe sich nach früheren Strandungen nicht nachhaltig erholt. Daher sei davon auszugehen, dass er nicht genug Kraft besaß, um längerfristig im tiefen Wasser zu schwimmen. Das Museum legte für seine Einschätzung keine konkreten Belege vor. Umweltminister Till Backhaus (SPD) reagierte umgehend und distanzierte sich von der Todesvermutung. „Den Spekulationen über den möglichen Tod des Wals schließe ich mich zum jetzigen Zeitpunkt ausdrücklich nicht an“, erklärte er am Dienstagnachmittag. „Ich richte mein Urteil an Fakten aus. Sollte das Deutsche Meeresmuseum Erkenntnisse haben, die wir nicht haben, bitte ich um entsprechende Herausgabe.“

GPS-Sender versagt – keine Positionsdaten

Der an dem Wal befestigte GPS-Sender funktioniert nicht richtig. Karin Walter-Mommert, die Geldgeberin der privaten Rettungsinitiative, erklärte, der Sender habe 25 Mal ein Signal gesendet, zuletzt am Dienstag. Allerdings lasse sich daraus keine Position ablesen. Walter-Mommert interpretiert die Signale als Lebenszeichen, da das Gerät nur senden könne, wenn der Wal an der Wasseroberfläche sei. Ob sich der Sender noch am Wal befindet, kann jedoch niemand mit Sicherheit sagen. Ein dänischer Meeresbiologe widersprach dieser Interpretation: „Es gibt keinen handelsüblichen GPS-Sender, der Vitaldaten des Wals liefern kann – wer das behauptet, sagt nicht die Wahrheit.“ Laut Experten würde ein sterbender oder ertrinkender Wal keine verwertbaren Positionsdaten mehr liefern.

Kapitän entließ Wal entgegen Absprache

Die Rettungsaktion war von Beginn an von Kontroversen begleitet. Die „Fortuna B“ hatte den Buckelwal bis zum Eingang der Nordsee gezogen, als der Kapitän am Samstagmorgen, dem 2. Mai, entschied, das Tier von der Barge ins Meer zu setzen. Laut Walter-Mommert geschah dies entgegen der ursprünglichen Absprache; der Kapitän habe den Schritt mit einem Termin am 4. Mai begründet. Die Tierärztin Kirsten Tönnies, die in Cuxhaven noch an Bord war, erhob schwere Vorwürfe gegen den Kapitän und die Crew. Das Schiff „Fortuna B“ ist inzwischen vom Radar verschwunden; seine Position auf VesselFinder hatte sich seit Sonntagabend um 21 Uhr nicht verändert, tatsächlich lief es aber gegen Mitternacht in Cuxhaven ein. Anschließend sei offenbar das Trackingsignal abgeschaltet worden.

Millionenkosten und offene Fragen

Die bisherigen Kosten der Rettungsaktion belaufen sich laut Walter-Mommert auf mindestens 1,5 Millionen Euro. Neben internationalen Experten aus Hawaii und Island wurden mehrere Schiffe eingesetzt. Ein Teil der Flotte wartete über eine Woche im Hafen von Wismar, bevor der Einsatz beendet wurde. Thilo Maack von Greenpeace äußerte Zweifel am Erfolg der Aktion: Ob man im Nachhinein überhaupt von einer erfolgreichen Rettung sprechen könne, bleibe offen. Fachleute gingen ohnehin davon aus, dass der Buckelwal stark geschwächt war.

Wochenlange Odyssee in der Ostsee

Der vier bis sechs Jahre alte Walbulle war Anfang März erstmals in der Ostsee gesichtet worden. Über rund 60 Tage hinweg hielt er sich wiederholt in Flachwasserzonen auf, zuletzt vor der Insel Poel. Mehrfach strandete das Tier und wurde von Helfern zurück ins Wasser gebracht. Die Rettungsaktion der privaten Initiative sollte ihn in die offene Nordsee bringen, wo er bessere Überlebenschancen hätte. Die letzte nachweisbare Sichtung des Buckelwals erfolgte am Samstagmorgen. Seitdem gibt es keine unabhängig verifizierbaren Informationen über seinen Aufenthaltsort und seine gesundheitliche Verfassung.

Unverifizierte Sichtungen und internationale Anteilnahme

Auf der Karte der Organisation Hebridean Whale & Dolphin Trust in Schottland wurden zwei Sichtungen eines Buckelwals gemeldet: eine südwestlich von Kristiansand (Norwegen) und eine weitere bei Måløy an der norwegischen Küste. Beide Meldungen stammten von einem User namens „timmy-1“. Auf Nachfrage teilte die Organisation mit, dass es sich um unverifizierte Meldungen handele; der User hatte keine Fotos beigefügt. Nach der Anfrage wurden die Meldungen von der Karte gelöscht. Die Geschichte von „Timmy“ hat internationale Anteilnahme geweckt. Eine italienische Schulklasse unter der Lehrerin Morena Franchi verfolgt das Schicksal des Wals und hat Bilder gemalt. „Sie fiebern jetzt ganz stark mit dem Wal, hoffen endlich Nachricht zu erhalten, dass er sicher in Freiheit bei den anderen Walen ist“, schrieb die Lehrerin.

Keine Klarheit in Sicht

Trotz der Todesvermutung des Meeresmuseums gibt es keine endgültige Gewissheit über das Schicksal des Buckelwals. Der defekte GPS-Sender und das Fehlen unabhängiger Sichtungen lassen Raum für Spekulationen. Minister Backhaus hat das Museum aufgefordert, seine Erkenntnisse offenzulegen. Bislang steht eine Antwort aus. Die Rettungsaktion, die mit hohen Kosten und großem Aufwand verbunden war, endet nun in einer Phase der Ungewissheit. Für die beteiligten Geldgeber, Wissenschaftler und die interessierte Öffentlichkeit bleibt die Frage offen, ob „Timmy“ noch lebt – oder ob die Bemühungen zu spät kamen.

Das Wichtigste

  • Das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund hält den Buckelwal „Timmy“ mit hoher Wahrscheinlichkeit für tot, legt aber keine Beweise vor.
  • Umweltminister Till Backhaus widerspricht der Todesvermutung und fordert Fakten vom Museum.
  • Der GPS-Sender am Wal funktioniert nicht und liefert keine Positionsdaten; Signale werden als mögliche Lebenszeichen gedeutet, sind aber nicht verifiziert.
  • Der Kapitän der „Fortuna B“ entließ den Wal entgegen der Absprache bereits am 2. Mai in die Nordsee, was zu schweren Vorwürfen der Tierärztin Kirsten Tönnies führte.
  • Die Rettungsaktion kostete mindestens 1,5 Millionen Euro; der Erfolg bleibt ungewiss.
  • Zwei unverifizierte Walsichtungen vor Norwegen wurden nach einer Anfrage von der Karte gelöscht, was die Unsicherheit über den Verbleib des Wals verstärkt.
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