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Buckelwal Timmy in der Nordsee freigelassen – Peilsender sendet nur sporadisch Signale

Sieben Stunden nach der Freilassung im Skagerrak empfängt das Rettungsteam erste, lückenhafte Daten – doch Experten zweifeln am Erfolg der Mission.

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Buckelwal Timmy in der Nordsee freigelassen – Peilsender sendet nur sporadisch Signale
Sieben Stunden nach der Freilassung im Skagerrak empfängt das Rettungsteam erste, lückenhafte Daten – doch Experten zweiCredit · BILD

Die Fakten

  • Buckelwal Timmy verließ am 2. Mai 2026 um 8:45 Uhr den Lastkahn im Skagerrak.
  • Der Peilsender sendet nur sporadisch; möglicherweise wurde er bei der Freilassung beschädigt.
  • Die Freilassung erfolgte auf einer der meistbefahrenen Schiffsrouten Europas.
  • Das Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommern forderte die Peildaten mehrfach an, erhielt sie aber nicht.
  • Meeresbiologe Fabian Ritter nannte einen Datenausfall eine Katastrophe für das Rettungsteam.
  • Greenpeace-Experte Thilo Maack schätzt die Überlebenschancen des Wals als minimal ein.
  • Die private Rettungsinitiative hatte den Sender aus den USA eingeflogen und erst auf See angebracht.
  • Der Wal war wochenlang vor der Insel Poel in der Ostsee gestrandet.

Freilassung im Skagerrak – ein schwieriger Moment

Am Samstagvormittag, gegen 8:45 Uhr, verließ der Buckelwal Timmy den Lastkahn, mit dem er von der Ostsee in die Nordsee geschleppt worden war. Das leere Trockendock wurde kurz nach 9 Uhr von einer Drohne gefilmt. Der Wal schwamm zunächst nach Nordwesten – nach Angaben der Rettungsinitiative der beste Weg, um die norwegische Westküste zu erreichen und von dort in Richtung Arktis zu ziehen. Eine Wasserfontäne war auf den Bildern zu sehen, Beeinträchtigungen nicht erkennbar. Doch die genauen Umstände der Freilassung bleiben unklar. Ob der Ort richtig gewählt war oder ob der Kapitän des Schleppers „Fortuna B“ zu früh das Kommando gab, ist nicht bekannt. Die private Initiative hatte ursprünglich geplant, den Wal deutlich weiter westlich in der Nordsee oder im Atlantik auszusetzen, um das Risiko einer Rückkehr in die Ostsee zu minimieren.

Peilsender sendet – aber nur lückenhaft

Stundenlang gab es keine Signale von dem Sender, den das Team am Wal angebracht hatte. Am Nachmittag meldete die Bild-Zeitung, dass der Peilsender nun doch Daten sende – jedoch nur sporadisch. Möglicherweise wurde er beschädigt, als Timmy die Barge verließ. Die empfangenen Daten deuten darauf hin, dass sich der Wal in die richtige Richtung bewegt. Das Umweltministerium von Mecklenburg-Vorpommern hatte die Daten mehrfach angefordert, sie aber nicht erhalten. Sprecherin Eva Klaußner-Ziebarth bestätigte, dass die Peildaten bei der Initiative angefordert worden seien. Die Anwältin des Teams, Constanze von der Meden, hatte zuvor erklärt, die Informationen würden nur den Teammitgliedern und dem Ministerium zur Verfügung gestellt – nicht der Öffentlichkeit, um „keinen Waltourismus zu generieren“.

Zweifel an Professionalität und Erfolg der Mission

Der Walforscher und Meeresbiologe Fabian Ritter äußerte scharfe Kritik: „Wenn sich bewahrheitet, dass der Peilsender keine Daten liefert, wäre das eine Katastrophe, auch für das ‚Rettungsteam‘. Es gab bisher genug Anlässe, an der Professionalität des Teams zu zweifeln, dies wäre der folgenschwerste.“ Ohne die Möglichkeit, den Wal per Tracker zu verfolgen und sein Verhalten zu bewerten, könne die gesamte Mission nicht als erfolgreich bezeichnet werden. Ritter betonte zudem, eine Rettung sei erst dann gegeben, wenn der Wal über Tage oder Wochen normales Verhalten zeige. Von einem guten Ende könne man noch nicht sprechen, zumal es keine Bilder von der Freilassung gegeben habe.

Risiken der Freilassung auf viel befahrener Route

Der Buckelwal wurde in einer der meistbefahrenen Schiffsrouten Europas ausgesetzt, wie Thilo Maack von Greenpeace anmerkte. „Wir schätzen seine Überlebenschancen als minimal ein“, sagte der Experte. Die Gefahr von Kollisionen mit Schiffen ist hoch, und der Wal könnte erneut in die Ostsee zurückkehren. Bereits vor dem Transport hatten Experten des Meeresmuseums gewarnt: Der Allgemeinzustand des Wals habe sich weiter verschlechtert, die Erfolgsaussichten einer Lebendbergung seien sehr gering. Die International Whaling Commission und British Divers Marine Life Rescue teilten diese Einschätzung. Die Wal- und Delfin-Schutzorganisation WDC erklärte, dass die ungewohnte Gefangenschaft bei Walen Stress und Panik auslösen könne, insbesondere weil sie ihrem natürlichen Fluchtinstinkt nicht nachkommen könnten.

Emotionale Reaktionen der Retter

Die Tierärztinnen Anne Herrschaft und Kirsten Tönnies verfolgten die Freilassung aus der Ferne und waren tief bewegt. „Mir ist zum Heulen zumute“, sagte Herrschaft. Die Rettungsaktion hatte die Öffentlichkeit wochenlang in Atem gehalten. Der Wal war in einer flachen Bucht vor der Insel Poel gestrandet und musste mit einem Schwimmbagger und einer rund 100 Meter langen Rinne in einen Lastkahn gelotst werden. Am Freitag war der Transport ins Stocken geraten: Im Übergang zwischen Nord- und Ostsee türmten sich bei Windstärke 6 bis zu 1,5 Meter hohe Wellen auf, zu hoch für die Barge. Der Schlepper drehte ab und fuhr langsam Richtung Süden. Am Abend bewegte sich der Wal zielstrebig in Richtung Ausgang der Barge, blieb aber bis Samstagvormittag.

Offene Fragen und Ausblick

Ob der Wal den Transport überstehen und in Freiheit leben kann, ist weiterhin offen. Es gibt keine Angaben zu seinem aktuellen Gesundheitszustand. Die lückenhafte Datenübertragung des Senders erschwert die Überwachung. Das Umweltministerium wartet weiterhin auf verlässliche Peildaten. Sollte der Sender ausfallen, wäre die Mission nach Ansicht von Fabian Ritter gescheitert. Die private Initiative hat bislang keine unabhängige Bestätigung dafür vorgelegt, dass der Sender ordnungsgemäß funktioniert. Der Wal schwimmt derzeit in der Nordsee – sein Schicksal bleibt ungewiss.

Das Wichtigste

  • Buckelwal Timmy wurde am 2. Mai 2026 im Skagerrak freigelassen, der Peilsender sendet nur sporadisch.
  • Die Freilassung erfolgte auf einer stark befahrenen Schiffsroute, was die Überlebenschancen minimiert.
  • Experten zweifeln an der Professionalität der privaten Rettungsinitiative und bezeichnen einen Datenausfall als Katastrophe.
  • Der Gesundheitszustand des Wals ist unklar; eine erfolgreiche Rettung setzt über Wochen normales Verhalten voraus.
  • Das Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommern hat die Peildaten mehrfach angefordert, aber nicht erhalten.
  • Greenpeace schätzt die Überlebenschancen des Wals als minimal ein.
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