Gerlafingen: Müllberg vor Wohnblock nach Kündigungen
Vor einem Wohngebäude in Gerlafingen SO türmt sich Hausrat. Die Gemeinde kündigte den Mietern wegen eines geplanten Abrisses, was zu Frustration und illegaler Entsorgung führt.

SWITZERLAND —
Die Fakten
- In Gerlafingen SO bildete sich vor einem Wohnblock ein grosser Abfallberg.
- Der Müll stammt mutmasslich aus der Wohnung einer langjährigen Mieterin.
- Alle Mieter der betroffenen Gebäude erhielten im September 2025 Kündigungen.
- Gemeindepräsident Philipp Heri bestätigt geplante Abrissarbeiten der Gebäude.
- Eine Anwohnerin bezeichnet die Situation als gesellschaftliches Problem der illegalen Abfallentsorgung.
- Die Siedlungsverwaltung weist auf ordnungsgemässe Entsorgungspflicht der Mieter hin.
- Der Abfall wurde inzwischen von der Gemeindeverwaltung entfernt.
Abfallberg sorgt für Aufsehen in Gerlafingen
Seit Anfang der Woche türmt sich vor einem Wohnblock an der Mittelstrasse in Gerlafingen SO Hausrat zu einem beachtlichen Abfallberg. Die kuriose Szenerie sorgte umgehend für Aufsehen in der Gemeinde und darüber hinaus. Anwohnerinnen und Anwohner berichten, dass der Müll aus der Wohnung einer älteren Dame stamme, die seit Jahrzehnten dort lebte. Die Entsorgung des Sperrguts am Strassenrand löste Bestürzung aus. Eine Anwohnerin äusserte gegenüber den Medien, dass zwar eine fachgerechte Entsorgung wünschenswert sei, in dem Abfall aber auch ein gelebtes Leben stecke. Sie beobachtete, wie zwei junge Personen Kisten aus der Wohnung trugen und den Inhalt am Strassenrand abliessen. Diese Form der Abfallentsorgung ist nicht die erste ihrer Art in der Gegend. Die Anwohnerin beklagt, dass illegale oder unfrankierte Entsorgungen an diesem Ort wiederholt vorkämen. Sie sieht darin ein schweizweites gesellschaftliches Problem, das nicht auf Gerlafingen beschränkt sei.
Abrisspläne und Kündigungen als Auslöser
Der Grund für die Entsorgungsproblematik liegt in den Plänen der Gemeinde: Die betroffenen Wohngebäude an der Mittelfeldstrasse sollen abgerissen werden. Dies hat zur Folge, dass alle Mieterinnen und Mieter bis zum Herbst dieses Jahres ausziehen müssen. Die entsprechenden Kündigungen wurden bereits im September 2025 ausgesprochen, mit einer Frist von einem Jahr. Gemeindepräsident Philipp Heri sieht die Ursache des Problems weniger bei der Gemeinde als vielmehr bei verwaltenden Stellen, die sich nicht um ihre Liegenschaften kümmerten. Er betont, dass eine Sanierung der Gebäude weder energetisch, brandschutztechnisch noch behindertengerecht sinnvoll sei – eine Erkenntnis, die seit über zwei Jahren bestehe. Heri räumt jedoch ein, dass die Situation für langjährige Bewohner frustrierend sein kann. Er äussert Verständnis dafür, dass Frustration aufkomme, insbesondere wenn Personen seit 40 Jahren oder länger in einer Liegenschaft gelebt hätten. Die Kündigungsfrist von einem Jahr bezeichnet er als fair.
Reaktionen und Massnahmen der Verwaltung
Die Siedlungsverwaltung hat auf die Vorfälle reagiert und Massnahmen ergriffen. Auf Nachfrage von Tele-M1 teilte sie mit, dass die ausziehenden Mieter bei der Wohnungsabgabe explizit darauf hingewiesen werden, den Abfall ordnungsgemäss und selbstständig zu entsorgen. Um weitere unsachgemässe Entsorgungen zu verhindern, werden nun regelmässige Kontrollgänge durchgeführt. Diese Massnahmen sollen sicherstellen, dass die Entsorgungspflicht von den Mietern eingehalten wird und die Entstehung weiterer Abfallberge verhindert wird. Eine Nachbarin, die ebenfalls ausziehen muss, Simona Jordanova, findet die Aktion des Abfallabladens zwar nicht berechtigt, kann den Frust aber nachvollziehen. Die Gemeinde hat inzwischen reagiert und den entstandenen Abfallberg durch eine Putzequipe entfernen lassen.
Kontext: Entwicklungen in Gerlafingen
Die aktuelle Situation in Gerlafingen steht im Kontext weiterer Entwicklungen in der Gemeinde. So nimmt die Entwicklung des Zielmatten-Areals Gestalt an, und der Gemeinderat hat die Weichen für den Bau einer neuen Dreifach-Sporthalle im Gländ gestellt. Darüber hinaus hat das Unternehmen Stahl Gerlafingen kürzlich staatliche Unterstützung erhalten. Die Firma sah sich im März mit erheblichen Kosten von zwei Millionen Franken konfrontiert, verursacht durch Verwerfungen auf den Energiemärkten infolge des Krieges im Iran. Ein weiteres Thema, das die Gemeinde beschäftigt, ist die geplante Gesetzesänderung zur Mietzinsbekanntgabe bei Neuvermietungen. Während Mitte-Links die Massnahme begrüsst, wird sie von bürgerlichen Kreisen als reine «Symbolpolitik» kritisiert.
Das Wichtigste
- Ein Abfallberg vor einem Wohnhaus in Gerlafingen SO ist Folge von Kündigungen wegen geplanter Abrissarbeiten.
- Langjährige Mieter müssen bis Herbst 2025 ausziehen, was zu Frustration und illegaler Entsorgung führt.
- Gemeindepräsident Philipp Heri bestätigt die Abrisspläne und sieht die Verantwortung bei den Liegenschaftsverwaltungen.
- Die Gemeinde hat den Abfall inzwischen entfernt und verstärkt Kontrollen zur ordnungsgemässen Entsorgung.
- Die Situation beleuchtet das gesellschaftliche Problem der illegalen Abfallentsorgung und den Umgang mit langjährigen Mietverhältnissen.
- Gerlafingen erlebt gleichzeitig weitere kommunale Entwicklungen wie Arealentwicklungen und Sportstättenbau.






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