Valiant-Aktie stürzt nach Quartalszahlen ab
Die Bank verzeichnet zwar leichte Gewinne, doch Analysten und Investoren hatten mehr erwartet. Der Aktienkurs fällt um über 10 Prozent.

SWITZERLAND —
Die Fakten
- Valiant verzeichnete im ersten Quartal 2026 einen Geschäftserfolg von 53,9 Millionen Franken.
- Der Reingewinn stieg um 1,5 Prozent auf 33,2 Millionen Franken.
- Der Netto-Zinserfolg erhöhte sich um 0,9 Prozent auf 97,2 Millionen Franken.
- Das Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft verzeichnete ein Plus von 4,6 Prozent.
- Die Aktie fiel am Donnerstagmorgen um 10,8 Prozent auf 160,20 Franken.
- Analysten hatten einen deutlich höheren Quartalsgewinn erwartet.
- Die Zinsmarge sank leicht von 1,11 Prozent auf 1,09 Prozent.
Aktienkurs bricht nach Veröffentlichung der Quartalszahlen ein
Die Aktie der Valiant Bank hat am Donnerstagmorgen einen deutlichen Kursrutsch erlebt. Um 9.40 Uhr fiel der Kurs um 11,7 Prozent auf 158,60 Franken, wobei das Handelsvolumen hoch war. Dies geschah, nachdem die Bank ihre Zahlen für das erste Quartal 2026 vorgelegt hatte. Die Zahlen scheinen der Aktie nicht gut zu bekommen, obwohl die Bank selbst von einer soliden Entwicklung berichtet. Die Reaktion des Marktes steht im Kontrast zur jüngsten Kursentwicklung der Valiant-Aktie. Seit November des Vorjahres hatte das Papier eine starke Aufwärtsbewegung erfahren und kurz vor Ende April ein Mehrjahreshoch bei 184,40 Franken erreicht. Die jüngsten Kursverluste deuten darauf hin, dass einige Anleger nun Gewinne mitnehmen. Die Enttäuschung am Markt speist sich aus der Diskrepanz zwischen den vorgelegten Ergebnissen und den Erwartungen von Analysten und Investoren. Insbesondere beim Reingewinn hatten Finanzexperten deutlich mehr erwartet. Die Aktie wird zudem als «stolz» bewertet, was die Sensibilität für enttäuschende Ergebnisse erhöht.
Leichter Gewinnanstieg, aber unter den Erwartungen
Valiant hat im ersten Quartal 2026 einen Geschäftserfolg von 53,9 Millionen Franken ausgewiesen, was einer Steigerung von 0,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal entspricht. Der Reingewinn legte um 1,5 Prozent auf 33,2 Millionen Franken zu. Diese Zuwächse wurden durch eine erfreuliche Entwicklung im Zinsgeschäft sowie im Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft getragen. Der Geschäftsertrag insgesamt stieg um 0,9 Prozent auf 134,7 Millionen Franken. Das Zinsgeschäft zeigte sich trotz des anhaltenden Nullzinsumfelds solide und steigerte seinen Erfolg um 0,9 Prozent auf 97,2 Millionen Franken. Die Kundenausleihungen nahmen um 1,1 Prozent auf 30,7 Milliarden Franken zu, wobei Hypothekarforderungen um 1,2 Prozent stiegen. Dem gegenüber standen Kundengelder von 22,9 Milliarden Franken, ein Anstieg von 0,5 Prozent. Das Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft verzeichnete einen Zuwachs von 4,6 Prozent auf 25,8 Millionen Franken, gestützt durch ein kräftiges Plus im Wertschriften- und Anlagegeschäft, das auf gestiegene Depotvermögen zurückzuführen ist. Das Handelsgeschäft hingegen verzeichnete einen Rückgang um rund 11 Prozent auf 10,0 Millionen Franken, bewegt sich aber weiterhin auf hohem Niveau. Die Kosten stiegen um 1,4 Prozent auf 75,7 Millionen Franken, unter anderem aufgrund von Massnahmen zur Steigerung der Arbeitgeberattraktivität.
Reserven und Zinsmarge sorgen für Unmut
Ein zentraler Punkt der Enttäuschung liegt in der Verbuchung überraschend hoher Reserven für allgemeine Bankrisiken. Laut Analysten von Octavian hat Valiant diese Reserven deutlich höher angesetzt als vom Konsens erwartet, was zu einem Ergebnis geführt hat, das rund 20 Prozent unter den Schätzungen liegt. Dies geschah, obwohl die angestrebte Kernkapitalquote (CET1) am oberen Ende erreicht wurde. Octavian-Experten weisen darauf hin, dass neben den hohen Rückstellungen auch der Netto-Zinserfolg etwas und das Handelsergebnis klar schwächer als erwartet ausfielen. Diese Faktoren trugen zur gedämpften Kursreaktion bei, insbesondere im Vergleich zur jüngst überdurchschnittlichen Entwicklung im Sektor. Die ZKB äusserte sich insbesondere enttäuscht über die Zinsmarge, die mit 1,09 Prozent gegenüber dem Vorquartal (1,11 Prozent) leicht rückläufig war. Obwohl dies angesichts des Zinsumfelds nicht gänzlich unerwartet und weiterhin solide ist, sorgte die Entwicklung für Enttäuschung. Valiant hatte in den Vorquartalen seine Zinsmarge trotz Zinssenkungen der Schweizerischen Nationalbank überraschend stabil halten oder sogar ausbauen können.
CEO Burgener bekräftigt Strategie trotz Marktreaktion
Trotz der negativen Marktreaktion auf die Quartalszahlen zeigte sich Valiant-CEO Ewald Burgener in einer Mitteilung vom Mittwoch zuversichtlich. «Wir befinden uns auch im herausfordernden Umfeld auf Kurs», erklärte er und betonte, dass die Strategie des Unternehmens weiterhin «konsequent umgesetzt» werde. Die Bank hält an ihrem Ausblick für das Gesamtjahr fest und erwartet weiterhin einen «leicht höheren» Konzerngewinn für 2026. Diese Prognose bleibt unverändert, was darauf hindeutet, dass das Management die aktuellen Ergebnisse als temporäre Schwankung und nicht als Indikator für eine grundlegende Veränderung der Geschäftsaussichten betrachtet. Die Diskrepanz zwischen der internen Einschätzung und der externen Marktreaktion unterstreicht die Bedeutung von Erwartungsmanagement. Während Valiant die Ergebnisse als Bestätigung des eingeschlagenen Kurses sieht, interpretiert der Markt die Abweichungen von den Konsensprognosen als negatives Signal, insbesondere im Hinblick auf die Profitabilität und die Zinsentwicklung.
Ausblick: Anhaltende Bewertung und Sektordynamik
Die Kursentwicklung der Valiant-Aktie wird weiterhin von der Markteinschätzung der vorgelegten Zahlen und den Erwartungen für das Gesamtjahr abhängen. Analysten von Octavian sehen die Ergebnisse insgesamt zwar durchweg positiv, was die grundsätzliche Einschätzung der Aktie untermauert, doch die kurzfristige Reaktion zeigt die Empfindlichkeit des Marktes für Abweichungen von Prognosen. Die leichte rückläufige Zinsmarge und die hohen Rückstellungen sind Faktoren, die die Anleger genau beobachten werden. Die Fähigkeit von Valiant, seine Zinsmarge trotz des Zinsumfelds stabil zu halten oder auszubauen, war in der Vergangenheit ein wichtiger Treiber für die Aktie. Die aktuelle Entwicklung könnte hier Fragen aufwerfen. Der Sektorvergleich zeigt, dass Valiant zuletzt eine überdurchschnittliche Entwicklung verzeichnete. Die nun erfolgte Kurskorrektur könnte auch im Kontext einer generellen Gewinnmitnahme im Sektor stehen. Die weitere Entwicklung wird davon abhängen, ob Valiant seine strategischen Ziele erreichen und die Erwartungen des Marktes in den kommenden Quartalen wieder erfüllen kann.
Das Wichtigste
- Valiant verzeichnete im ersten Quartal 2026 einen leichten Gewinnanstieg, der jedoch hinter den Erwartungen der Analysten zurückblieb.
- Die Aktie der Bank reagierte mit einem Kurssturz von über 10 Prozent auf die vorgelegten Zahlen.
- Höhere als erwartete Rückstellungen für allgemeine Bankrisiken und eine leicht gesunkene Zinsmarge sind Hauptgründe für die Marktenttäuschung.
- Trotz der negativen Kursreaktion bekräftigt CEO Ewald Burgener die eingeschlagene Strategie und hält am Ausblick für das Gesamtjahr fest.
- Das Zinsgeschäft und das Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft zeigten sich solide, während das Handelsgeschäft rückläufig war.
- Die Aktie hatte zuvor eine starke Aufwärtsbewegung erfahren und ein Mehrjahreshoch erreicht, was Gewinnmitnahmen begünstigen könnte.



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