Tech

Nach der Freilassung von Wal Timmy: Geisterschiff, Tierärztin-Vorwürfe und kein Lebenszeichen

Die „Fortuna B“ schaltet ihr Tracking ab, die Tierärztin erhebt schwere Vorwürfe gegen die Crew – und der Wal bleibt verschollen.

3 min
Nach der Freilassung von Wal Timmy: Geisterschiff, Tierärztin-Vorwürfe und kein Lebenszeichen
Die „Fortuna B“ schaltet ihr Tracking ab, die Tierärztin erhebt schwere Vorwürfe gegen die Crew – und der Wal bleibt verCredit · BILD

Die Fakten

  • Wal Timmy wurde am Samstag, 9 Uhr, rund 70 km nördlich von Skagen in der Nordsee freigelassen.
  • Die „Fortuna B“, das Schleppschiff, schaltete am Sonntagabend gegen 21 Uhr das Trackingsignal ab und wurde zum Geisterschiff.
  • Tierärztin Dr. Kirsten Tönnies (58) ging nach der Ankunft in Cuxhaven von Bord und erhob schwere Vorwürfe gegen Kapitän und Crew.
  • Die Polizei Cuxhaven sicherte die „Fortuna B“ am Kai, nachdem der Kapitän um Schutz vor Tieraktivisten gebeten hatte.
  • Der Peilsender von Timmy sendete bis Dienstagmorgen keine GPS-Daten; es gibt kein Lebenszeichen.
  • Greenpeace-Experte Thilo Maack schätzte Timmys Überlebenschance als äußerst gering ein, da der Wal mehrfach gestrandet und krank sei.

Ein Happy End bleibt aus

Am Samstagmorgen gegen 9 Uhr, rund 70 Kilometer nördlich von Skagen, öffnete sich die Barge und Wal Timmy glitt in die Nordsee. Die Rettungsaktion, die tagelang die Schlagzeilen beherrschte, schien ihr Ziel erreicht zu haben. Doch die Erleichterung währte nur kurz. Seitdem fehlt von dem Buckelwal jede Spur. Der Peilsender, den die Aktivisten angebracht hatten, sendet bis zum Dienstagmorgen keine GPS-Daten. Ohne diese Signale lässt sich nicht beurteilen, ob Timmy die Strapazen der Reise überlebt hat oder ob er erneut strandet.

Das Geisterschiff „Fortuna B“

Das Schleppschiff „Fortuna B“, das Timmy zur Nordsee zog, ist seit Sonntagabend von den Radarschirmen verschwunden. Auf dem Schiffsverfolgungsdienst VesselFinder wird das Boot seit über 18 Stunden vor der Insel Scharhörn angezeigt – offenbar wurde das Signal abgeschaltet. Tatsächlich lief die „Fortuna B“ in der Nacht zum Montag in Begleitung des Küstenwachschiffs „Helgoland“ in Cuxhaven ein. Die Polizei Cuxhaven bestätigte, dass die „Fortuna B“ selbst um Schutz gebeten hatte. Grund seien „Störungsaufrufe“ und die Angst vor Tieraktivisten, nachdem bekannt geworden war, dass das Schiff in Cuxhaven einläuft. Beamte sicherten das Boot am Kai.

Tierärztin erhebt schwere Vorwürfe

Kaum an Land, ging Dr. Kirsten Tönnies, die Tierärztin der Wal-Initiative, von Bord und erhob schwere Vorwürfe gegen Kapitän und Crew. Sie und ein Kameramann hätten den ersten Entladeversuch am Freitag nicht begleiten dürfen, obwohl andere Absprachen getroffen worden seien. Die Crew habe sie unter dem Vorwand ferngehalten, der Wellengang sei zu hoch gewesen – doch die See sei ruhig gewesen wie ein „Ententeich“, so Tönnies. Sie selbst hätte hinüberspringen können. In dem Moment, als Timmy entladen werden sollte, sei das Team der Initiative von der Schiffscrew „belogen und betrogen worden“, erklärte die Tierärztin wütend.

Geldgeber distanzieren sich

Auch die Geldgeber der Initiative, Karin Walter-Mommert und Walter Gunz, distanzierten sich von der Aktion. In einer Stellungnahme hieß es, die Freilassung sei nicht wie geplant durchgeführt worden. Die Verantwortung liege allein bei den Eignern, Betreibern und Crewmitgliedern der beiden Konvoischiffe. Damit zeichnet sich ein tiefer Riss zwischen den privaten Rettern ab. Der Konflikt dreht sich nicht nur um die Frage, ob Timmy gerettet wurde, sondern grundsätzlicher: Wer hatte die Kontrolle? Wer trägt die Verantwortung? Die Schuldzuweisungen überschlagen sich.

Zweifel an der Rettung

Die Bergung des Buckelwals war entgegen den Empfehlungen zahlreicher Wissenschaftler, Fachinstitutionen und Tierschutzorganisationen durchgeführt worden. Thilo Maack von Greenpeace betonte, Timmys Überlebenschance sei als äußerst gering eingeschätzt worden. Dass der Wal mehrfach gestrandet ist, werten Experten als deutliches Indiz dafür, dass er bereits krank und stark geschwächt war, als er die deutsche Küste erreichte. Ob man rückblickend tatsächlich von einer „Rettung“ sprechen kann, bleibt ungewiss. Klarheit könnten nur die Trackingdaten bringen – doch die fehlen weiterhin.

Offene Fragen und Ausblick

Am Dienstagmorng gibt es noch immer kein Lebenszeichen von Timmy. Der Peilsender sendet keine Daten, und die „Fortuna B“ bleibt ein Geisterschiff. Die Tierärztin hat ihre Vorwürfe öffentlich gemacht, doch eine unabhängige Untersuchung steht aus. Es bleibt zu hoffen, dass der Wal die Möglichkeit hat, sein Leben ungestört fortzusetzen – und sich vielleicht sogar bald anderen Buckelwalen anzuschließen. Doch die Zeichen stehen schlecht. Ohne gesicherte Vitaldaten und ohne Kenntnis seines Aufenthaltsorts kann niemand sagen, ob die Aktion letztlich mehr geschadet als genutzt hat.

Das Wichtigste

  • Wal Timmy wurde am Samstag in der Nordsee freigelassen, sendet aber keine GPS-Daten; sein Verbleib ist ungewiss.
  • Das Schleppschiff „Fortuna B“ schaltete sein Trackingsignal ab und wurde zum Geisterschiff; die Polizei sicherte es aus Angst vor Aktivisten.
  • Tierärztin Dr. Kirsten Tönnies wirft der Crew vor, sie getäuscht und von der Freilassung ausgeschlossen zu haben.
  • Die Geldgeber der Initiative distanzieren sich und schieben die Verantwortung auf die Schiffsbetreiber.
  • Experten, darunter Greenpeace, hatten die Rettung als riskant eingestuft; Timmy war mehrfach gestrandet und galt als krank.
  • Ohne Trackingdaten bleibt unklar, ob die Aktion als Rettung oder als Belastung für das Tier zu werten ist.
Galerie
Nach der Freilassung von Wal Timmy: Geisterschiff, Tierärztin-Vorwürfe und kein Lebenszeichen — image 1Nach der Freilassung von Wal Timmy: Geisterschiff, Tierärztin-Vorwürfe und kein Lebenszeichen — image 2Nach der Freilassung von Wal Timmy: Geisterschiff, Tierärztin-Vorwürfe und kein Lebenszeichen — image 3Nach der Freilassung von Wal Timmy: Geisterschiff, Tierärztin-Vorwürfe und kein Lebenszeichen — image 4Nach der Freilassung von Wal Timmy: Geisterschiff, Tierärztin-Vorwürfe und kein Lebenszeichen — image 5Nach der Freilassung von Wal Timmy: Geisterschiff, Tierärztin-Vorwürfe und kein Lebenszeichen — image 6
Mehr dazu