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Collien Fernandes erhebt schwere Vorwürfe gegen Ex-Mann Christian Ulmen: Identitätsmissbrauch und Sexismus in der TV-Branche

Die Schauspielerin berichtet von Deepfake-Videos, heimlichen Nacktfotos und sexistischen Anweisungen eines früheren Arbeitgebers – und kritisiert mangelndes Schuldbewusstsein des Täters.

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Collien Fernandes erhebt schwere Vorwürfe gegen Ex-Mann Christian Ulmen: Identitätsmissbrauch und Sexismus in der TV-Branche
Die Schauspielerin berichtet von Deepfake-Videos, heimlichen Nacktfotos und sexistischen Anweisungen eines früheren ArbeCredit · ARD Mediathek

Die Fakten

  • Collien Fernandes war fast 15 Jahre mit Christian Ulmen verheiratet.
  • Sie wirft Ulmen vor, öffentliche Profile erstellt und Männern Nacktfotos und Sexvideos geschickt zu haben.
  • Ulmen bestreitet die Vorwürfe; seine Anwälte gehen presserechtlich gegen Teile der Spiegel-Berichterstattung vor.
  • Fernandes berichtet von einem Briefing an das Styling Anfang der 2000er Jahre mit der Anweisung: „Collien muss immer einen Ausschnitt tragen“.
  • Die Anwaltskanzlei Schertz und Bergmann äußert sich nicht näher zu den Vorwürfen.
  • Fernandes sagt, der Täter habe einen „wahnsinnigen Kenntnisvorsprung“ und werfe ihr vor, die Familie zerstört zu haben.

Neue Vorwürfe gegen Christian Ulmen: Identitätsmissbrauch und Deepfakes

Collien Fernandes hat in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erneut schwere Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen erhoben. Die Schauspielerin und Moderatorin beschuldigt Ulmen, über Jahre hinweg öffentliche Profile erstellt und zahlreichen Männern Nacktfotos und Sexvideos von ihr geschickt zu haben. Sie spricht von einem massiven Identitätsmissbrauch, der sie in extreme Gefahr gebracht habe. Fernandes betont, dass es für sie keinen Unterschied mache, ob es sich um Deepfake-Pornos handele oder um echte Aufnahmen. Die Argumentation der Gegenseite, dass es sich um Deepfakes handeln könnte, bezeichnet sie als „Nebelkerze“, die einzig dazu diene, vom Kernvorwurf abzulenken. Ihr Ex-Mann bestreitet die Vorwürfe; seine Anwaltskanzlei Schertz und Bergmann geht presserechtlich gegen Teile der Spiegel-Berichterstattung vor.

Die Rolle der Anwälte und die Unschuldsvermutung

Die Anwälte von Christian Ulmen behaupten, dieser habe nie Deepfake-Videos von Fernandes verbreitet. Fernandes kontert, dass viele nicht verstehen würden, welchen Kenntnisvorsprung der Täter habe. Sie schildert, dass Ulmen mit fremden Männern geschrieben und sich für sie ausgegeben habe. Einige dieser Männer hätten sie kontaktiert, bevor sie wusste, wer der Täter war – einer habe ihr von einem Sexvideo berichtet, auf dem sie von einem Mann von hinten genommen werde. Für Fernandes ist klar: Der Täter werfe ihr vor, mit ihrer Aussage die Familie zerstört zu haben. Dies sei ein Zeichen dafür, wie wenig Schuldbewusstsein vorhanden sei. Die Anwaltskanzlei Schertz und Bergmann äußert sich auf Anfrage nicht näher zu den Vorwürfen. Für Ulmen gilt die Unschuldsvermutung.

Sexismus in der TV-Branche: „Collien muss immer einen Ausschnitt tragen“

Neben den Vorwürfen gegen ihren Ex-Mann thematisiert Fernandes auch sexistische Praktiken in der Unterhaltungsbranche. Sie berichtet, dass ihr früherer Arbeitgeber Anfang der 2000er Jahre Anweisungen formuliert habe, um sie möglichst freizügig in Szene zu setzen. Ein Briefing an das Styling habe den Satz enthalten: „Collien muss immer einen Ausschnitt tragen“. Fernandes sagt, sie habe davon nichts gewusst. Sie habe nie groß über ihre Outfits nachgedacht und einfach angezogen, was ihr hingelegt wurde. Erst im Nachhinein habe sie erfahren, dass die Kleidung bewusst freizügig gewählt war. Heute sei ihr bewusst, wie sexistisch diese Praktiken damals waren.

Die psychischen Folgen für Fernandes

Die Vorwürfe und die öffentliche Debatte haben bei Fernandes tiefe Spuren hinterlassen. Sie berichtet von Panikattacken und dem Gefühl, sich „wahnsinnig alleingelassen“ zu fühlen. In dem Interview sagt sie: „Mir ging es vor der Anzeige besser als jetzt.“ Die Auseinandersetzung mit dem Fall habe sie massiv belastet. Fernandes betont, dass sie durch die Arbeit am „Traumschiff“ etwas Abstand gewinnen konnte. Die Dreharbeiten hätten ihr geholfen, sich auf etwas anderes zu konzentrieren. Doch die psychischen Folgen des Identitätsmissbrauchs seien noch immer spürbar.

Reaktionen und offene Fragen

Die Vorwürfe von Fernandes haben eine breite öffentliche Debatte ausgelöst. Während Ulmen die Anschuldigungen bestreitet, stehen die Ermittlungen noch am Anfang. Die Frage, ob es sich um Deepfakes oder echte Aufnahmen handelt, ist rechtlich relevant, aber für Fernandes zweitrangig. Ihr geht es um die Anerkennung des Unrechts, das ihr widerfahren ist. Die Anwaltskanzlei Schertz und Bergmann hat angekündigt, presserechtlich gegen Teile der Spiegel-Berichterstattung vorzugehen. Ob es zu einer gerichtlichen Klärung kommt, ist offen. Fernandes fordert ein Umdenken in der Branche und mehr Schutz für Betroffene von digitalem Missbrauch.

Ein systemisches Problem: Sexismus und Machtmissbrauch

Der Fall Fernandes ist mehr als ein persönlicher Konflikt. Er wirft ein Schlaglicht auf strukturelle Probleme in der Unterhaltungsbranche: Sexismus, Machtmissbrauch und die mangelnde Unterstützung für Betroffene. Fernandes‘ Erfahrungen mit sexistischen Anweisungen ihres früheren Arbeitgebers sind kein Einzelfall, sondern Teil eines größeren Musters. Die Debatte zeigt, wie tief verwurzelt solche Praktiken sind und wie schwer es Betroffenen fällt, sich zu wehren. Fernandes hat mit ihren Aussagen einen wichtigen Schritt getan – doch der Weg zu einer umfassenden Aufarbeitung ist noch lang. Die Branche steht vor der Frage, wie sie künftig mit solchen Vorfällen umgehen will.

Das Wichtigste

  • Collien Fernandes erhebt schwere Vorwürfe des Identitätsmissbrauchs und der Verbreitung von Nacktfotos und Sexvideos gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen.
  • Ulmen bestreitet die Vorwürfe; seine Anwälte gehen presserechtlich gegen Teile der Berichterstattung vor.
  • Fernandes berichtet zudem von sexistischen Anweisungen ihres früheren Arbeitgebers, die sie freizügig darstellen sollten.
  • Die psychischen Folgen des Missbrauchs sind für Fernandes massiv; sie fühlt sich alleingelassen.
  • Der Fall wirft ein Licht auf systemischen Sexismus und Machtmissbrauch in der Unterhaltungsbranche.
  • Eine rechtliche Klärung steht noch aus; die öffentliche Debatte über digitale Gewalt und Opferschutz ist neu entfacht.
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