Drei Tote nach Hantavirus-Ausbruch auf Kreuzfahrtschiff vor Kap Verde
Die WHO bestätigt drei mutmaßliche Todesfälle an Bord der „MV Hondius“; zwei weitere Passagiere sollen medizinisch evakuiert werden.
GERMANY —
Die Fakten
- Drei Menschen starben mutmaßlich an Hantavirus-Infektion an Bord der „MV Hondius“.
- Die WHO meldete die Todesfälle und drei weitere Erkrankte.
- Ein 69-jähriger Passagier liegt in Johannesburg auf der Intensivstation.
- Zwei niederländische Passagiere sollen von Kap Verde in die Niederlande ausgeflogen werden.
- Die kapverdischen Behörden haben die Genehmigung zur Verlegung an Land noch nicht erteilt.
- Das Schiff war von Ushuaia (Argentinien) gestartet und hatte in der Antarktis Halt gemacht.
Ein tödlicher Ausbruch mitten im Atlantik
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat drei mutmaßliche Todesfälle durch Hantavirus-Infektion an Bord des niederländischen Kreuzfahrtschiffs „MV Hondius“ bestätigt. Das Schiff liegt derzeit vor der Küste der Kapverdischen Inseln, nahe der Hauptstadt Praia. Der Betreiber Oceanwide Expeditions spricht von einer „ernsten medizinischen Notlage“. Nach Angaben der WHO sind mindestens drei weitere Passagiere infiziert, einer von ihnen wird in Südafrika intensivmedizinisch betreut. Die Behörden versuchen, zwei erkrankte Personen von den Kapverden in die Niederlande auszufliegen – doch die örtlichen Behörden haben die Erlaubnis bislang verweigert.
Zwei Niederländer und ein Deutscher unter den Toten
Das niederländische Außenministerium bestätigte, dass zwei der Verstorbenen niederländische Staatsbürger sind. Der dritte Tote stammt nach Angaben des Betreibers aus Deutschland. Ein weiterer Passagier, ein Brite, liegt in Johannesburg auf der Intensivstation. Die WHO koordiniert die medizinische Evakuierung und unterstützt die rund 150 verbliebenen Passagiere an Bord. Die Regierung in Den Haag bemüht sich um die Rückholung von zwei symptomatischen Passagieren sowie des Leichnams eines Verstorbenen.
Virusnachweis und offene Fragen
Bei dem in Johannesburg behandelten Passagier wurde das Hantavirus im Labor nachgewiesen. Ob das Virus auch für alle drei Todesfälle verantwortlich ist, ist noch nicht abschließend geklärt. Die WHO hat eine detaillierte epidemiologische Untersuchung eingeleitet. Das Nationale Institut für übertragbare Krankheiten in Südafrika führt derzeit Kontaktverfolgungen im Raum Johannesburg durch, um mögliche weitere Ansteckungen zu prüfen.
Eine Reise von Argentinien über die Antarktis
Die „MV Hondius“ war vor etwa drei Wochen von Ushuaia im Süden Argentiniens aufgebrochen. Die Route führte unter anderem in die Antarktis, bevor das Schiff Kurs auf Kap Verde nahm. Das Expeditionsschiff bietet Platz für 170 Passagiere und etwa 70 Besatzungsmitglieder. Schifffahrtstracking-Portale zeigen, dass die „Hondius“ derzeit vor dem Hafen von Praia liegt – ihrem Zielhafen. Die Reise sollte dort enden, doch nun liegt das Schiff unter Quarantäne.
Hantavirus: Eine seltene, aber gefährliche Infektion
Hantaviren werden hauptsächlich durch Nagetiere übertragen – über Urin, Kot oder Speichel, die als Staub eingeatmet werden. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist äußerst selten. Die Viren sind seit den 1950er-Jahren bekannt, als sich rund 3.000 Soldaten in Korea infizierten; der Name leitet sich vom Grenzfluss Hantan ab. In Nord- und Südamerika verbreitete Varianten können das sogenannte kardiopulmonale Syndrom (HPS/HCPS) auslösen, das zu schweren Atemwegsproblemen wie Lungenödemen und akutem Lungenversagen führt. Laut US-Gesundheitsbehörde CDC liegt die Sterblichkeitsrate bei diesen Verläufen bei rund 38 Prozent – weltweit werden jährlich etwa 200 solcher Fälle gemeldet.
Behandlung ohne spezifische Medikamente
Es gibt keine speziellen Medikamente gegen Hantavirus-Infektionen. Die Behandlung konzentriert sich auf die Linderung der Symptome und in schweren Fällen auf künstliche Beatmung. Die Inkubationszeit kann bis zu 60 Tage betragen, was die Nachverfolgung erschwert. Die WHO und die kapverdischen Behörden stehen in Kontakt, um die Evakuierung der Erkrankten zu ermöglichen. Die rund 150 verbliebenen Passagiere an Bord warten unter medizinischer Beobachtung auf weitere Anweisungen.
Offene Fragen und nächste Schritte
Die kapverdischen Behörden haben die Genehmigung zur Verlegung der erkrankten Passagiere an Land noch nicht erteilt. Ohne diese Zustimmung können die geplanten Evakuierungsflüge nicht stattfinden. Die WHO koordiniert die Maßnahmen und unterstützt die medizinische Versorgung an Bord. Die epidemiologische Untersuchung soll klären, ob alle Todesfälle tatsächlich auf das Hantavirus zurückgehen und ob es weitere Infizierte gibt. Die Kontaktverfolgung in Südafrika läuft. Der Ausbruch wirft ein Schlaglicht auf die Risiken von Langzeitreisen in entlegene Gebiete.
Das Wichtigste
- Drei Menschen starben mutmaßlich an Hantavirus an Bord der „MV Hondius“; zwei Niederländer und ein Deutscher.
- Die WHO bestätigte drei Todesfälle und drei weitere Erkrankungen; ein Passagier liegt in Südafrika auf der Intensivstation.
- Die kapverdischen Behörden blockieren bislang die Evakuierung zweier erkrankter Passagiere in die Niederlande.
- Das Schiff war von Argentinien über die Antarktis nach Kap Verde unterwegs; die Reise begann vor etwa drei Wochen.
- Hantavirus wird durch Nagetiere übertragen; eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist selten.
- Die Sterblichkeitsrate bei amerikanischen Hantavirus-Varianten liegt bei etwa 38 Prozent; es gibt keine spezifischen Medikamente.




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