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Lufthansa trotzt Krisen: Besserer Quartalsausblick trotz hoher Treibstoffkosten

Die Fluggesellschaft übertrifft die Erwartungen im ersten Quartal und blickt optimistisch ins Gesamtjahr, kämpft aber mit den Folgen des Nahostkonflikts.

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Lufthansa trotzt Krisen: Besserer Quartalsausblick trotz hoher Treibstoffkosten
Die Fluggesellschaft übertrifft die Erwartungen im ersten Quartal und blickt optimistisch ins Gesamtjahr, kämpft aber miCredit · tagesschau.de

Die Fakten

  • Lufthansa verringerte den operativen Verlust im ersten Quartal auf 612 Millionen Euro.
  • Der Umsatz im ersten Quartal erreichte 8,75 Milliarden Euro und war ein Rekord für das Auftaktquartal.
  • Die Treibstoffkosten für das Gesamtjahr werden auf 1,7 Milliarden Euro mehr geschätzt als im Vorjahr.
  • Der Konzern rechnet bis mindestens Ende Juni nicht mit Treibstoffknappheit in Europa.
  • Lufthansa erwartet für 2026 Treibstoffkosten von 8,9 Milliarden Euro.
  • Die Streiks im ersten Quartal kosteten Lufthansa 40 Millionen Euro.
  • Die Streiks im April werden das zweite Quartal mit 150 Millionen Euro belasten.

Überraschend starkes Quartal trotz geopolitischer Risiken

Die Lufthansa hat im ersten Quartal des laufenden Jahres trotz des eskalierenden Konflikts im Nahen Osten und der damit verbundenen steigenden Ölpreise besser abgeschnitten als von Analysten erwartet. Der Konzern konnte seinen operativen Verlust im saisonal schwächsten Quartal auf 612 Millionen Euro reduzieren, eine Verbesserung um 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dies übertraf die Prognosen der Finanzexperten, die mit einem Defizit von 659 Millionen Euro gerechnet hatten. Der Umsatz erreichte mit 8,75 Milliarden Euro einen neuen Rekordwert für das erste Quartal, entsprach jedoch den Erwartungen. Traditionell erzielen Fluggesellschaften den Großteil ihrer Gewinne in den Sommermonaten, was den schwachen Jahresauftakt erklärt. Dennoch sendet das Unternehmen ein starkes Signal an die Anleger: Für das Gesamtjahr wird eine deutliche Gewinnsteigerung im Vergleich zum Vorjahr prognostiziert. Die anhaltende Krise am Persischen Golf und der daraus resultierende Anstieg der Treibstoffpreise stellen eine erhebliche Herausforderung dar. Treibstoffkosten sind traditionell der größte Kostenblock für Fluggesellschaften. Hinzu kommen potenzielle Flugausfälle oder Umleitungen aufgrund geostrategischer Risiken, die zusätzliche Kosten verursachen und die Bilanz belasten.

Treibstoffversorgung im Fokus: Herausforderungen und Lösungsansätze

Die Treibstoffversorgung ist zu einem zentralen Thema für die Lufthansa geworden. Vorstandschef Carsten Spohr erklärte, dass die steigenden Kerosinkosten und operativen Einschränkungen eine enorme Herausforderung darstellen, betonte jedoch die Resilienz des Unternehmens, diese Auswirkungen abzufedern. Für das Gesamtjahr rechnet Lufthansa mit Treibstoffkosten von 8,9 Milliarden Euro, was eine Steigerung um 1,7 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Die Unsicherheit bezüglich der Treibstofflieferungen aus der Golfregion, die etwa ein Viertel des normalen Bedarfs deckt, ist groß. Spohr geht jedoch davon aus, dass fehlende Importe kompensiert werden können. Derzeit wird die Hälfte des weggefallenen Volumens durch zusätzliche Importe aus den USA und Nigeria ersetzt, die andere Hälfte wird aus Lagerbeständen gedeckt. Die Kerosinversorgung an den Drehkreuzen des Konzerns sei bis mindestens Ende Juni gesichert, so Finanzchef Till Streichert. Dennoch bereitet sich die Airline-Gruppe auf mögliche Störungen vor und plant vorsorglich Krisenszenarien. Eine kurzfristige Umsetzung von Flugstreichungen oder Zwischenlandungen zum Nachtanken ist derzeit nicht geplant. Der Konzern hofft auf Unterstützung durch den Bund und die EU, um Lieferausfälle durch alternative Bezugswege auszugleichen.

Forderungen an die Politik: Slot-Regulierung und Tankering

Um die Herausforderungen der Treibstoffversorgung zu meistern, hat Carsten Spohr konkrete Forderungen an die Europäische Kommission gerichtet. Er fordert die zeitweise Aussetzung der Slot-Regulierung. Diese Regelung sieht vor, dass Fluglinien Start- und Landezeiten an großen Flughäfen verlieren, wenn sie nicht mindestens 80 Prozent der geplanten Flüge durchführen. Die Lockerung dieser Bestimmung würde es der Lufthansa ermöglichen, flexibler auf Engpässe zu reagieren. Zudem plädiert Spohr für die Erlaubnis des sogenannten „Tankering“. Dabei nehmen Flugzeuge auf dem Hinflug bereits den Treibstoff für den Rückflug mit, was den Verbrauch und die Umweltbelastung erhöht. Dieses Vorgehen ist in Europa wegen der zusätzlichen Emissionen eigentlich verboten. Eine weitere Forderung betrifft die Zulassung des in den USA üblichen Treibstoffstandards Jet-A durch die European Union Aviation Safety Agency (EASA). Derzeit muss aus den USA importierter Treibstoff in Europa nochmals raffiniert werden, um dem europäischen Standard Jet-A1 zu entsprechen. Die EASA hat bereits signalisiert, Jet-A zulassen zu wollen. Dies würde Kapazitäten freigeben und die Versorgungssicherheit erhöhen.

Ausblick und Gewinnziele: Zuversicht trotz Widrigkeiten

Trotz der erheblichen Risiken, darunter die steigenden Treibstoffkosten und die negativen Folgen jüngster Streiks, hält das Management der Lufthansa an seinem ambitionierten Gewinnziel für das Gesamtjahr fest. Der Betriebsgewinn soll deutlich über den knapp zwei Milliarden Euro des Vorjahres liegen. Diese Zuversicht basiert auf der Annahme, dass die hohen Treibstoffkosten sukzessive kompensiert werden können, insbesondere in der zweiten Jahreshälfte. Die Streiks von Flugbegleitern und Piloten hatten im ersten Quartal Kosten von 40 Millionen Euro verursacht. Für das zweite Quartal werden die Auswirkungen der Streiks im April auf 150 Millionen Euro geschätzt. Diese Belastungen werden ebenfalls in die Gesamtprognose eingerechnet. Die Anleger reagierten positiv auf die Aussagen des Managements. Der Aktienkurs der Lufthansa stieg im Handelsverlauf um acht Prozent. Die Erwartung, dass der Konzern trotz der widrigen Umstände seine Profitabilität steigern kann, überwiegt derzeit die kurzfristigen Sorgen über die globale Sicherheitslage und deren Auswirkungen auf den Luftverkehr.

Internationale Konkurrenz und Kapazitätsanpassungen

Die Lufthansa konnte im März von Einschränkungen bei Golf-Airlines wie Emirates, Etihad und Qatar Airways profitieren, die aufgrund der Spannungen im Iran zeitweise ihr Angebot reduzierten. Dies ermöglichte der Lufthansa, mehr Flüge nach Asien und Afrika zu verkaufen. Mittlerweile haben die Golf-Carrier ihr Angebot jedoch wieder hochgefahren, obwohl die Spannungen in der Region andauern. Die steigenden Kerosinkosten führen auch zu höheren Ticketpreisen. Die Lufthansa plant derzeit keine weiteren Flugstreichungen. Zuletzt wurde das Flugangebot der Tochter Cityline gestoppt, was die Gesamtkapazität um etwa ein Prozent reduzierte. Sollte sich die Lage weiter verschärfen, erwägt die Lufthansa, auf den Asien-Flügen Zwischenlandungen an Flughäfen einzulegen, die über ausreichende Treibstoffreserven verfügen. Die Kerosinversorgung in anderen Regionen, insbesondere in Asien, wird als problematischer eingeschätzt. Einige asiatische Flughäfen haben bereits Anfragen abgewiesen, da sie die Versorgung der bereits geplanten Flüge sicherstellen wollten.

Das Wichtigste

  • Lufthansa hat trotz des Nahostkonflikts und steigender Treibstoffkosten die Erwartungen im ersten Quartal übertroffen.
  • Der Konzern prognostiziert für das Gesamtjahr eine deutliche Gewinnsteigerung, trotz um 1,7 Milliarden Euro höherer Treibstoffkosten.
  • Die Treibstoffversorgung ist bis mindestens Ende Juni gesichert, aber die Lufthansa bereitet sich auf mögliche Engpässe vor.
  • Vorstandschef Carsten Spohr fordert von der EU eine Lockerung der Slot-Regulierung und die Zulassung des US-Treibstoffstandards Jet-A.
  • Die Streiks im Konzern verursachten bereits erhebliche Kosten und werden das zweite Quartal weiter belasten.
  • Die Aktie der Lufthansa verzeichnete nach den positiven Nachrichten einen Kursanstieg.
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