Monde

Trump attackiert Papst Leo XIV. erneut – Rubios Vatikanbesuch belastet

Kurz vor dem Treffen von US-Außenminister Marco Rubio mit dem Papst wirft Donald Trump Leo XIV. vor, Irans Atomprogramm zu unterstützen – der Pontifex weist die Vorwürfe zurück.

4 min
Trump attackiert Papst Leo XIV. erneut – Rubios Vatikanbesuch belastet
Kurz vor dem Treffen von US-Außenminister Marco Rubio mit dem Papst wirft Donald Trump Leo XIV. vor, Irans Atomprogramm Credit · Spiegel

Die Fakten

  • US-Präsident Donald Trump nannte Papst Leo XIV. in einem Interview mit Hugh Hewitt 'schwach' und warf ihm vor, 'viele Katholiken und viele Menschen' zu gefährden.
  • Papst Leo XIV. wies die Darstellung zurück und betonte, die Kirche spreche sich seit Jahren gegen alle Atomwaffen aus.
  • US-Außenminister Marco Rubio, selbst Katholik, trifft am Donnerstag im Vatikan ein; die Reise war bereits vor dem Streit geplant.
  • Der italienische Außenminister Antonio Tajani bezeichnete Trumps Angriffe als 'weder akzeptabel noch hilfreich für die Sache des Friedens'.
  • Rubio will mit dem Papst unter anderem über Religionsfreiheit und die Lage in der Golfregion sprechen.
  • Der Vatikan-Besuch fällt mit dem ersten Jahrestag des Pontifikats von Leo XIV. zusammen.
  • Trump hatte zuvor ein KI-generiertes Bild verbreitet, das ihn in christusähnlicher Pose zeigte, und später gelöscht.

Schlagabtausch vor dem Vatikanbesuch

Kurz vor dem geplanten Treffen von US-Außenminister Marco Rubio mit Papst Leo XIV. am Donnerstag hat US-Präsident Donald Trump seine Kritik an dem Pontifex verschärft. In einem Interview mit dem konservativen Radiomoderator Hugh Hewitt bezeichnete Trump den Papst als „schwach“ und warf ihm vor, es sei „in Ordnung, wenn der Iran eine Atomwaffe hat“. Der Papst gefährde damit „viele Katholiken und viele Menschen“, so Trump. Der 70-jährige Papst Leo XIV. wies die Vorwürfe am Dienstagabend vor Journalisten zurück. „Wenn mich jemand dafür kritisieren will, dass ich das Evangelium verkünde, soll er das mit der Wahrheit tun“, sagte er. Die Kirche spreche sich seit Jahren gegen alle Atomwaffen aus, daran gebe es „keinen Zweifel“. Er verwies auf seine ersten Worte nach der Wahl: „Friede sei mit euch.“ Die Mission der Kirche sei es, das Evangelium und den Frieden zu verkünden.

Rubio als Vermittler zwischen Washington und Vatikan

Für US-Außenminister Marco Rubio, selbst praktizierender Katholik, bedeutet Trumps erneute Attacke eine zusätzliche Belastung. Rubio spielte die jüngsten Äußerungen herunter: Es seien „einige Dinge passiert“, seine Reise nach Italien sei jedoch bereits zuvor geplant gewesen, teilte er mit. Er nannte als Gesprächsthemen mit dem Papst die Religionsfreiheit sowie „die Lage in der Golfregion und gemeinsame Interessen in der westlichen Hemisphäre“. Der US-Botschafter beim Heiligen Stuhl, Brian Burch, sprach vorab von einem erwarteten „offenen“ Gespräch. Staaten hätten Meinungsverschiedenheiten, sagte er. Diese ließen sich durch „Brüderlichkeit und authentischen Dialog“ bearbeiten. Zugleich wies er die Darstellung zurück, wonach es einen tiefen Bruch zwischen Washington und dem Vatikan gebe.

Italien stellt sich hinter den Papst

Die italienische Regierung hat Papst Leo XIV. erneut gegen die Kritik aus Washington verteidigt. Außenminister Antonio Tajani erklärte, die Worte des Pontifex seien „ein Bekenntnis zum Dialog, zum Wert des menschlichen Lebens und zur Freiheit“. Die italienische Regierung teile diese Werte. Trumps Attacken seien „weder akzeptabel noch hilfreich für die Sache des Friedens“, schrieb Tajani. Rubio soll in Rom auch Ministerpräsidentin Giorgia Meloni treffen – ein heikles Gespräch, denn Meloni hatte den Papst gegen frühere Angriffe Trumps verteidigt. Trump hatte daraufhin mit dem Teilabzug von US-Soldaten aus Italien gedroht.

Hintergrund des Zerwürfnisses

Das Verhältnis zwischen Washington und dem Vatikan gilt seit Wochen als belastet. Leo XIV. hatte sich zuletzt zunehmend kritisch zur Kriegsführung der USA und Israels gegen Iran geäußert und den Angriff als „wahrlich inakzeptabel“ verurteilt. Trump stellt den Krieg hingegen als notwendig dar, um Teheran am Bau einer Atomwaffe zu hindern. Zusätzliche Empörung hatte ein von Trump verbreitetes KI-Bild ausgelöst, das ihn in einer christusähnlichen Darstellung zeigte und später wieder gelöscht wurde. Der Papst hatte in seiner ersten Osterbotschaft die „sinnlose und unmenschliche Gewalt“ im Irankrieg verurteilt, was Trump als Parteinahme für Iran interpretierte.

Reise mit Symbolkraft

Rubios Vatikanbesuch fällt mit dem ersten Jahrestag von Leos Pontifikat zusammen. Beobachter werten die Reise als Versuch, nach dem öffentlich ausgetragenen Streit die Wogen zu glätten. Neben dem Treffen mit dem Papst am Donnerstag ist am Freitag ein Termin des US-Außenministers mit seinem Amtskollegen Tajani und Ministerpräsidentin Meloni vorgesehen. Die Frage bleibt, ob Rubio die tiefen Gräben zwischen dem Weißen Haus und dem Heiligen Stuhl überbrücken kann. Trumps jüngste Attacke hat die Spannungen weiter verschärft – und stellt den Außenminister vor eine diplomatische Herausforderung, die weit über die üblichen Protokollfragen hinausgeht.

Das Wichtigste

  • Trump wirft Papst Leo XIV. vor, Irans Atomprogramm zu unterstützen – eine Behauptung, die der Pontifex als Verfälschung seiner Friedensbotschaft zurückweist.
  • US-Außenminister Marco Rubio reist in den Vatikan, um die Beziehungen zu entspannen; er selbst ist Katholik und steht unter Druck.
  • Italien stellt sich demonstrativ hinter den Papst; Außenminister Tajani verurteilt Trumps Äußerungen als inakzeptabel.
  • Der Streit zwischen Trump und dem Papst hat eine Vorgeschichte: Leo XIV. hatte den US-geführten Krieg gegen Iran als ‚inakzeptabel‘ verurteilt.
  • Rubio will mit dem Papst über Religionsfreiheit und die Golfregion sprechen – die Gespräche gelten als schwierig.
  • Der Vatikanbesuch fällt mit dem ersten Jahrestag von Leos Pontifikat zusammen und ist symbolisch hoch aufgeladen.
Galerie
Trump attackiert Papst Leo XIV. erneut – Rubios Vatikanbesuch belastet — image 1Trump attackiert Papst Leo XIV. erneut – Rubios Vatikanbesuch belastet — image 2Trump attackiert Papst Leo XIV. erneut – Rubios Vatikanbesuch belastet — image 3Trump attackiert Papst Leo XIV. erneut – Rubios Vatikanbesuch belastet — image 4Trump attackiert Papst Leo XIV. erneut – Rubios Vatikanbesuch belastet — image 5Trump attackiert Papst Leo XIV. erneut – Rubios Vatikanbesuch belastet — image 6
Mehr dazu