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Ukrainische Drohne trifft Luxus-Hochhaus in Moskau – Spott vor Siegesparade

Der Angriff ereignet sich nur Tage vor dem Tag des Sieges, während Putin zugleich eine Feuerpause zum orthodoxen Osterfest ankündigt und sich neuen Wirtschaftssanktionen der USA gegenübersieht.

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Ukrainische Drohne trifft Luxus-Hochhaus in Moskau – Spott vor Siegesparade
Der Angriff ereignet sich nur Tage vor dem Tag des Sieges, während Putin zugleich eine Feuerpause zum orthodoxen OsterfeCredit · Spiegel

Die Fakten

  • Eine ukrainische Drohne schlug am 4. Mai 2026 in ein Luxus-Hochhaus im Moskauer Stadtteil Mosfilmovskaja ein.
  • Bürgermeister Sergej Sobjanin meldete auf Telegram, es gebe keine Verletzten; zwei weitere Drohnen seien von der Luftabwehr abgefangen worden.
  • Russland feiert am 9. Mai den Tag des Sieges mit einer Militärparade auf dem Roten Platz; Putin hält traditionell eine Rede.
  • Putin kündigte eine Feuerpause zum orthodoxen Osterfest an, die von Samstagnachmittag bis Sonntag andauern soll.
  • Die USA lockerten Sanktionen und erlaubten für einen Monat den Verkauf von bereits verladenem russischem Öl.
  • Der russische Anwalt Ilja Remeslo sprach von einem möglichen ‚leisen‘ Machtwechsel im Kreml, vergleichbar mit 1953.
  • Remeslo nannte Ministerpräsident Michail Mischustin und Wirtschaftsminister Maxim Reschetnikow als mögliche Nachfolger.
  • Russland schränkt den Zugang zum globalen Internet zunehmend ein und sperrt vermehrt VPNs.

Drohnenangriff im Westen Moskaus

Am frühen Montagmorgen des 4. Mai 2026 schlug eine ukrainische Drohne in ein Luxus-Hochhaus im Moskauer Stadtteil Mosfilmovskaja ein. Bürgermeister Sergej Sobjanin teilte auf Telegram mit, dass es nach vorläufigen Angaben keine Verletzten gebe und die Einsatzkräfte vor Ort seien. Zwei weitere Drohnen, die auf Moskau zusteuerten, wurden nach Sobjanins Angaben von den Luftabwehrkräften des Verteidigungsministeriums abgefangen. Fotos und Videos in sozialen Netzwerken zeigen das Ausmaß der Zerstörung an dem Gebäude.

Spott und Häme im Netz vor dem Tag des Sieges

Der Angriff erfolgt nur fünf Tage vor dem Tag des Sieges am 9. Mai, an dem traditionell eine große Militärparade auf dem Roten Platz stattfindet und Präsident Wladimir Putin eine Rede hält. Im Internet wurde der Vorfall mit Spott quittiert. Der ukrainische Kriegsbeobachter Anton Geraschtschenko, früher Berater im ukrainischen Innenministerium, postete auf X Aufnahmen der Zerstörung mit der Bemerkung: „Moskau. Bereiten Sie sich auf die Parade vor?“ Weitere pro-ukrainische Nutzer kommentierten: „Man erntet, was man sät. Der Krieg kommt nach Hause“ und „Diese Mistkerle haben vier Jahre zu lange ruhig geschlafen.“

Putin signalisiert Gesprächsbereitschaft und kündigt Feuerpause an

Parallel zu den militärischen Spannungen zeigte Putin sich in einem Telefonat mit US-Präsident Donald Trump offen für eine kurze Waffenruhe in der Ukraine. Konkret kündigte er eine Feuerpause zum orthodoxen Osterfest an, die ab Samstagnachmittag den gesamten Sonntag über andauern soll. Trump hatte zuvor erklärt, Putins Teilnahme am G20-Gipfel wäre „hilfreich“. Eine Aussage Trumps zur Ukraine sorgte jedoch für Irritationen, ohne dass Details bekannt wurden.

Wirtschaftlicher Druck und Lockerung der US-Sanktionen

Die US-Regierung erlaubte angesichts gestiegener Ölpreise durch den Iran-Krieg eine befristete Lockerung der Sanktionen gegen Russland: Öl, das bereits auf Tanker verladen ist, darf für einen Monat verkauft werden. Dies deutet auf wachsenden wirtschaftlichen Druck hin. Gleichzeitig mehren sich Berichte über eine anhaltende Wirtschaftsflaute in Russland. Das Handelsblatt zitiert Stimmen, die von einer sterbenden Wirtschaft sprechen, die Putin unter Druck setze. Die Konjunkturkrise könnte die innenpolitische Stabilität gefährden.

Insider warnt vor stillem Machtwechsel im Kreml

Der russische Anwalt Ilja Remeslo, der sich selbst als Teil des Systems bezeichnet, sprach in einem Interview mit der YouTuberin Ksenia Sobtschak von einem möglichen „Palastputsch“. Er erwarte keinen militärischen Umsturz wie den Aufstand von Jewgeni Prigoschin, sondern einen leisen Übergang ähnlich dem Machtwechsel nach Stalins Tod 1953. Remeslo sagte, er habe mit Personen aus Regierungskreisen gesprochen, die Putin hassen, weil er ihnen alles genommen habe. Viele könnten frühere Vorteile nicht mehr nutzen, Entscheidungen seien vorbestimmt, was Spannungen im System aufstauen lasse.

Mögliche Nachfolger und wachsender Unmut

Auf die Frage nach möglichen Nachfolgern nannte Remeslo vorsichtig Ministerpräsident Michail Mischustin und Wirtschaftsminister Maxim Reschetnikow, vermied jedoch die Nennung einer konkreten Person mit der Begründung, diese könnte sonst „morgen verhaftet werden“. Er deutete zudem auf eine weitere Figur aus der Präsidialverwaltung hin. Remeslo will gezielt Menschen innerhalb der Machtstrukturen ansprechen, die bislang gezögert haben, sich gegen die Führung zu stellen. Sein Szenario eines stillen Umsturzes unterstreicht den wachsenden Unmut in der Elite, während Russland gleichzeitig mit digitaler Isolation kämpft: Das Land schränkt den Zugang zum globalen Internet immer weiter ein und sperrt verstärkt VPNs, was als digitaler Eiserner Vorhang beschrieben wird.

Ausblick: Zwischen Krieg, Wirtschaftskrise und Machtpoker

Die gleichzeitigen Entwicklungen – Drohnenangriff vor der Haustür des Kremls, angekündigte Feuerpause, wirtschaftliche Lockerung durch die USA und Putschgerüchte – zeichnen das Bild eines angeschlagenen Systems. Der Tag des Sieges am 9. Mai wird ohne Militärtechnik auf der Parade stattfinden, wie aus russischen Medien verlautet. Ob Putin die innenpolitischen Spannungen kontrollieren kann oder ob die wirtschaftliche Flaute und der Unmut in der Elite zu einem Machtwechsel führen, bleibt offen. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Feuerpause hält und ob die USA ihre Sanktionspolitik weiter anpassen.

Das Wichtigste

  • Eine ukrainische Drohne traf am 4. Mai ein Luxus-Hochhaus in Moskau, Verletzte gab es nicht.
  • Putin kündigte eine Feuerpause zum orthodoxen Osterfest an, nachdem er mit Trump telefoniert hatte.
  • Die USA lockerten die Sanktionen gegen russisches Öl für einen Monat, um den Ölpreis zu stabilisieren.
  • Der russische Anwalt Ilja Remeslo spricht von einem möglichen stillen Machtwechsel im Kreml, ähnlich 1953.
  • Remeslo nannte Mischustin und Reschetnikow als mögliche Nachfolger, warnte aber vor Verhaftungen.
  • Russland treibt die digitale Abgrenzung voran, indem es den Zugang zum Internet und VPNs einschränkt.
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