Buckelwal Timmy nach Freilassung in der Nordsee: Peilsender sendet Signale, aber keine GPS-Daten
Der Wal verließ am Samstagmorgen unerwartet früh die Barge, während Streitigkeiten im Rettungsteam und fehlende Trackingdaten die Mission überschatten.
AUSTRIA —
Die Fakten
- Timmy verließ die Barge am Samstag gegen 8:45 Uhr rund 70 Kilometer nördlich von Skagen.
- Der Peilsender sendete am Montagmorgen mehrere Signale, aber keine GPS-Daten.
- Tierärztin Dr. Kirsten Tönnies bestätigte die Signale und erklärte, dass sie nur bei Auftauchen zum Luftholen gesendet werden.
- Umweltminister Till Backhaus kritisierte, dass vereinbarte Peildaten und ein Videosystem nicht übermittelt wurden.
- Der Wal war etwa 60 Tage in der Ostsee, davon zwei Drittel in Flachwasserzonen, zuletzt vor der Insel Poel.
- Der vier bis sechs Jahre alte Walbulle wurde Anfang März erstmals in der Ostsee gesichtet.
- Die Tierschutzorganisation WDC betont, von einer Rettung könne erst bei Rückkehr in den Nordatlantik und langfristigem Überleben gesprochen werden.
Unerwartete Freilassung und erste Lebenszeichen
Der Buckelwal Timmy hat am Samstagmorgen gegen 8:45 Uhr den Lastkahn verlassen, mit dem er seit Dienstag von der Ostsee in die Nordsee transportiert wurde. Die Unternehmerin Karin Walter-Mommert, die hinter der privaten Rettungsinitiative steht, teilte mit, dass das Tier eigenständig und frei schwimme und zunächst in die richtige Richtung unterwegs sei. Eigentlich war vor der Freilassung noch eine tierärztliche Untersuchung geplant gewesen, doch der Wal verließ die Barge nach Angaben der Initiative „relativ unvorbereitet“. In der Nacht kehrte das Begleitschiff „Fortuna B“ nach Cuxhaven zurück, begleitet von der Wasserschutzpolizei. Am Montagmorgen sendete der an Timmy angebrachte Peilsender mehrere Signale, wie Tierärztin Dr. Kirsten Tönnies bestätigte. Diese Signale treten nur auf, wenn der Wal zum Luftholen an die Wasseroberfläche kommt – ein Beweis, dass Timmy noch lebt. GPS-Daten wurden jedoch nicht übermittelt, sodass sein genauer Aufenthaltsort weiterhin unbekannt ist.
Streit im Rettungsteam und Kritik an der Professionalität
Die Freilassung wird von heftigen Kontroversen begleitet. Tierärztin Dr. Jenna Wallace, die zunächst Teil des Rettungsteams war und später ausstieg, äußerte auf Facebook scharfe Kritik an der gescheiterten Freilassung am Freitag, bei der ein Seil an Timmys Schwanzflosse angebracht wurde. Sie fragte: „Was zur Hölle? Wer war auf der Barge verantwortlich? Warum griff niemand ein? Und warum musste Initiatorin Karin Walter-Mommert aus der Ferne eingreifen?“ Auch im Hafen von Cuxhaven erhob Tierärztin Dr. Kirsten Tönnies schwere Vorwürfe gegen Retter und Crew. Der Walforscher und Meeresbiologe Fabian Ritter kommentierte: „Es gab bisher genug Anlässe, an der Professionalität des Teams zu zweifeln.“ Sollte sich bestätigen, dass der Peilsender keine Daten liefert, wäre dies der folgenschwerste Fehler. Ohne Trackingdaten könne die Mission weder als Erfolg noch als Misserfolg bewertet werden.
Fehlende Peildaten und ausbleibende Transparenz
Die von der Initiative versprochenen Peildaten sind bislang nicht eingegangen. Umweltminister Till Backhaus von Mecklenburg-Vorpommern zeigte sich verärgert: „Was mich wirklich ärgert, ist ausdrücklich: Es war vereinbart, dass uns die Daten übermittelt werden, damit wir ihn auch begleiten können. Uns sind bis heute keine Daten zur Verfügung gestellt worden.“ Auch ein vereinbartes Videosystem auf der Barge sei nicht installiert worden. Die Sprecherin des Umweltministeriums, Eva Klaußner-Ziebarth, bestätigte, dass die Peildaten mehrfach angefordert wurden, aber nicht vorlägen. Die Rechtsanwältin der Initiative, Constanze von der Meden, erklärte, dass die Allgemeinheit den Weg des Wals ohnehin nicht verfolgen könne – die Informationen würden nur den Teammitgliedern und dem Umweltministerium zur Verfügung gestellt. Am Samstagvormittag sagte sie, es könnten vorerst keine Angaben zur Schwimmrichtung gemacht werden.
Rettungsmission unter widrigen Bedingungen
Der Transport des Wals von der Ostsee in die Nordsee war von schwierigen Bedingungen geprägt. Im Bereich des Übergangs von der Ost- in die Nordsee gab es zeitweise starken Wellengang, der den Wal im Lastkahn stark hin- und herschaukelte. Obwohl das Absperrnetz bereits am Freitagnachmittag entfernt wurde, blieb das Tier zunächst in der Barge. Erst am Samstagmorgen verließ es den Kahn. Die Bereederungsgesellschaft des Begleitschiffs „Robin Hood“ bezeichnete die Freisetzung trotz der widrigen Umstände und Wetterbedingungen als Erfolg. Sie betonte, das Vorgehen aller Beteiligten sei abgestimmt gewesen. Die „Robin Hood“ traf mit der Barge im Schlepptau leicht verspätet in Kiel ein. Auf Drohnenbildern des Livestream-Anbieters News5 war zeitweise ein im Wasser schwimmender Wal zu erkennen, doch ob es sich tatsächlich um Timmy handelte, ließ sich nicht bestätigen.
Zweifel an Überlebenschancen und Gesundheitszustand
Der vier bis sechs Jahre alte Walbulle war Anfang März erstmals in der Ostsee gesichtet worden. In den etwa 60 Tagen bis zum Transport lag er rund zwei Drittel der Zeit in Flachwasserzonen, zuletzt vor der Insel Poel. Nach der langen Liegezeit ist fraglich, ob der Wal noch normal schwimmen und tauchen kann, erklärte Meeresbiologe Fabian Ritter. Zudem wurden Netzteile in seinem Maul gefunden, die die Nahrungsaufnahme beeinträchtigen könnten. Der Wal sei allen Anzeichen nach alles andere als fit. Thilo Maack von der Naturschutzorganisation Greenpeace wies darauf hin, dass Timmy in einer der meistbefahrenen Schiffsrouten Europas ausgesetzt wurde. „Wir können den Wunsch, dem Tier zu helfen, nachvollziehen, schätzen seine Überlebenschancen aber als minimal ein“, sagte er. Nur mit Trackingdaten lasse sich transparent machen, ob sich das Leiden des Wals auf dieser Reise gelohnt habe.
Offene Fragen und Ausblick
Auch Tage nach der Freilassung bleiben viele Fragen offen. Der genaue Zustand des Wals bei der Freisetzung ist unbekannt, ebenso wie sein aktueller Aufenthaltsort. Die Initiative hat bislang keine bestätigten Daten zum Peilsender vorgelegt. Die Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation (WDC) betonte: „Von einer Rettung kann man erst sprechen, wenn sich der Wal zurück im Nordatlantik befindet und dort langfristig überlebt; sich seine Haut wieder vollständig erholt hat; er wieder eigenständig auf Nahrungssuche geht und an Gewicht zunimmt; und seinem natürlichen Verhalten nachgeht.“ Die Kontroverse um die private Rettungsinitiative und die mangelnde Transparenz dürfte anhalten. Ohne verlässliche Trackingdaten bleibt ungewiss, ob Timmy den Weg zurück in den Atlantik finden wird – und ob die beispiellose Rettungsmission letztlich als Erfolg oder als gescheitertes Experiment in die Geschichte eingeht.
Das Wichtigste
- Der Buckelwal Timmy verließ die Barge am Samstagmorgen in der Nordsee, etwa 70 Kilometer nördlich von Skagen.
- Der Peilsender sendet Lebenszeichen, aber keine GPS-Daten – der Aufenthaltsort des Wals ist unbekannt.
- Umweltminister Backhaus kritisiert die fehlende Datenübermittlung und das nicht installierte Videosystem.
- Innerhalb des Rettungsteams gibt es schwere Vorwürfe und Streitigkeiten über den Ablauf der Freilassung.
- Experten bezweifeln die Überlebenschancen des Wals aufgrund der langen Strandungszeit und der Netzteile im Maul.
- Eine erfolgreiche Rettung setzt laut WDC die Rückkehr in den Nordatlantik und langfristiges Überleben voraus.



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