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Mordfall Daniela Kammerer: Anklage nach 21 Jahren dank Zigarettenkippe

Eine DNA-Spur auf einem Zigarettenfilter in der Telefonzelle brachte die Wende in dem Cold Case, der seit 2005 ungelöst schien.

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Mordfall Daniela Kammerer: Anklage nach 21 Jahren dank Zigarettenkippe
Eine DNA-Spur auf einem Zigarettenfilter in der Telefonzelle brachte die Wende in dem Cold Case, der seit 2005 ungelöst Credit · tirol.ORF.at

Die Fakten

  • Daniela Kammerer, 19, wurde am 23. Juni 2005 vor einer Telefonzelle im Innsbrucker Rapoldipark mit zwei Messerstichen getötet.
  • Die Staatsanwaltschaft Innsbruck erhob am Dienstag Anklage gegen einen 42-jährigen Österreicher, der in Australien lebt.
  • Der Angeklagte war bereits Ende 2013 festgenommen, aber im Februar 2014 enthaftet worden, nachdem eine DNA-Spur an der Kleidung des Opfers als nicht aussagekräftig eingestuft wurde.
  • Neue DNA-Untersuchungen ergaben eine Spur des Angeklagten auf dem Filter einer angerauchten Zigarette in der Telefonzelle.
  • Das Oberlandesgericht Innsbruck wies einen Einstellungsantrag des Angeklagten zurück und bestätigte den Tatverdacht.
  • Ein internationaler Haftbefehl vom November 2023 wurde von den australischen Behörden nicht vollzogen; der Angeklagte will freiwillig zur Hauptverhandlung anreisen.

Ein kalter Fall taut auf

Mehr als zwei Jahrzehnte nach dem gewaltsamen Tod der Studentin Daniela Kammerer hat die Staatsanwaltschaft Innsbruck Anklage wegen Mordes erhoben. Der 42-jährige Beschuldigte, ein österreichischer Staatsbürger mit Wohnsitz in Australien, soll die 19-Jährige in den frühen Morgenstunden des 23. Juni 2005 vor einer Telefonzelle am Rande des Rapoldiparks mit zwei Messerstichen in Brust und Rücken getötet haben. Die Anklage stützt sich auf eine neue DNA-Spur, die auf einem Zigarettenfilter in der Telefonzelle gefunden wurde – ein Beweisstück, das die Ermittler nach jahrelanger Ruhe wieder auf die Spur des Mannes brachte. Der Fall galt lange als ungelöst. Ein Pensionist entdeckte die Leiche der jungen Frau aus dem Waldviertel gegen 5:30 Uhr morgens. Die Obduktion ergab zwei tödliche Stichverletzungen. Trotz intensiver Ermittlungen blieb der Täter jahrelang unbekannt.

DNA-Spur auf Zigarettenkippe als Schlüssel

Bereits Ende 2013 war der heute 42-Jährige festgenommen worden, nachdem seine DNA an der Leiche, an der Kleidung des Opfers und an den Griffen ihres Fahrrads gefunden worden war. Doch die damalige Beweislage erwies sich als zu schwach: Die DNA-Spur an der Kleidung wurde als nicht ausreichend aussagekräftig eingestuft, und das Ermittlungsverfahren wurde im Februar 2014 eingestellt. Der Verdächtige kam frei. Die Staatsanwaltschaft gab jedoch nicht auf. In den folgenden Jahren ordnete sie wiederholt DNA-Untersuchungen an, da sich die forensischen Methoden stetig verbesserten. Schließlich gelang der Durchbruch: Auf dem Filter einer angerauchten Zigarette, die in der Telefonzelle abgelegt war, fanden die Gerichtsmediziner eine DNA-Spur des Angeklagten. Die Staatsanwaltschaft schließt daraus, dass der Mann am Tatort war.

Rechtliche Hürden und internationale Dimension

Der neue Beweis veranlasste das Oberlandesgericht Innsbruck, einen Einstellungsantrag des Angeklagten abzuweisen. Daraufhin erließ die Staatsanwaltschaft im November 2023 einen internationalen Haftbefehl, der jedoch von den australischen Behörden nicht vollstreckt wurde. Mit der Einbringung der Anklage widerrief die Staatsanwaltschaft diesen Haftbefehl, nachdem der Angeklagte durch seinen Verteidiger angekündigt hatte, freiwillig zur Hauptverhandlung vor dem Geschworenengericht anzureisen. Der Verteidiger betonte, es lägen zahlreiche entlastende Beweise vor, und sein Mandant bestreite die Vorwürfe. Die Anklage ist noch nicht rechtswirksam; der Angeklagte hat 14 Tage Zeit, Einspruch zu erheben. Im Falle einer Verurteilung droht eine Freiheitsstrafe von zehn bis 20 Jahren oder lebenslange Haft.

Ein Fall, der Österreich bewegte

Der Mord an Daniela Kammerer erschütterte 2005 die Öffentlichkeit. Die 19-jährige Studentin aus dem Waldviertel war in Innsbruck, um zu studieren. Ihr gewaltsamer Tod vor einer Telefonzelle im Rapoldipark, einem Naherholungsgebiet, löste große Betroffenheit aus. Die Polizei ermittelte damals in alle Richtungen, doch die heiße Spur blieb aus. Der Fall wurde zu einem der bekanntesten Cold Cases Österreichs. Immer wieder berichteten Medien über den ungelösten Mord, und die Familie des Opfers hoffte auf eine Aufklärung. Die neue Entwicklung zeigt, dass auch nach vielen Jahren noch Gerechtigkeit möglich ist – ein Signal, das über den Einzelfall hinausweist.

Ausblick: Prozess und offene Fragen

Der nächste Schritt ist die Hauptverhandlung vor dem Geschworenengericht in Innsbruck. Der Angeklagte hat angekündigt, aus Australien anzureisen, um sich den Richtern zu stellen. Es bleibt abzuwarten, ob das Gericht die Beweise als ausreichend erachtet, um einen Schuldspruch zu fällen. Die Verteidigung kündigte bereits an, die DNA-Spur anzufechten und eigene Gutachten vorzulegen. Unabhängig vom Ausgang des Verfahrens markiert die Anklage einen Wendepunkt in einem Fall, der fast zwei Jahrzehnte lang ungelöst blieb. Die Justiz hat gezeigt, dass sie auch bei kalt gewordenen Spuren nicht aufgibt – ein wichtiges Zeichen für die Hinterbliebenen und die Gesellschaft.

Das Wichtigste

  • Nach 21 Jahren wurde Anklage im Mordfall Daniela Kammerer erhoben, basierend auf einer neuen DNA-Spur auf einer Zigarettenkippe.
  • Der Angeklagte ist ein 42-jähriger Österreicher, der in Australien lebt und bereits 2013/2014 in Untersuchungshaft war.
  • Die DNA-Spur an der Kleidung des Opfers war damals nicht aussagekräftig genug; verbesserte Methoden führten zur Wiederaufnahme.
  • Ein internationaler Haftbefehl wurde von Australien nicht vollzogen; der Angeklagte will freiwillig zum Prozess erscheinen.
  • Die Anklage kann binnen 14 Tagen beeinsprucht werden; bei Verurteilung drohen zehn bis 20 Jahre oder lebenslange Haft.
  • Der Fall zeigt, dass Cold Cases durch forensische Fortschritte auch nach Jahrzehnten noch gelöst werden können.
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