Alex Zanardi mit 59 Jahren gestorben: Ein Leben zwischen Rennstrecke und Paralympics-Sieg
Der ehemalige Formel-1-Pilot und zweifache paralympische Goldmedaillengewinner ist am Freitagabend friedlich eingeschlafen, umgeben von seiner Familie.

SWITZERLAND —
Die Fakten
- Alex Zanardi starb am 1. Mai 2025 im Alter von 59 Jahren.
- Er fuhr zwischen 1991 und 1999 über 40 Formel-1-Rennen für Teams wie Lotus und Williams.
- Nach einem schweren Unfall auf dem Lausitzring im September 2001 wurden ihm beide Beine amputiert.
- Zanardi gewann 2012 in London und 2016 in Rio de Janeiro insgesamt vier Goldmedaillen im Handbike.
- 2020 erlitt er bei einem Benefizrennen in der Toskana schwere Kopfverletzungen, von denen er sich nicht mehr vollständig erholte.
- Die Formel 1 würdigte ihn als 'Helden größten Kalibers'.
Ein stiller Held verlässt die Bühne
Alessandro 'Alex' Zanardi, der ehemalige Formel-1-Pilot und spätere paralympische Spitzensportler, ist tot. Seine Familie gab bekannt, dass er am Freitagabend plötzlich, aber friedlich im Alter von 59 Jahren verstorben sei. 'Alex ist friedlich eingeschlafen, umgeben von der Zuneigung seiner Angehörigen', hieß es in der Mitteilung. Eine genaue Todesursache nannte die Familie nicht. Die Nachricht erreichte die Motorsportwelt während des Grand-Prix-Wochenendes in Miami, wo am Samstag das Sprintrennen und die Qualifikation anstehen. Die Stimmung im Fahrerlager war gedrückt. Formel-1-Geschäftsführer Stefano Domenicali, ein Landsmann Zanardis, würdigte ihn als 'inspirierende Persönlichkeit – als Mensch und als Athlet'.
Vom Formel-1-Cockpit zum Horrorcrash auf dem Lausitzring
Zanardi, geboren in Bologna, gab sein Formel-1-Debüt 1991 für Jordan. In den folgenden Jahren fuhr er für Minardi, Lotus und Williams, wo er 1999 Teamkollege von Ralf Schumacher war. Seine größten Erfolge feierte er jedoch in der amerikanischen CART-Serie, wo er 1997 und 1998 zwei Meistertitel gewann. Ein legendäres Überholmanöver gegen Bryan Herta in Laguna Seca 1996 machte ihn unvergesslich. Am 15. September 2001 änderte sich sein Leben dramatisch. Bei einem Rennen auf dem Lausitzring drehte sich Zanardi nach einem Boxenstopp und wurde von einem Konkurrenten mit hoher Geschwindigkeit gerammt. Im Rettungshubschrauber auf dem Weg nach Berlin musste er siebenmal wiederbelebt werden. Er überlebte, verlor aber beide Beine. Rückblickend nannte er diesen Moment 'einen der leuchtendsten Augenblicke' seines Lebens, da er 'etwas überstanden hatte, das nicht nur entgegen jeder Wahrscheinlichkeit ist'.
Zwei Jahre nach der Amputation zurück im Rennwagen
Schon 2003 saß Zanardi wieder in einem speziell umgebauten Rennwagen. Mit Handgas und einer Prothese am rechten Bein steuerte er die Bremse. Für BMW fuhr er in der Tourenwagen-Weltmeisterschaft (WTCC) und gewann 2005 die italienische Superturismo-Meisterschaft. In der DTM feierte er vier Siege. 2019 trat er bei den 24 Stunden von Daytona an, einem der großen Klassiker des Motorsports. Doch Zanardi gab sich nicht mit dem Motorsport zufrieden. Er entdeckte das Handbike für sich und stieg schnell zur Weltspitze auf. Bei den Paralympischen Spielen 2012 in London gewann er zwei Goldmedaillen, 2016 in Rio de Janeiro folgten zwei weitere Gold- und zwei Silbermedaillen. Zwischendurch finishte er 2014 und 2015 bei der Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii.
Ein weiterer schwerer Unfall und der Rückzug aus der Öffentlichkeit
Das Schicksal meinte es jedoch weiterhin hart mit Zanardi. Im Juni 2020 verlor er bei einem Benefizrennen in der Toskana die Kontrolle über sein Handbike und kollidierte mit einem Lastwagen. Dabei erlitt er schwerste Kopf- und Gesichtsverletzungen und schwebte lange in Lebensgefahr. Erst anderthalb Jahre später, Ende 2021, konnte er die Klinik verlassen und nach Hause zurückkehren. Seitdem lebte er weitgehend zurückgezogen. Der Unfall von 2020 hinterließ bleibende Schäden. Obwohl Zanardi sich immer wieder zurückkämpfte, gelang ihm diesmal keine vollständige Genesung. Sein Tod markiert das Ende eines Lebens, das von außergewöhnlicher Willenskraft und unerschütterlichem Optimismus geprägt war.
Trauer und Würdigung aus Sport und Politik
Die Nachricht von Zanardis Tod löste weltweit Bestürzung aus. Die Formel 1 würdigte ihn als 'Helden größten Kalibers'. Stefano Domenicali sagte: 'Er stand vor Herausforderungen, die jeden anderen zum Aufgeben gebracht hätten, doch er blickte stets nach vorne – immer mit einem Lächeln und einer unerschütterlichen Entschlossenheit, die uns alle inspirierte. Auch wenn sein Verlust tief zu spüren ist, bleibt sein Vermächtnis ungebrochen.' Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni nannte Zanardi einen 'außergewöhnlichen Menschen, der jede Prüfung des Lebens in eine Lektion in Mut, Stärke und Würde verwandeln konnte'. Große Fußballclubs wie Inter Mailand und Juventus Turin kondolierten in den sozialen Netzwerken. Die Gazzetta dello Sport schrieb: 'Der Rennfahrer und Paralympionike, der Italien gelehrt hat, niemals aufzugeben.'
Ein Vermächtnis jenseits des Sports
Zanardis Leben war eine einzige Demonstration der Überwindung von Grenzen. Nach dem Verlust seiner Beine sagte er: 'Laut Wissenschaft hatte ich nicht den Hauch einer Chance.' Doch er bewies das Gegenteil. Sein Motto 'Keine Grenzen – Unmöglich ist nur ein Wort' wurde zum Titel einer Dokumentation über ihn. Sein Tod am 1. Mai, dem Todestag der Formel-1-Ikone Ayrton Senna, verleiht dem Datum eine zusätzliche symbolische Bedeutung. Zanardi hinterlässt eine Lücke, die nicht nur im Motorsport und im paralympischen Sport, sondern in der gesamten Sportwelt spürbar sein wird. Sein Beispiel wird weiterleben – als Inspiration für alle, die vor scheinbar unüberwindbaren Hürden stehen.
Das Wichtigste
- Alex Zanardi starb friedlich im Alter von 59 Jahren, umgeben von seiner Familie.
- Nach einem schweren Unfall 2001 verlor er beide Beine, kehrte aber in den Rennsport zurück und wurde paralympischer Goldmedaillengewinner.
- Seine größten Erfolge im Motorsport feierte er in der CART-Serie mit zwei Meistertiteln (1997, 1998).
- Bei den Paralympics 2012 und 2016 gewann er insgesamt vier Goldmedaillen im Handbike.
- Ein weiterer Unfall 2020 setzte seiner Karriere ein Ende; er erholte sich nie vollständig davon.
- Die Formel 1, die italienische Regierung und zahlreiche Sportgrößen würdigten ihn als Vorbild an Mut und Entschlossenheit.



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