Schwingen: König Orlik wird Zweiter, Aeschbacher verpasst Kranz – Verletzungsserie plagt Nordostschweiz
Am Emmentalischen Schwingfest in Oberdiessbach sorgt ein umstrittenes Notenblatt für Diskussionen, während die Nordostschweizer mit einer Verletzungswelle kämpfen.

SWITZERLAND —
Die Fakten
- Armon Orlik wird Zweiter am Emmentalischen Schwingfest mit zwei Gestellten und vier Siegen.
- Damian Ott gewinnt das Fest mit einem Punkt Vorsprung vor Orlik.
- Matthias Aeschbacher verpasst den Kranz um einen Viertelpunkt an seinem Heimfest.
- Andy Signer, 1,83 m groß und 80 kg schwer, gestaltet gegen Orlik und trainiert beim Rotor-Team in Liechtenstein.
- Remo Käser debütiert als Experte bei Tele Bärn, hat technische Probleme bei der ersten Schaltung.
- Thomas Burkhalter tritt nach eingewachsenem Zehennagel zurück, erhält Anruf von Sämi Giger.
- Fabian Kindlimann bricht mit Verdacht auf Innenbandverletzung ab, Jeremy Vollenweider mit schwerer Knieverletzung.
- Sinisha Lüscher gewinnt das Solothurner Kantonale, erhält einen hölzernen Muni als Siegerpreis.
König Orlik muss sich geschlagen geben
Armon Orlik, der amtierende Schwingerkönig, belegte an seinem ersten Kranzfest nach dem Königstitel nur den zweiten Platz. Mit zwei Gestellten und vier Siegen reichte es nicht zum Triumph, Damian Ott lag einen Punkt vorne. Entscheidend war der vierte Gang, in dem Andy Signer den König in Schach hielt. Der 1,83 Meter kleine und gut 80 Kilogramm schwere Ostschweizer erwies sich einmal mehr als Verteidigungskünstler. Er drehte sich mehrfach blitzschnell aus den Angriffen Orliks und erzwang den zweiten Gestellten – nach jenem im Anschwingen gegen Domenic Schneider. Damit fiel Orlik aus dem Schlussgang-Rennen.
Signers Aufstieg dank professionellem Training
Andy Signer trainiert seit dem letzten Winter beim Rotor-Team in Liechtenstein, wo er nun am gleichen Ort Gewichte stemmt wie ESAF-Schlussgänger Werner Schlegel. Die Investition in ein hochprofessionelles Training scheint sich auszuzahlen. Experten erwarten, dass Signer in diesem Jahr noch den einen oder anderen Favoriten zur Verzweiflung bringen wird. Seine Leistung am Emmentalischen unterstreicht diesen Trend. Mit seiner unkonventionellen Verteidigungstechnik und der neuen Trainingsbasis könnte er zu einer festen Größe im Spitzenschwingen werden.
Remo Käser feiert holpriges Experten-Debüt
Remo Käser, Sohn des ehemaligen Königs Adrian Käser, gab sein Debüt als Experte bei Tele Bärn am Emmentalischen Schwingfest in Oberdiessbach. „Es war mega spannend, aber auch sehr anstrengend“, sagte Käser am Tag danach. „Ich war etwas nervös, weil ich die Abläufe noch nicht auswendig kannte.“ Bei seiner ersten Schaltung streikte die Technik: Er war nicht zu hören. Moderatorin Natalie Barros half schnell mit ihrem Mikrofon aus. Käser betonte, dass die Aufgabe als Experte zwischen den Gängen eine besondere Herausforderung sei, da es keinen Bildschirm zum Nachschauen gebe. Trotz der Startschwierigkeiten erhielt er positive Rückmeldungen. Sein Vater zeigte sich zufrieden, ob er ihn kritisiert hätte, wenn es schlecht gewesen wäre, weiß Käser nicht.
Aeschbacher verpasst Kranz – Kritik an Einteilung
Matthias Aeschbacher, letztjähriger Schwarzsee-Sieger, verpasste an seinem Heimfest den Kranz um einen Viertelpunkt. Sein Notenblatt sorgte für Diskussionen unter Experten. Nach einer Startniederlage gegen Matthieu Burger bekam er mit Ivan Thöni einen äußerst unbequemen Gegner vorgesetzt; als dieser Gang gestellt endete, hing der Kranz am seidenen Faden. Die Einteilung blieb happig: Weitere unangenehme und starke Normalkranzer folgten. Zum Vergleich: Andere Schwinger, die den Kranz gewannen, mussten teilweise gegen drei Nichtkranzer antreten. Festzuhalten bleibt, dass Aeschbacher nicht nur an sich selbst scheiterte, sondern auch kein Einteilungsglück hatte.
Verletzungsserie erschüttert Nordostschweizer
Die Nordostschweizer erleben einen Saisonstart zum Vergessen. Nachdem sich Schwägalp-Champion Marcel Räbsamen das Kreuzband gerissen hat und die ganze Saison verpasst, wuchs das Lazarett am Thurgauer Kantonalen weiter an. Eidgenosse Fabian Kindlimann musste das Fest mit Verdacht auf eine Innenbandverletzung abbrechen. Jeremy Vollenweider konnte den Sägemehlring nicht mehr selbstständig verlassen und wurde mit einer schweren Knieverletzung auf einer Trage aus der Arena gebracht. König Orlik zeigte sich betroffen: „Das zu sehen, macht traurig und tut mir sehr leid. Ich wünsche allen gute Besserung.“ Er weiß, dass diese starken Schwinger im Kampf gegen die Berner schmerzlich vermisst werden.
Burkhalter zurückgetreten – Giger zeigt Größe
Thomas Burkhalter, siebenfacher Kranzgewinner, hatte im Januar seinen Rücktritt erklärt: „Es geht einfach nicht mehr.“ Sein Körper streikte erneut. Vier Monate später humpelt er mit bandagiertem linkem Fuß über den Platz – ein eingewachsener Zehennagel musste operiert werden. Dennoch bleibt er gut gelaunt: „Mir geht es großartig. Der Entscheid, vom Schwingen zurückzutreten, war richtig.“ Besonders berührt hat ihn ein Telefonat von Sämi Giger, der ihm alles Gute wünschte. „Das hat mich sehr gefreut“, sagte Burkhalter. Sonst kamen nur wenige Rückmeldungen aus der Schwingerszene. „Einige Kollegen haben mir eine Nachricht geschrieben. Von vielen hörte ich nichts, das sagt dann halt auch vieles aus.“ Sobald der Fuß einsatzfähig ist, will er sich wieder intensiver mit Kraftsport beschäftigen.
Lüscher gewinnt hölzernen Muni
Beim Solothurner Kantonalen gab es keinen lebenden Siegerpreis. Stattdessen erhielt Sinisha Lüscher ein Kunstwerk aus Holz. Das scheint ihn nicht zu stören: „Wenn ich ihn nach Hause nehmen darf, weiß ich einen Platz“, meinte er bei Tele M1. Er sei sich zwar nicht sicher, ob die Idee auch seine Mutter freut, „aber an der Straße vorne kommt er hin“, so der nun zweifache Kranzfestsieger. Der hölzerne Muni ist eine ungewöhnliche Abweichung von der Tradition, doch Lüscher nimmt es mit Humor. Sein Sieg unterstreicht seine aufstrebende Position im Schwingen.
Das Wichtigste
- Armon Orlik verpasst als Schwingerkönig den Sieg am Emmentalischen, Damian Ott triumphiert mit einem Punkt Vorsprung.
- Andy Signer etabliert sich als Favoritenschreck dank professionellem Training in Liechtenstein.
- Remo Käser debütiert als TV-Experte mit technischen Problemen, erhält aber positive Resonanz.
- Matthias Aeschbacher verpasst den Kranz um einen Viertelpunkt, Kritik an der Einteilung wird laut.
- Eine Verletzungswelle trifft die Nordostschweizer: Kreuzbandriss bei Räbsamen, Knieverletzungen bei Kindlimann und Vollenweider.
- Thomas Burkhalter tritt zurück und wird von Sämi Giger unterstützt, während andere Kollegen schweigen.


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