Musique

Brandkatastrophe von Crans-Montana: Staatsanwaltschaft leitet Strafverfahren gegen Rettungskräfte ein

Zwei Anwälte, darunter FDP-Nationalrat Philippe Nantermod, erwirken Ermittlungen wegen mutmasslicher Fehler bei der Versorgung eines 16-jährigen Opfers.

3 min
Brandkatastrophe von Crans-Montana: Staatsanwaltschaft leitet Strafverfahren gegen Rettungskräfte ein
Zwei Anwälte, darunter FDP-Nationalrat Philippe Nantermod, erwirken Ermittlungen wegen mutmasslicher Fehler bei der VersCredit · rts.ch

Die Fakten

  • Die Walliser Staatsanwaltschaft eröffnet ein neues Strafverfahren zur Untersuchung der Rettungsmassnahmen nach dem Brand in Crans-Montana.
  • Auslöser sind Schreiben der Anwälte Philippe Nantermod (FDP-Nationalrat) und Fabrizio Ventimiglia an die Staatsanwaltschaft.
  • Nantermod vertritt einen 16-jährigen Jungen, dessen Verletzungen angeblich unterschätzt wurden und der eine falsch angebrachte Sauerstoffmaske erhielt.
  • Ventimiglia vertritt eine 16-jährige Italienerin mit Verbrennungen an 40 % ihres Körpers; er beklagt fehlende Tragen, Rettungsdecken und Sauerstoffflaschen.
  • Die Kantonale Walliser Rettungsorganisation (KWRO) zeigt sich überrascht und verweist auf qualifizierte Fachleute und bewährte Protokolle.
  • Die Staatsanwaltschaft selbst wollte sich zu dem Verfahren nicht äussern.

Neue Ermittlungen nach verheerendem Brand

Die Walliser Staatsanwaltschaft hat ein zusätzliches Strafverfahren eingeleitet, um die Organisation der Rettungsmassnahmen unmittelbar nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana zu untersuchen. Dies bestätigen Recherchen des Westschweizer Radios und Fernsehens (RTS). Auslöser sind zwei Anwälte, die im März dieses Jahres Schreiben an die Staatsanwaltschaft richteten: der Walliser FDP-Nationalrat Philippe Nantermod und der Italiener Fabrizio Ventimiglia. In den Dokumenten, die RTS vorliegen, erheben sie schwere Vorwürfe gegen die Rettungskräfte.

Vorwürfe: Fehler bei der Versorgung eines 16-Jährigen

Nantermod vertritt einen 16-jährigen Jungen, der bei dem Brand schwer verletzt wurde. In seinem Schreiben erklärt er, dass «die Bedingungen und Modalitäten» der Betreuung seines Mandanten «eine entscheidende Rolle bei der ungünstigen Entwicklung seines Gesundheitszustands gespielt haben». Die Schwere der Verletzungen sei «weitgehend unterschätzt» worden, wodurch der Jugendliche «erhebliche Komplikationen erlitten hat, denen er bei einer besseren Versorgung zumindest teilweise entgangen wäre». Konkret geht es um eine mutmasslich falsch angebrachte Sauerstoffmaske, eine verspätet eintreffende Ambulanz und mangelndes Bewusstsein der Rettungskräfte für die Schwere des Zustands. Nantermod fordert eine lückenlose Aufklärung.

Italienische Anwältin kritisiert fehlende Ausrüstung

Fabrizio Ventimiglia vertritt gemeinsam mit einem Genfer Kollegen eine 16-jährige Italienerin, die Verbrennungen an 40 Prozent ihres Körpers erlitt und lange Zeit in einem italienischen Spital behandelt werden musste. In seinem Schreiben an die Staatsanwaltschaft weist er auf eine Verzögerung bei der Versorgung hin, die «unweigerlich zu einer Verschlimmerung der Verbrennungen sowie zu Atemproblemen geführt hat». «In den Stunden nach dem Unglück fehlten Tragen, vor allem aber Rettungsdecken und Sauerstoffflaschen», sagte Ventimiglia gegenüber RTS. Er begrüsst die Entscheidung der Staatsanwaltschaft, die Rettungsmassnahmen zu untersuchen: «Das ist eine Frage des Respekts gegenüber den Opfern, den Verletzten und ihren Familien. Es ist unerlässlich, jeden Aspekt dieser dramatischen und tragischen Nacht zu beleuchten.»

Rettungsorganisation zeigt sich überrascht

Die Kantonale Walliser Rettungsorganisation (KWRO) reagierte mit einer Medienmitteilung auf die Vorwürfe. Sie zeigte sich überrascht und betonte, dass die für Einsätze vorgesehenen Teams «immer aus qualifizierten Fachleuten, die speziell für die Bewältigung von Notfallsituationen mit mehreren Opfern ausgebildet sind», bestünden. Die Lagebeurteilung stütze sich auf bewährte Protokolle. Die KWRO teilte weiter mit, sie wolle die Vorwürfe «aus Respekt vor den Opfern und ihren Angehörigen» nicht weiter kommentieren. Die Staatsanwaltschaft selbst nahm zu dem Verfahren keine Stellung.

Hintergrund: Brandkatastrophe mit vielen Opfern

Die Brandkatastrophe von Crans-Montana ereignete sich in der Nacht auf den 1. Mai 2026 und forderte zahlreiche Tote und Verletzte. Viele der Opfer stammen aus Italien, was die internationale Dimension des Unglücks unterstreicht. Die genaue Zahl der Todesopfer und Verletzten wurde von den Behörden bislang nicht offiziell bestätigt. Die Rettungsmassnahmen standen bereits kurz nach dem Brand in der Kritik. Angehörige und Überlebende berichteten von chaotischen Zuständen und unzureichender medizinischer Versorgung in den ersten Stunden. Das neue Strafverfahren soll nun klären, ob die Rettungskräfte ihrer Verantwortung gerecht geworden sind.

Ausblick: Ermittlungen sollen Transparenz schaffen

Mit der Eröffnung des Strafverfahrens hoffen die Anwälte auf eine umfassende Aufklärung der Geschehnisse. Ventimiglia betonte, es gehe um Respekt gegenüber den Opfern und ihren Familien. Die Untersuchung werde voraussichtlich Monate dauern. Die KWRO kündigte an, mit den Ermittlungsbehörden zu kooperieren, sofern dies erforderlich sei. Die Walliser Justiz steht nun vor der Aufgabe, die komplexen Abläufe jener Nacht zu rekonstruieren und mögliche Versäumnisse zu identifizieren. Für die betroffenen Familien ist das Verfahren ein erster Schritt zur Wahrheitsfindung.

Das Wichtigste

  • Die Walliser Staatsanwaltschaft untersucht die Rettungsmassnahmen nach dem Brand von Crans-Montana in einem separaten Strafverfahren.
  • Zwei Anwälte, darunter FDP-Nationalrat Philippe Nantermod, haben die Ermittlungen durch ihre Schreiben ausgelöst.
  • Einem 16-jährigen Opfer wurde angeblich eine falsche Sauerstoffmaske angelegt, und die Ambulanz kam zu spät.
  • Eine 16-jährige Italienerin erlitt Verbrennungen an 40 % des Körpers; ihre Anwälte kritisieren fehlende Ausrüstung wie Tragen und Rettungsdecken.
  • Die Kantonale Walliser Rettungsorganisation weist die Vorwürfe zurück und verweist auf qualifiziertes Personal und standardisierte Protokolle.
  • Das Verfahren soll Transparenz schaffen und die Verantwortung der Rettungskräfte klären.
Galerie
Brandkatastrophe von Crans-Montana: Staatsanwaltschaft leitet Strafverfahren gegen Rettungskräfte ein — image 1Brandkatastrophe von Crans-Montana: Staatsanwaltschaft leitet Strafverfahren gegen Rettungskräfte ein — image 2Brandkatastrophe von Crans-Montana: Staatsanwaltschaft leitet Strafverfahren gegen Rettungskräfte ein — image 3Brandkatastrophe von Crans-Montana: Staatsanwaltschaft leitet Strafverfahren gegen Rettungskräfte ein — image 4Brandkatastrophe von Crans-Montana: Staatsanwaltschaft leitet Strafverfahren gegen Rettungskräfte ein — image 5Brandkatastrophe von Crans-Montana: Staatsanwaltschaft leitet Strafverfahren gegen Rettungskräfte ein — image 6
Mehr dazu