Actualité

Parmelin sichert Meloni zu: Keine Spitalkosten für italienische Opferfamilien von Crans-Montana

Am Rande des EPG-Gipfels in Eriwan entschärft der Bundespräsident einen diplomatischen Streit – und reist weiter nach Serbien und Nordmazedonien.

4 min
Parmelin sichert Meloni zu: Keine Spitalkosten für italienische Opferfamilien von Crans-Montana
Am Rande des EPG-Gipfels in Eriwan entschärft der Bundespräsident einen diplomatischen Streit – und reist weiter nach SeCredit · SRF

Die Fakten

  • Guy Parmelin traf in Eriwan die italienische Premierministerin Giorgia Meloni.
  • Parmelin sagte zu, dass italienische Familien keine Kosten für Spitalbehandlungen nach dem Brand in Crans-Montana zahlen müssen.
  • Beim Brand in Crans-Montana in der Silvesternacht starben 41 Menschen, 115 wurden verletzt.
  • Parmelin reiste nach Serbien, wo ihn Präsident Aleksandar Vučić empfing.
  • Das Handelsvolumen zwischen der Schweiz und Serbien überstieg 2025 erstmals 1 Milliarde Franken.
  • Über 600 Schweizer Firmen sind in Serbien aktiv, darunter Galaxus, Ricardo und Scout24.
  • 215 Schweizer Soldaten leisten Dienst bei der Kfor-Friedensmission im Kosovo.
  • Parmelin besuchte als erster Schweizer Bundespräsident offiziell Nordmazedonien.

Ein Händedruck in Eriwan entschärft den Streit um Spitalrechnungen

Bundespräsident Guy Parmelin hat am Rande des achten Treffens der Europäischen Politischen Gemeinschaft (EPG) in der armenischen Hauptstadt Eriwan ein brisantes bilaterales Gespräch mit Italiens Premierministerin Giorgia Meloni geführt. Im Zentrum stand die Brandkatastrophe von Crans-Montana in der Silvesternacht, bei der 41 Menschen ums Leben kamen und 115 verletzt wurden – darunter auch italienische Staatsangehörige. Parmelin bestätigte Meloni laut einem Beitrag auf X, dass der Bundesrat die Frage der Verrechnung von Spitalleistungen angehen werde. Der italienische Regierungssitz Palazzo Chigi teilte mit, Meloni habe von Parmelin eine «politische Zusage» erhalten, dass italienischen Familien «keine Kosten für die in der Schweiz erbrachten Spitalbehandlungen in Rechnung gestellt werden». Der Bundespräsident stellte zudem klar, dass die Schweiz den Familien der Opfer keine Rechnungskopien mehr zusenden werde – diese seien lediglich zur Kontrolle verschickt worden.

Parmelins Zusage: Opferhilfe springt ein, wo Versicherungen nicht zahlen

In seinem Beitrag auf X präzisierte Parmelin, dass die beim Brand von Crans-Montana verletzten Personen und ihre Familien für die in der Schweiz «unmittelbar» nach der Katastrophe erbrachten medizinischen Leistungen nichts bezahlen müssten. Falls diese Kosten nicht durch Versicherungen gedeckt seien, würden sie von der Opferhilfe übernommen. Die Rechnungskopien, die an die Familien geschickt worden waren, hätten lediglich der Kontrolle gedient, teilte das Bundesamt für Sozialversicherungen kürzlich mit. Die eigentlichen Rechnungen würden an die ausländischen Krankenversicherer gestellt. Parmelin und Meloni vereinbarten, dass die zuständigen Behörden beider Länder in Kontakt bleiben.

Nach dem Gipfel in Armenien: Präsidialbesuch in Serbien und Nordmazedonien

Kaum war das Treffen in Eriwan vorbei, landete Parmelin am Dienstag mit dem Bundesratsjet in Serbien. Der 66-jährige Bundespräsident wurde von Präsident Aleksandar Vučić empfangen. Der Besuch hat diplomatische Brisanz: Vučić war wegen seiner prorussischen Haltung in Europa mehrfach in die Kritik geraten, ebenso wegen des Umgangs mit Demonstrierenden. Parmelin reiste anschliessend als erster Schweizer Bundespräsident als offizieller Staatsgast nach Nordmazedonien. Die Schweiz und Serbien feiern zudem 110 Jahre diplomatische Beziehungen.

150'000 Menschen mit serbischen Wurzeln in der Schweiz – enge wirtschaftliche Bande

Gründe für den Balkan-Abstecher gibt es viele: In der Schweiz leben rund 150'000 Menschen mit Wurzeln in Serbien, davon über 50'000 serbische Bürger. Rund 100'000 Menschen haben Wurzeln in Nordmazedonien. Parmelin betonte die gewachsene gemeinsame Geschichte seit der Aufnahme von Flüchtlingen während der Balkankriege und den humanitären Hilfsprogrammen. «Die grosse serbische Diaspora in der Schweiz ist eine gut integrierte und dynamische Gemeinschaft, die in zahlreichen Bereichen, darunter Wirtschaft, Wissenschaft, Medizin, Sport und Kultur, einen wesentlichen Beitrag für die Schweiz geleistet hat», sagte Parmelin. Viele serbische Auswanderer pflegten enge Beziehungen zur Heimat, investierten dort und förderten die wirtschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit.

Handelsvolumen über eine Milliarde Franken – Serbien als IT-Standort für Schweizer Firmen

Als Wirtschaftsminister blickte Parmelin auf die Zahlen: «Serbien ist der wichtigste Schweizer Handelspartner im westlichen Balkan.» Das Handelsvolumen überstieg vergangenes Jahr erstmals die Milliardengrenze. «Was den Dienstleistungshandel betrifft, so ist die Schweiz weltweit Serbiens viertgrösster Partner. Es besteht weiterhin Potenzial für eine Ausweitung, insbesondere in den Bereichen IT, technologieorientierte Branchen und erneuerbare Energien.» Über 600 Schweizer Firmen sind in Serbien aktiv. In den letzten Jahren wurde Serbien zu einem Schlüsselstandort für Schweizer IT-Auslagerungen. Firmen wie Galaxus, Ricardo und die Scout24-Portale haben Bezüge zu Serbien. Die Schweiz könne zudem bei der Weiterentwicklung der dualen Berufsbildung einen relevanten Beitrag leisten, so Parmelin.

Friedensmission Kfor: 215 Schweizer Soldaten im Einsatz – Mandatsverlängerung bis 2029 geplant

Nicht zuletzt hat die Schweiz eine Friedensmission auf dem Balkan. 215 Schweizerinnen und Schweizer leisten Dienst bei der Friedenssicherungsmission Kfor im Kosovo. Der Bundesrat will das Mandat bis Ende 2029 verlängern. Seit mehreren Jahren treffen sich die Parteien zudem einmal jährlich in Solothurn zum Dialog. Die Schweiz arbeite hin auf die «Normalisierung der Beziehungen und auf praktische Fortschritte, die das tägliche Leben der Menschen auf beiden Seiten verbessern», sagte Parmelin. «Ich bin beeindruckt von den wirtschaftlichen Fortschritten, die die Balkanländer in den letzten zwei Jahrzehnten erzielt haben. Diese Fortschritte hätten ohne ein gewisses Mass an Stabilität nicht erreicht werden können.»

Neues Kooperationsprogramm: Schwerpunkte auf Demokratie, Wirtschaft und Klima

Parmelin will zudem das neue Kooperationsprogramm zwischen der Schweiz und Serbien lancieren. Es setzt die Schwerpunkte «auf demokratische Regierungsführung, wirtschaftliche Entwicklung und Beschäftigung sowie Klimawandel und nachhaltige Stadtentwicklung». Damit unterstreicht die Schweiz ihr Engagement für Stabilität und Entwicklung auf dem westlichen Balkan. Der Bundespräsident ist in diesem Jahr viel unterwegs: Letzte Woche war er in Saudi-Arabien, am Montag sass er in der Sondersession des Nationalrats in Bern. Nun folgen die Besuche in Serbien und Nordmazedonien – ein dichtes Programm für den SVP-Bundesrat, der auch mit dem EU-Vertragspaket und den US-Zollverhandlungen befasst ist.

Das Wichtigste

  • Parmelin gab Meloni in Eriwan die Zusage, dass italienische Opferfamilien keine Spitalkosten zahlen müssen; Rechnungskopien werden nicht mehr versandt.
  • Der Brand in Crans-Montana forderte 41 Tote und 115 Verletzte, darunter italienische Staatsangehörige.
  • Parmelin besuchte Serbien und Nordmazedonien als erster Schweizer Bundespräsident offiziell.
  • In der Schweiz leben rund 150'000 Menschen mit serbischen Wurzeln; das Handelsvolumen mit Serbien überstieg 2025 erstmals 1 Milliarde Franken.
  • Über 600 Schweizer Firmen sind in Serbien aktiv, das zu einem wichtigen IT-Standort geworden ist.
  • 215 Schweizer Soldaten sind bei der Kfor-Friedensmission im Kosovo im Einsatz; das Mandat soll bis 2029 verlängert werden.
Galerie
Parmelin sichert Meloni zu: Keine Spitalkosten für italienische Opferfamilien von Crans-Montana — image 1Parmelin sichert Meloni zu: Keine Spitalkosten für italienische Opferfamilien von Crans-Montana — image 2Parmelin sichert Meloni zu: Keine Spitalkosten für italienische Opferfamilien von Crans-Montana — image 3Parmelin sichert Meloni zu: Keine Spitalkosten für italienische Opferfamilien von Crans-Montana — image 4Parmelin sichert Meloni zu: Keine Spitalkosten für italienische Opferfamilien von Crans-Montana — image 5Parmelin sichert Meloni zu: Keine Spitalkosten für italienische Opferfamilien von Crans-Montana — image 6
Mehr dazu