SRF-Direktorin Nathalie Wappler tritt zurück – Nachfolgersuche läuft
Der Rücktritt erfolgt vor dem Hintergrund massiver Sparmassnahmen und einer drohenden Halbierungsinitiative der Serafe-Gebühren.

SWITZERLAND —
Die Fakten
- Nathalie Wappler tritt per Ende April 2026 als SRF-Direktorin zurück.
- SRF baut bis Ende 2025 rund 66 Vollzeitstellen ab.
- SRG spart 270 Millionen Franken und baut Stellen im hohen dreistelligen Bereich ab.
- Eine Mehrheit der Bevölkerung lehnt die Halbierungsinitiative der Serafe-Gebühren ab.
- SRG führt ab November 2025 Werbung beim Zurückspulen ein.
- SRF spart weitere 12 Millionen Franken – 66 Stellen fallen weg.
- Der Personalbestand der SRG erreicht trotz Sparversprechen ein Rekordhoch.
- SRF einigt sich mit dem sogenannten Krypto-König Dadvan Yousuf auf einen Vergleich.
Rücktritt mit Ansage: Wappler verlässt SRF im April 2026
Nathalie Wappler, Direktorin des Schweizer Radio und Fernsehens, wird ihren Posten Ende April 2026 räumen. Der Schritt kommt nicht überraschend: Seit Monaten steht der Sender unter enormem Spardruck, und die Debatte um die Serafe-Gebühren belastet die gesamte SRG. Wappler hatte das Amt 2022 übernommen und führte SRF durch eine Phase tiefgreifender Umstrukturierungen. Ihr Abgang fällt in eine Zeit, in der die öffentlich-rechtliche Medienlandschaft der Schweiz vor existenziellen Fragen steht.
Sparmassnahmen: 66 Vollzeitstellen fallen bis Ende 2025
Bereits vor Wapplers Rücktritt hatte SRF ein rigoroses Sparprogramm eingeleitet. Bis Ende 2025 sollen rund 66 Vollzeitstellen gestrichen werden, um 12 Millionen Franken einzusparen. Die SRG als Dachorganisation kürzt ihr Budget um 270 Millionen Franken, was zu einem Stellenabbau im hohen dreistelligen Bereich führt. Gleichzeitig steigen die Kosten: Der Personalbestand der SRG erreichte zuletzt ein Rekordhoch, was Kritiker als Widerspruch zu den Sparversprechen werten. Die Gewerkschaften warnen vor einer Überlastung der verbleibenden Belegschaft.
Gebührenstreit: Halbierungsinitiative abgelehnt, aber Druck bleibt
Die Bevölkerung hat die Halbierungsinitiative der Serafe-Gebühren mit deutlicher Mehrheit abgelehnt. Dennoch bleibt der politische Druck auf die SRG hoch. Die Initiative hätte die Gebühren von 335 auf rund 170 Franken pro Haushalt senken sollen – ein Schritt, der nach SRG-Angaben tausende Arbeitsplätze gefährdet hätte. Trotz der gescheiterten Initiative fordern bürgerliche Politiker weiterhin tiefere Gebühren. FDP-Nationalrat Dobler warf der SRG kürzlich vor, mit Testimonial-Filmen Eigenwerbung zu betreiben, und sprach von «Propaganda». Die Diskussion über die Höhe der Gebühren dürfte die SRG noch lange begleiten.
Neue Einnahmequelle: Werbung beim Zurückspulen ab November 2025
Um die sinkenden Einnahmen zu kompensieren, führt die SRG ab November 2025 eine neue Werbeform ein: Beim Zurückspulen von Sendungen werden künftig Werbeclips eingeblendet. Dieser Schritt ist Teil eines breiteren Massnahmenpakets, um die Finanzlücke zu schliessen. Kritiker befürchten, dass die Werbeausweitung die Nutzererfahrung verschlechtert und den öffentlich-rechtlichen Auftrag untergräbt. Die SRG verteidigt die Massnahme als notwendig, um das Programmangebot aufrechtzuerhalten.
Rechtliche Auseinandersetzung: SRF einigt sich mit Krypto-König
Parallel zu den internen Umwälzungen konnte SRF einen Rechtsstreit beilegen: Der Sender einigte sich mit Dadvan Yousuf, einem als «Krypto-König» bekannt gewordenen Unternehmer, auf einen Vergleich. Die Details der Einigung wurden nicht veröffentlicht. Yousuf hatte SRF zuvor vorgeworfen, in einer Berichterstattung über seine Geschäfte falsche Tatsachen behauptet zu haben. Der Vergleich erspart beiden Seiten einen langwierigen Gerichtsprozess.
Ausblick: Wer wird Wapplers Nachfolger?
Die Suche nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger für Nathalie Wappler läuft bereits. Der neue Direktor oder die neue Direktorin wird vor gewaltigen Herausforderungen stehen: Die Digitalisierung verändert das Nutzungsverhalten rasant, die Gebührendebatte ist nicht vom Tisch, und die Sparvorgaben der SRG lassen wenig Spielraum. Gefragt ist eine Führungspersönlichkeit, die den Spagat zwischen Sparzwang und Programmqualität meistert. Der Verwaltungsrat der SRG will die Position bis Ende 2025 besetzen, damit eine geordnete Übergabe bis April 2026 gewährleistet ist.
Branche in Bewegung: SRF zwischen Reform und Widerstand
Der Rücktritt Wapplers ist ein Symptom einer tieferen Krise des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in der Schweiz. Während die SRG spart, wächst die Konkurrenz durch Streamingdienste und soziale Medien. Gleichzeitig fordern politische Kreise eine grundlegende Reform der Gebührenfinanzierung. Ohne SRF.ch würden mehr Menschen Gratismedien nutzen, heisst es in einer Studie – ein Hinweis darauf, dass der öffentlich-rechtliche Auftrag an Bedeutung verlieren könnte. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die SRG den Spagat zwischen Sparen und Relevanz schafft.
Das Wichtigste
- Nathalie Wappler tritt per Ende April 2026 als SRF-Direktorin zurück; die Nachfolgersuche läuft.
- SRF baut bis Ende 2025 rund 66 Vollzeitstellen ab, die SRG insgesamt 270 Millionen Franken.
- Die Halbierungsinitiative der Serafe-Gebühren wurde abgelehnt, der Druck auf die SRG bleibt jedoch hoch.
- Ab November 2025 führt die SRG Werbung beim Zurückspulen ein, um Einnahmen zu steigern.
- SRF einigte sich mit Dadvan Yousuf auf einen Vergleich in einem Rechtsstreit.
- Die neue Führung muss den Spagat zwischen Sparmassnahmen und Programmqualität bewältigen.






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