SBB verzeichnet Rekordfahrgastzahlen, kämpft aber mit Milliardenverschuldung und Stellenabbau
Täglich 1,41 Millionen Passagiere im ersten Halbjahr 2025 – doch steigende Kosten und ein Verlust im Güterverkehr belasten die Bilanz.

SWITZERLAND —
Die Fakten
- SBB beförderte im ersten Halbjahr 2025 täglich 1,41 Millionen Reisende, ein Plus von 4,8 Prozent.
- Der Halbjahresgewinn betrug 48 Millionen Franken, ein Rückgang von 3 Millionen gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
- SBB Cargo streicht 65 Stellen, davon 40 im Tessin, um die Transformation zu kostendeckendem Betrieb voranzutreiben.
- Der Güterverkehrsverlust stieg um 4 Millionen auf 47 Millionen Franken im ersten Halbjahr 2025.
- Die SBB hat eine Schuldenlast von 11,4 Milliarden Franken und muss bis 2030 sechs Milliarden Franken einsparen.
- Der Verkauf von Generalabonnements sank um 2,9 Prozent auf 420'000 Stück, während Halbtaxabos um 6,1 Prozent auf 3,42 Millionen zunahmen.
- Die Wiedereröffnung des Gotthard-Basistunnels nach der Entgleisung 2023 trug zum Fahrgastwachstum bei.
Rekordfahrgastzahlen und verhaltene Bilanz
Die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) haben im ersten Halbjahr 2025 mit täglich 1,41 Millionen Fahrgästen einen neuen Rekord erzielt – ein Anstieg von 4,8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Doch die Freude über die steigende Nachfrage wird durch eine verhaltene Gewinnentwicklung getrübt: Der Halbjahresgewinn sank leicht von 51 auf 48 Millionen Franken. Höhere Unterhaltskosten für das Rollmaterial und rückläufige Erträge im Güterverkehr belasteten das Ergebnis, wie das Unternehmen mitteilte. Finanzchef Franz Steiger verwies vor den Medien auf die Herausforderungen: «International schmerzen uns hier die Baustellen», sagte er mit Blick auf den Güterverkehr.
Güterverkehr in der Krise: Stellenabbau und Neuausrichtung
Der Güterverkehr bereitet der SBB weiterhin Sorgen. Im ersten Halbjahr 2025 stieg der Verlust um vier Millionen auf rund 47 Millionen Franken, bedingt durch rückläufige Mengen im Binnen- und Transitverkehr. Der internationale Güterverkehr verzeichnete einen Rückgang von 7,5 Prozent, der Binnenverkehr ein Minus von 6,5 Prozent. Um die Wende zu schaffen, baut SBB Cargo 65 Stellen ab, davon rund 40 im Tessin. Das Unternehmen, das 2024 ein Defizit von 76 Millionen Franken erwirtschaftete, soll auf Geheiss des Bundes kostendeckend werden. Die Transformation umfasst eine Neuausrichtung des kombinierten Verkehrs und des Einzelwagenladungsverkehrs. Laut SBB ist der Stellenabbau notwendig, um den umweltfreundlichen Schienengüterverkehr und die verbleibenden Arbeitsplätze langfristig zu sichern.
Personenverkehr unter Druck: Weniger Gewinn trotz mehr Fahrgästen
Trotz der Rekordfahrgastzahlen sank das Ergebnis im Fernverkehr um 21 Millionen auf 11,3 Millionen Franken. Grund dafür sind umsatzbedingt höhere Deckungsbeiträge an die Infrastruktur sowie gestiegene Unterhaltskosten für Rollmaterial. Im Regionalverkehr nahm das Ergebnis um 33 Millionen Franken ab, was zu einem Defizit von 38,9 Millionen Franken führte – ebenfalls bedingt durch höhere Deckungsbeiträge und Kosten, unter anderem für die Kundenbegleitung. Die steigende Nachfrage erfordere wirtschaftliche und kundenfreundliche Angebotsausbauten, hiess es von der SBB. Die Wiedereröffnung des Gotthard-Basistunnels nach der Güterzugentgleisung im August 2023 habe zum Fahrgastwachstum beigetragen, so CFO Steiger. Allerdings schwächte sich das Wachstum beim Reiseaufkommen insgesamt ab.
Abos im Wandel: GA verliert, Halbtax gewinnt
Der Verkauf des Generalabonnements (GA) entwickelte sich rückläufig: Mit 420'000 Stück lag die Zahl um 2,9 Prozent unter dem Vorjahreswert. Gleichzeitig stieg die Anzahl der Halbtaxabos um 6,1 Prozent auf 3,42 Millionen. Eine Zunahme beim Halbtax Plus ging teilweise zulasten des GA, wie die SBB mitteilte. Dieser Trend spiegelt eine Verschiebung der Kundenpräferenzen wider – möglicherweise hin zu flexibleren Angeboten. Die SBB steht vor der Herausforderung, ihr Abomodell an die veränderte Nachfrage anzupassen, ohne die Einnahmen zu gefährden.
Milliardenschulden und Sparzwang bis 2030
Die SBB kämpft weiterhin mit einer hohen Schuldenlast von 11,4 Milliarden Franken. Trotz eines Bundesbeitrags für die während der Covid-19-Pandemie entstandenen Verluste blieb die Verschuldung hoch. Das Unternehmen muss daher bis 2030 sechs Milliarden Franken einsparen, um die Finanzen zu stabilisieren. Die Bahnen fordern zudem mehr Geld für den Unterhalt, bremsen aber beim Ausbau kaum. Ein Planer kritisiert, etliche Investitionen seien unnötig – der Bahnhof Männedorf sei dafür nur ein Beispiel. Die SBB steht somit vor einem Spagat zwischen Sparzwang und Investitionsbedarf.
Ausblick: Angebotsausbau und neue Verbindungen
Trotz der finanziellen Herausforderungen plant die SBB einen grossen Angebotsausbau. Im Fahrplan 2026 sind zahlreiche Änderungen vorgesehen, darunter neue Direktzüge nach Südtirol und die Prüfung von Nachtzügen zwischen Genf und Zürich. Für den ESC 2025 in Basel sind 85 Extrazüge und zusätzliches Personal geplant. Die SBB hat zudem 40 Hochgeschwindigkeitszüge ausgeschrieben, um ihr Angebot zu modernisieren. Gleichzeitig kämpft das Unternehmen mit Verspätungen bei EC-Fahrten aus Deutschland und hat die Kommunikationsstrategie bei Durchsagen zu «Personenunfällen» nach Beschwerden angepasst. Die Zukunft der Bahn bleibt ein Balanceakt zwischen Wachstum und Konsolidierung.
Das Wichtigste
- Die SBB erreichte mit 1,41 Millionen täglichen Fahrgästen einen neuen Rekord, aber der Gewinn sank leicht auf 48 Millionen Franken.
- Der Güterverkehr bleibt defizitär: Der Verlust stieg auf 47 Millionen Franken, 65 Stellen werden gestrichen.
- Die Schuldenlast beträgt 11,4 Milliarden Franken; bis 2030 müssen sechs Milliarden Franken eingespart werden.
- Der Verkauf von Generalabonnements ging um 2,9 Prozent zurück, während Halbtaxabos um 6,1 Prozent zulegten.
- Die Wiedereröffnung des Gotthard-Basistunnels trug zum Fahrgastwachstum bei, doch das Wachstum schwächt sich ab.
- Trotz Sparzwang plant die SBB einen Angebotsausbau mit neuen Direktverbindungen und zusätzlichen Zügen.





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