Drei Tote auf Kreuzfahrtschiff „Hondius“: Hantavirus-Verdacht – deutscher Passagier gestorben
Die kapverdischen Behörden verweigern den 149 Personen an Bord das Anlanden; ein 69-jähriger Patient liegt in Johannesburg auf der Intensivstation.

SWITZERLAND —
Die Fakten
- Drei Tote: ein deutscher Passagier (gestorben am 4. Mai), ein niederländisches Ehepaar (Mann am 11. April, Frau am 27. April).
- Ein 69-jähriger Passagier liegt mit bestätigtem Hantavirus auf der Intensivstation in Johannesburg, Zustand kritisch aber stabil.
- Zwei Crewmitglieder (Brite und Niederländer) mit Atemwegsproblemen; Hantavirus bei ihnen noch nicht bestätigt.
- Schiff „Hondius“ (170 Passagiere, 70 Besatzungsmitglieder) liegt vor Praia, Kap Verde; Behörden verbieten Anlanden „zum Schutz der Bevölkerung“.
- Oceanwide Expeditions erwägt, Passagiere auf den Kanarischen Inseln (Las Palmas oder Teneriffa) von Bord gehen zu lassen.
- WHO stuft alle Todesfälle und die meisten Infektionen als Hantavirus-Verdachtsfälle ein; eine epidemiologische Untersuchung läuft.
- Hantaviren werden meist durch Nagetierausscheidungen übertragen; Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist äußerst selten.
Ein Todesfall an Bord, ein Virus in der Schwebe
Am Sonntag ist ein deutscher Passagier an Bord des niederländischen Kreuzfahrtschiffs „Hondius“ gestorben – die Todesursache ist noch ungeklärt. Es ist der dritte Todesfall auf der Reise von Ushuaia (Argentinien) nach Kap Verde. Zuvor waren bereits ein niederländischer Mann am 11. April und seine Frau am 27. April gestorben, letztere auf der Heimreise. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht in allen drei Fällen von mutmaßlichen Hantavirus-Infektionen, doch bestätigt ist der Erreger bislang nur bei einem anderen Passagier: Ein 69-Jähriger, der am 27. April schwer erkrankte, wird auf einer Intensivstation in Johannesburg behandelt. Sein Zustand wird als kritisch, aber stabil beschrieben.
Kap Verde verweigert das Anlanden – Schutz der Bevölkerung
Die „Hondius“ liegt vor der Küste von Kap Verde, doch die Behörden des Inselstaats lassen niemanden von Bord. „Zum Schutz der kapverdischen Bevölkerung dürfen die Passagiere der MV Hondius nicht von Bord gehen“, erklärte Maria da Luz Lima, Leiterin der nationalen Gesundheitsbehörden, in einem Radiointerview. Das Kreuzfahrtunternehmen Oceanwide Expeditions mit Sitz in Vlissingen bestätigte am Montag eine „ernste medizinische Notlage“ an Bord. Die 149 Passagiere und Besatzungsmitglieder sitzen fest. Das Unternehmen prüft nun, ob die Menschen auf den Kanarischen Inseln – Las Palmas oder Teneriffa – an Land gehen können.
Zwei erkrankte Crewmitglieder – Evakuierung wird vorbereitet
Neben den Passagieren sind auch zwei Besatzungsmitglieder erkrankt: ein Brite und ein Niederländer. Beide leiden unter Atemwegsproblemen, einer mit schweren, der andere mit milden Symptomen. Auch bei ihnen ist die Infektionsursache unklar, ein Hantavirus-Nachweis steht aus. Die niederländischen Behörden arbeiten gemeinsam mit Oceanwide Expeditions an einer medizinischen Evakuierung der Schwerkranken. Dafür müssen die Betroffenen jedoch zunächst an Land gebracht werden – ein logistisches Problem, solange Kap Verde die Einreise verweigert. Eine der drei Leichen befindet sich noch an Bord.
Das Hantavirus: Von Nagetieren übertragen, selten von Mensch zu Mensch
Hantaviren sind seit den 1950er-Jahren bekannt, als sich rund 3.000 Soldaten im Koreakrieg infizierten. Der Name leitet sich vom Grenzfluss Hantan ab. Erst 1977 gelang der direkte Nachweis des Virus. In Deutschland werden zwei krankheitsauslösende Arten von Rötel- und Brandmäusen übertragen – meist durch Einatmen von Staub, der mit Kot oder Urin der Nager kontaminiert ist. Die Symptome reichen von grippeähnlichen Beschwerden mit hohem Fieber (über 38 Grad Celsius) über Kopf-, Bauch- und Rückenschmerzen bis hin zu Blutdruckabfall und Nierenversagen. Amerikanische Varianten können ein kardiopulmonales Syndrom mit Lungenödemen auslösen; die Sterblichkeitsrate liegt laut US-Gesundheitsbehörde CDC bei etwa 38 Prozent. Weltweit werden jährlich rund 200 solcher Fälle gemeldet, überwiegend in Amerika. Die WHO betont, dass eine Übertragung von Mensch zu Mensch äußerst selten ist.
Offene Fragen: Wie gelangte das Virus an Bord?
Die Reiseroute der „Hondius“ führte von Ushuaia im Süden Argentiniens über den Atlantik nach Kap Verde. Wo und wie sich die Betroffenen infiziert haben könnten, ist unklar. Hantaviren werden in der Regel durch Nagetiere übertragen – ein Befall des Schiffs oder ein Zwischenstopp in einem Endemiegebiet sind mögliche Szenarien, die die epidemiologische Untersuchung der WHO klären soll. Bislang ist nur ein Fall labordiagnostisch bestätigt. Die WHO hat eine detaillierte Untersuchung eingeleitet, um die Infektionskette nachzuzeichnen und weitere Risiken zu bewerten. Das Auswärtige Amt in Berlin bestätigte die Nationalität des deutschen Opfers auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur, nannte aber keine weiteren Details.
Was kommt als Nächstes?
Oceanwide Expeditions hat die örtlichen Behörden um rasche medizinische Versorgung für die beiden schwer erkrankten Crewmitglieder gebeten. Die niederländischen Behörden bemühen sich um eine Evakuierung. An Bord gelten strikte Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen; Erkrankte sind isoliert und werden medizinisch betreut. Sollte die „Hondius“ auf den Kanaren anlegen können, wäre das ein erster Schritt zur Entspannung der Lage. Doch solange die WHO-Untersuchung läuft und weitere Testergebnisse ausstehen, bleibt die Frage, ob das Virus sich an Bord weiter ausgebreitet hat – und ob die Todesfälle tatsächlich alle auf Hantaviren zurückgehen.
Ein seltenes Ereignis mit weitreichenden Folgen
Hantavirus-Ausbrüche auf Kreuzfahrtschiffen sind extrem ungewöhnlich. Die Übertragung erfolgt fast immer über Nagetiere, nicht von Mensch zu Mensch. Dennoch hat die WHO die Fälle als „Verdachtsfälle“ eingestuft – ein Signal, dass die Gesundheitsbehörden das Risiko ernst nehmen. Für die 149 Menschen an Bord bedeutet die Quarantäne vor Kap Verde eine ungewisse Wartezeit. Für die Hinterbliebenen der drei Toten bleibt die Ungewissheit, ob ein vermeidbarer Ausbruch die Ursache war. Die Untersuchung der WHO wird zeigen, ob die Sicherheitsprotokolle auf Expeditionsschiffen im Atlantik verschärft werden müssen.
Das Wichtigste
- Drei Tote auf der „Hondius“: ein Deutscher und ein niederländisches Ehepaar; nur ein Passagier hat ein bestätigtes Hantavirus.
- Kap Verde verweigert das Anlanden; das Schiff soll möglicherweise zu den Kanarischen Inseln weiterfahren.
- Zwei Crewmitglieder sind erkrankt; die Niederlande bereiten eine medizinische Evakuierung vor.
- Hantaviren werden hauptsächlich durch Nagetiere übertragen; Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist extrem selten.
- Die WHO hat eine epidemiologische Untersuchung eingeleitet; die Infektionsquelle ist noch unbekannt.
- Der Ausbruch wirft Fragen zur Hygiene und Sicherheit auf Expeditionskreuzfahrten im Atlantik auf.




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