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Drei Tote auf Expeditionsschiff «MV Hondius»: Hantavirus-Ausbruch im Atlantik

Kap Verde verweigert dem niederländischen Schiff die Einfahrt, während die WHO sechs Erkrankte bestätigt und die Ursache der Todesfälle noch ungeklärt ist.

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Drei Tote auf Expeditionsschiff «MV Hondius»: Hantavirus-Ausbruch im Atlantik
Kap Verde verweigert dem niederländischen Schiff die Einfahrt, während die WHO sechs Erkrankte bestätigt und die UrsacheCredit · SRF

Die Fakten

  • Drei Passagiere starben: ein deutsches und zwei niederländische Opfer.
  • Das Schiff «MV Hondius» war von Ushuaia (Argentinien) auf dem Weg nach Kap Verde.
  • Kap Verde verweigert dem Schiff die Anlegeerlaubnis im Hafen Praia.
  • Ein 70-jähriger Niederländer starb am 11. April an Bord; seine 69-jährige Frau am 27. April auf dem Rückflug.
  • Ein deutscher Passagier starb am Sonntag an noch ungeklärter Ursache an Bord.
  • Hantavirus wurde nur bei einem schwer erkrankten Passagier bestätigt, der in Johannesburg auf der Intensivstation liegt.
  • Zwei Crewmitglieder (Brite und Niederländer) zeigen Atemwegssymptome, Hantavirus noch nicht bestätigt.
  • WHO bestätigt sechs Erkrankte weltweit; Sterblichkeitsrate bei schweren Verläufen bis zu 40 Prozent.

Ein Todesfall auf hoher See und die Folgen

Ein niederländisches Expeditionsschiff ist zum Schauplatz eines medizinischen Dramas geworden. An Bord der «MV Hondius» sind drei Passagiere gestorben, nachdem das Hantavirus ausgebrochen sein soll. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bestätigte sechs Erkrankte. Der Inselstaat Kap Verde verweigert dem Schiff die Einfahrt in den Hafen der Hauptstadt Praia. Die Todesfälle ereigneten sich auf der Reise von Ushuaia in Argentinien zu den Kapverden. Ein 70-jähriger Niederländer starb bereits am 11. April an Bord, seine 69-jährige Ehefrau am 27. April, als sie auf dem Rückflug nach Südafrika war. Ein deutscher Passagier starb am Sonntag an Bord. Die genaue Todesursache ist in allen Fällen noch ungeklärt.

Das Virus und seine Übertragung

Hantaviren gehören zur Gruppe der Bunyaviren und sind weltweit verbreitet. Ihre natürlichen Wirte sind Nagetiere, die die Viren über Kot, Urin oder Speichel ausscheiden. Eine Infektion erfolgt meist durch Einatmen von aufgewirbeltem Staub, der mit diesen Ausscheidungen kontaminiert ist, seltener durch einen Biss. Prof. Dr. Robert Krause, Leiter der Klinischen Abteilung für Infektiologie an der Medizinischen Universität Graz, erklärt: „Man unterteilt sie in Viren der sogenannten Alten Welt, also Viren aus Europa, Asien und Südostasien, und Viren aus der Neuen Welt, also solche aus Nord- und Südamerika.“ Die amerikanischen Varianten seien besonders gefährlich und wiesen eine sehr hohe Todesrate auf.

Krankheitsverlauf und Gefährlichkeit

Die Erkrankung beginnt grippeähnlich mit Fieber, Muskel- und Gelenkschmerzen sowie Kopfschmerzen. Ein charakteristisches Symptom ist laut Krause eine temporäre Kurzsichtigkeit: „Es kann sein, dass man für einige Tage schlecht sieht.“ Diese verschwinde wieder und verursache keinen dauerhaften Schaden. In schweren Fällen kann es zu Nierenversagen kommen, das eine Dialyse erforderlich macht, oder zu Lungenversagen mit künstlicher Beatmung. Die Sterblichkeitsrate variiert je nach Virus-Typ: Bei hämorrhagischem Fieber mit Nierenbeteiligung enden zwischen 1 und 15 Prozent der Fälle tödlich. Bei amerikanischen Varianten kann die Rate bis zu 40 Prozent betragen.

Behandlung und Schutzmassnahmen

Es gibt keine spezifische Therapie gegen Hantaviren. Die Behandlung beschränkt sich auf symptomatische Massnahmen, also Linderung der Beschwerden und gegebenenfalls Organersatz durch Dialyse oder Beatmung. Ein spezifisches Medikament existiert nicht. Zur Vorbeugung empfiehlt Krause, kontaminierte Flächen mit einer Flüssigkeit zu besprühen, um Staubaufwirbelung zu vermeiden, und eine FFP2-Maske zu tragen. Chlorhaltige Reinigungsmittel zerstören die Viren. Wichtig sei ausserdem gründliches Lüften und Händewaschen nach Arbeiten in Kellern oder Gartenhäusern.

Die Lage an Bord der «MV Hondius»

Das Schiff hat 149 Insassen aus 23 Ländern, darunter 88 Passagiere. Sieben Passagiere und ein Crewmitglied haben die deutsche Staatsbürgerschaft. Der Reiseveranstalter Oceanwide Expeditions bestätigte, dass das Hantavirus bislang nur bei einem schwer erkrankten Passagier nachgewiesen wurde, der auf der Intensivstation in Johannesburg behandelt wird. Sein Zustand sei kritisch, aber stabil. Zwei Crewmitglieder, ein Brite und ein Niederländer, zeigen Atemwegssymptome – einer schwer, einer mild. Bei ihnen ist die Infektionsursache unklar und das Hantavirus noch nicht bestätigt. Die Leiche des ersten niederländischen Opfers wurde auf die abgelegene Atlantik-Insel St. Helena gebracht.

Reaktionen der Behörden und nächste Schritte

Kap Verdes Gesundheitsbehörde erklärte, alle notwendigen Sicherheitsvorkehrungen zu treffen, einschliesslich Vorbereitungen für eine mögliche medizinische Evakuierung. Die Lage sei unter Kontrolle und es bestehe keine Gefahr für die Bevölkerung an Land. Die WHO schätzt das Risiko für die Allgemeinbevölkerung als gering ein. Das Kreuzfahrtunternehmen prüft, ob das Schiff zu den Kanarischen Inseln weiterfahren kann, damit die Passagiere auf Teneriffa oder Las Palmas an Land gehen können. Das Auswärtige Amt äusserte sich aus Persönlichkeitsschutzgründen nicht zum Einzelfall des deutschen Toten.

Einordnung: Keine Panik, aber Wachsamkeit

Infektiologe Krause beruhigt: „Nein, das muss man nicht.“ Hantavirus-Infektionen gehörten zu den sogenannten Emerging Infections, die in Europa und weltweit zunehmen, aber die Menschheit nicht grossartig bedrohten. Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung sei selten. Simon Ming vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) ergänzt: In Europa zirkulieren vor allem das meist harmlose Puumala-Virus und das seltenere, aber schwerere Dobrava-Virus. Für die Schweiz besteht laut BAG derzeit keine erhöhte Gefahr. Der Ausbruch auf der «MV Hondius» bleibt ein Einzelfall, der jedoch die Notwendigkeit von Hygienemassnahmen im Umgang mit Nagetieren unterstreicht.

Das Wichtigste

  • Drei Passagiere der «MV Hondius» starben, die Todesursache ist noch nicht abschliessend geklärt.
  • Hantavirus wurde nur bei einem Patienten bestätigt; zwei Crewmitglieder zeigen Symptome.
  • Kap Verde verweigert dem Schiff die Einreise; eine Weiterfahrt zu den Kanaren wird geprüft.
  • Hantaviren werden durch Nagetiere übertragen; eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist selten.
  • Es gibt keine spezifische Therapie; die Behandlung ist symptomatisch.
  • Die WHO stuft die Gefahr für die Allgemeinbevölkerung als gering ein.
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