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20 Banken zahlen jetzt über drei Prozent – doch nur für Neukunden

Der Wettbewerb um frische Einlagen treibt die Tagesgeldzinsen auf Rekordniveau, während Bestandskunden weiterhin im Schnitt nur 1,32 Prozent erhalten.

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20 Banken zahlen jetzt über drei Prozent – doch nur für Neukunden
Der Wettbewerb um frische Einlagen treibt die Tagesgeldzinsen auf Rekordniveau, während Bestandskunden weiterhin im SchnCredit · T-Online

Die Fakten

  • 20 Banken bieten Neukunden mindestens 3 % Tagesgeldzins – so viele wie nie zuvor.
  • Vor einem Jahr waren es nur zwei Banken, Anfang 2026 dreizehn.
  • Bestandskunden erhalten im Schnitt lediglich 1,32 % – ein Plus von nur 0,04 Prozentpunkten in neun Monaten.
  • Spitzenreiter Raisin lockt mit 3,5 % für drei Monate, allerdings treuhänderisch geparkt.
  • Suresse Direkt Bank und Consorsbank zahlen 3,4 % für vier bzw. drei Monate.
  • Die ING erhöhte ihren Aktionszins von 3,0 auf 3,2 % für vier Monate.
  • Multitude Bank (Marke Ferratum) bietet Bestandskunden 2,7 % – der höchste Satz für Bestandskunden.
  • Santander Consumer Bank senkt ihren Zins ab 7. Mai 2026 auf 2,75 %.

Rekordjagd bei Neukundenzinsen

Der Markt für Tagesgeld befindet sich in einer beispiellosen Rallye. Zwanzig Banken zahlen Neukunden inzwischen mindestens drei Prozent Zinsen – ein Rekordwert, wie eine aktuelle Auswertung des Vergleichsportals Verivox zeigt. Anfang des Jahres waren es noch 13 Institute, vor einem Jahr lediglich zwei. Der Grund für den Anstieg liegt im verschärften Wettbewerb um neue Kunden. Die Banken locken mit kurzfristig hohen Zinsen, um frisches Geld anzuziehen. Bestandskunden hingegen profitieren kaum: Der durchschnittliche Tagesgeldzins für sie liegt bei nur 1,32 Prozent und hat sich in den vergangenen neun Monaten kaum bewegt – ein Plus von mageren 0,04 Prozentpunkten.

Die besten Angebote im Überblick

Den aktuell höchsten Zinssatz für Neukunden bietet die Zinsplattform Raisin mit 3,5 Prozent pro Jahr – allerdings handelt es sich nicht um ein klassisches Tagesgeldkonto. Das Geld wird zunächst treuhänderisch bei einer Partnerbank geparkt, und nach drei Monaten läuft das Angebot aus. Danach müssen Sparer eine neue Anlagemöglichkeit suchen. Klassische Tagesgeldkonten mit hohen Einstiegszinsen bieten unter anderem die Suresse Direkt Bank und die Consorsbank. Beide zahlen derzeit 3,4 Prozent, allerdings ebenfalls befristet. Bei der Suresse Direkt Bank gilt der Zinssatz für vier Monate, danach sinkt er auf 1,9 Prozent. Die Consorsbank gewährt den Aktionszins für drei Monate, anschließend fallen die Zinsen auf 0,8 Prozent. Die Bank of Scotland bietet 3,25 Prozent für drei Monate auf Einlagen bis 100.000 Euro, die ING 3,2 Prozent für vier Monate auf Einlagen bis 250.000 Euro.

Bestandskunden: Lichtblicke und Fallstricke

Während die meisten Bestandskunden mit mageren Zinsen auskommen müssen, gibt es Ausreißer nach oben. Spitzenreiter ist die Multitude Bank mit ihrer Marke Ferratum: Hier sind aktuell 2,7 Prozent möglich. Die Bank hat ihren Sitz in Malta, und Einlagen sind bis zu 100.000 Euro durch das dortige Einlagensicherungssystem geschützt. Unter den deutschen Anbietern liegt die Cosmos Direkt mit 2,2 Prozent vorn. Doch Vorsicht: Die attraktiven Konditionen für Neukunden gelten meist nur drei bis sechs Monate. Danach fallen die Zinsen oft drastisch auf das Niveau der Bestandskundensätze. Wer dauerhaft hohe Zinsen erzielen will, muss regelmäßig das Konto wechseln und sein Geld umschichten. Wer diesen Aufwand scheut, sollte auf Angebote mit vergleichsweise guten dauerhaften Zinsen achten.

Festgeld als Alternative

Neben Tagesgeld gewinnt auch Festgeld an Attraktivität. Die J&T Direktbank führt das Feld mit bis zu 3,5 Prozent pro Jahr an. Festgeld bietet den Vorteil einer garantierten Verzinsung über die gesamte Laufzeit, dafür fehlt die Flexibilität des täglichen Zugriffs. Die Wahl zwischen Tages- und Festgeld hängt von der individuellen Präferenz ab: Wer auf Liquidität Wert legt, greift zum Tagesgeld; wer bereit ist, sein Geld für einen festen Zeitraum zu binden, kann mit Festgeld oft etwas höhere Zinsen erzielen. Die aktuellen Zinsänderungen der Postbank, Deutschen Bank und weiterer Anbieter zeigen, dass die Bewegung auf beiden Märkten anhält.

Einlagensicherung: Deutsche vs. europäische Schutzschirme

Bei der Wahl des Anbieters spielt die Einlagensicherung eine wichtige Rolle. Die meisten der genannten Banken unterliegen der deutschen Einlagensicherung, die Einlagen bis 100.000 Euro pro Kunde absichert. Die ING ist zusätzlich dem Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken angeschlossen, der aktuell bis zu drei Millionen Euro pro Kunde absichert. Andere Anbieter wie die Suresse Direkt Bank (Spanien) oder die Multitude Bank (Malta) unterliegen der jeweiligen nationalen Einlagensicherung, die ebenfalls EU-weit 100.000 Euro pro Kunde garantiert. Wer einen deutschen Schutzschirm bevorzugt, findet entsprechende Angebote bei Instituten mit Sitz in Deutschland.

Ausblick: Zinserhöhungen und ihre Grenzen

Die Europäische Zentralbank hat die Leitzinsen zuletzt mehrfach angehoben, was die Banken zu höheren Zinsen für Einlagen zwingt. Doch die Weitergabe an die Kunden erfolgt selektiv: Neukunden profitieren überproportional, während Bestandskunden oft leer ausgehen. Die Santander Consumer Bank senkt ihren Zins ab 7. Mai 2026 auf 2,75 Prozent – ein Zeichen, dass die Spitze möglicherweise erreicht ist. Sollten die Konjunkturaussichten nicht besser werden, könnten weitere Zinserhöhungen folgen, wie ein aktueller Bericht zu Bauzinsen andeutet. Für Sparer bedeutet dies: Die derzeitigen Höchststände sind möglicherweise nicht von Dauer. Wer jetzt von den hohen Neukundenzinsen profitieren will, sollte schnell handeln und die Konditionen genau vergleichen.

Strategien für Anleger

Angesichts der befristeten Aktionszinsen empfiehlt sich eine aktive Strategie: Sparer sollten regelmäßig die Angebote prüfen und ihr Geld nach Ablauf der Zinsgarantie umschichten. Eine Festgeldtreppe – also die Staffelung mehrerer Festgelder mit unterschiedlichen Laufzeiten – kann helfen, von steigenden Zinsen zu profitieren und gleichzeitig Liquidität zu bewahren. Wer den Aufwand scheut, sollte auf Anbieter mit dauerhaft guten Zinsen achten, auch wenn diese unter den Spitzenwerten liegen. Die Multitude Bank mit 2,7 Prozent für Bestandskunden oder die Cosmos Direkt mit 2,2 Prozent sind hier Beispiele. Letztlich gilt: Im derzeitigen Zinsumfeld lohnt sich der Vergleich mehr denn je.

Das Wichtigste

  • 20 Banken zahlen Neukunden mindestens 3 % Tagesgeldzins – ein Rekord, getrieben durch Wettbewerb um frische Einlagen.
  • Bestandskunden erhalten im Schnitt nur 1,32 %, kaum gestiegen in den letzten neun Monaten.
  • Die höchsten Zinsen (3,5 %) sind meist befristet und erfordern regelmäßiges Umschichten.
  • Festgeld bietet mit bis zu 3,5 % eine Alternative mit fester Laufzeit.
  • Einlagensicherung variiert: Deutsche Institute sichern bis 100.000 €, manche bis 3 Mio. €.
  • Die Zinsspitze könnte erreicht sein – Santander senkt bereits, weitere Erhöhungen sind unsicher.
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