Krypto-Steuerprivileg wackelt: Finanzminister Klingbeil kündigt veränderte Besteuerung für 2027 an
Die einjährige Haltefrist, die Krypto-Gewinne steuerfrei stellt, steht auf dem Prüfstand – eine Reform könnte Bitcoin und Co. wie Aktien besteuern.

GERMANY —
Die Fakten
- Finanzminister Lars Klingbeil kündigt für den Bundeshaushalt 2027 eine veränderte Besteuerung von Kryptowährungen an.
- Aktuell bleiben Krypto-Gewinne nach einer Haltedauer von einem Jahr steuerfrei (§ 23 Einkommensteuergesetz).
- Eine Reform könnte die Abgeltungsteuer von 25 Prozent (zzgl. Soli und Kirchensteuer) auf Krypto-Gewinne anwenden.
- Österreich schaffte die Haltefrist für Kryptowährungen bereits 2022 ab und erhebt seither 27,5 Prozent Steuern auf Gewinne.
- Eine Petition auf OpenPetition fordert den Erhalt der Steuerfreiheit nach einem Jahr und kritisiert eine Schwächung des Standortvorteils.
- Krypto-Gewinne unterliegen im Gegensatz zu Arbeitseinkommen keiner progressiven Besteuerung und keinen Sozialabgaben.
- Der Eckwertebeschluss für den Bundeshaushalt 2027 sieht auch Einsparungen bei Gesundheit, Pflege, Soziales und Rente sowie neue Abgaben auf Alkohol, Tabak, Zucker und Plastik vor.
Das Ende der Haltefrist?
Deutschlands Krypto-Anleger könnten bald tiefer in die Tasche greifen müssen. Finanzminister Lars Klingbeil hat für den Bundeshaushalt 2027 eine „veränderte Besteuerung von Kryptowährungen“ angekündigt. Konkrete Details liegen noch nicht vor, doch die Richtung ist klar: Der Staat sucht neue Einnahmequellen. Bislang genießen Bitcoin und andere Kryptowährungen im Privatvermögen ein Steuerprivileg: Nach einer Haltedauer von einem Jahr bleiben Gewinne steuerfrei. Dieses Modell, das im Einkommensteuergesetz (§ 23) verankert ist, unterscheidet sich grundlegend von der Abgeltungsteuer auf Aktien und Fonds. Nun steht es auf dem Prüfstand. Die Ankündigung erfolgte im Rahmen des sogenannten Eckwertebeschlusses für den Bundeshaushalt 2027. Neben der Krypto-Steuer sind auch Streichungen und Einsparungen bei Zuschüssen für Gesundheit, Pflege, Soziales und Rente geplant, sowie neue Abgaben auf Alkohol, Tabak, Zucker und Plastik.
Wie die neue Steuer aussehen könnte
Der Gesetzgeber könnte Kryptowerte künftig wie Aktien oder Fonds behandeln. Entscheidend ist nicht die Greifbarkeit eines Vermögenswerts, sondern seine wirtschaftliche Bewertbarkeit. Eine mögliche Reform würde bedeuten, dass Gewinne aus Krypto-Verkäufen sofort steuerpflichtig werden – unabhängig von der Haltedauer. Bei klassischen Kapitalanlagen greift die Abgeltungsteuer, eine pauschale Steuer von 25 Prozent auf Kapitalerträge, zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Ein ähnliches Modell könnte auf Kryptowährungen angewendet werden. Ein Blick nach Österreich zeigt, wie eine solche Regelung praktisch umgesetzt werden kann. Dort wurde die Haltefrist für Kryptowährungen bereits 2022 abgeschafft. Seitdem fallen auf Krypto-Gewinne grundsätzlich 27,5 Prozent Steuern an.
Milliardenverlust für den Staat
Die steuerliche Privilegierung von Krypto-Gewinnen hat erhebliche fiskalische Auswirkungen. Während Arbeitseinkommen progressiv besteuert werden – ein Durchschnittsverdiener mit 62.000 Euro Jahresgehalt zahlt rund 24 Prozent Einkommensteuer plus Sozialabgaben – unterliegen Kapitaleinkünfte einer deutlich niedrigeren Belastung. Aktiengewinne werden mit der Abgeltungsteuer von 25 Prozent (mit Soli rund 26,4 Prozent) besteuert, und zwar unabhängig von der Höhe der Einkünfte. Sozialabgaben fallen auf Kapitaleinkommen nicht an. Krypto-Investoren, die ihre Coins länger als ein Jahr halten, zahlen auf ihre Gewinne überhaupt keine Steuern – egal, wie hoch diese ausfallen. Diese Schieflage führt dazu, dass dem Staat Milliarden an Steuereinnahmen entgehen. Vorschläge, die Besteuerung von Kapitaleinkünften zu reformieren, wie sie etwa der damalige Wirtschaftsminister Robert Habeck 2025 oder die SPD Anfang des Jahres vorlegten, wurden jedoch regelmäßig als vermeintliche Kleinanleger-Enteignung abgeschmettert.
Widerstand formiert sich
Gegen die geplanten Änderungen regt sich Protest. Auf der Plattform OpenPetition wurde eine Petition gestartet, die den Erhalt der Steuerfreiheit nach einem Jahr fordert. Die Initiatoren argumentieren, die geplanten Änderungen würden langfristiges Investieren erschweren, einen Standortvorteil Deutschlands schwächen und Sparmöglichkeiten für Bürger weiter einschränken. Die Petition befindet sich noch in der Zeichnungsphase und benötigt nach eigenen Angaben mehr Reichweite, um politischen Druck aufzubauen. Die Organisatoren rufen dazu auf, die Petition in WhatsApp-Gruppen, auf Social Media und im Freundeskreis zu teilen. „Gemeinsam können wir zeigen, dass dieses Thema viele betrifft“, heißt es in dem Aufruf. Ob die Petition letztlich Einfluss auf die politische Entscheidungsfindung haben wird, bleibt abzuwarten.
Ausblick: Was kommt auf Anleger zu?
Die konkrete Ausgestaltung der Reform ist noch offen. Klar ist jedoch, dass die Bundesregierung unter Finanzminister Klingbeil neue Einnahmequellen erschließen will. Die „veränderte Besteuerung von Kryptowährungen“ ist Teil eines größeren Pakets, das auch Einsparungen und neue Verbrauchssteuern umfasst. Für Anleger bedeutet dies Unsicherheit. Wer derzeit in Kryptowährungen investiert, könnte von einer möglichen Abschaffung der Haltefrist betroffen sein. Eine rückwirkende Änderung ist zwar unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen. Die Debatte um die Krypto-Besteuerung ist auch ein Gradmesser für die generelle Steuerpolitik in Deutschland. Die Frage, ob Kapitaleinkünfte künftig stärker belastet werden sollen, wird die politische Diskussion in den kommenden Monaten prägen.
Das Wichtigste
- Finanzminister Klingbeil plant für 2027 eine veränderte Besteuerung von Kryptowährungen, die die einjährige Haltefrist abschaffen könnte.
- Eine mögliche Reform würde Krypto-Gewinne der Abgeltungsteuer von 25 Prozent unterwerfen, ähnlich wie Aktien und Fonds.
- Österreich hat die Haltefrist bereits 2022 abgeschafft und besteuert Krypto-Gewinne mit 27,5 Prozent.
- Die steuerliche Privilegierung von Krypto führt zu Milliardenausfällen für den Staat, während Arbeitseinkommen hoch besteuert werden.
- Eine Petition auf OpenPetition kämpft für den Erhalt der Steuerfreiheit und sammelt Unterstützung.
- Die Reform ist Teil eines größeren Haushaltspakets, das auch Einsparungen bei Sozialausgaben und neue Verbrauchssteuern vorsieht.




Drei Wetterwelten in Deutschland: Kühler Norden, Gewitter im Süden

Bayern setzt auf Härte: Laimer vor dem Absprung – Olise rettet Remis gegen Heidenheim
