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ADAC Luftrettung warnt vor Sparplänen der Bundesregierung

Kritik an geplanten Vergütungsdeckelungen im Gesundheitswesen: Die ADAC Luftrettung befürchtet eine Unterfinanzierung und Einschränkungen der Notfallversorgung.

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ADAC Luftrettung warnt vor Sparplänen der Bundesregierung
Kritik an geplanten Vergütungsdeckelungen im Gesundheitswesen: Die ADAC Luftrettung befürchtet eine Unterfinanzierung unCredit · hessenschau.de

Die Fakten

  • Die ADAC Luftrettung warnt vor gravierenden Folgen geplanter Sparmaßnahmen der Bundesregierung.
  • Geplante Vergütungssteigerungen für Rettungsdienste sollen künftig begrenzt werden.
  • Steigende Kosten für Kerosin, Wartung und Personal könnten nicht mehr gedeckt werden.
  • Der ADAC-Rettungshubschrauber Christoph 28 in Fulda fliegt jährlich rund 1.300 Einsätze.
  • Die gemeinnützigen Rettungsdienst-Organisationen ADAC, DRF und Johanniter Luftrettung haben gemeinsam gewarnt.
  • Frédéric Bruder, Geschäftsführer der ADAC Luftrettung, kritisiert die geplante Unterfinanzierung.
  • Die ADAC-Luftrettung flog im Vorjahr knapp 49.000 Einsätze.

Drohende Unterfinanzierung der Luftrettung

Steigende Einsatzzahlen und explodierende Kosten belasten die Betreiber von Rettungshubschraubern. Nun drohen geplante Sparmaßnahmen der Bundesregierung die Notfallversorgung in Deutschland zu gefährden. Die gemeinnützigen Organisationen ADAC Luftrettung, DRF Luftrettung und Johanniter Luftrettung schlugen Alarm und warnten eindringlich vor den Konsequenzen für die flächendeckende medizinische Hilfe. Die Kritik richtet sich gegen einen Gesetzentwurf zur Stabilisierung der Krankenkassenbeiträge. Mit diesem Vorhaben sollen Milliarden im Gesundheitswesen eingespart werden. Ein zentraler Punkt ist die geplante Begrenzung künftiger Vergütungssteigerungen für Rettungsdienste. Dies würde laut den Betreibern dazu führen, dass steigende Ausgaben für Kerosin, Wartung oder Personal nicht mehr ausreichend kompensiert werden könnten. "Die geplanten Maßnahmen führen zu einer dramatischen Unterfinanzierung im Bereich der Luftrettung und gefährden somit die notfallmedizinische Versorgung in Deutschland", erklärt Frédéric Bruder, Geschäftsführer der ADAC Luftrettung. Er betont, dass die Notfallversorgung nicht den Sparmaßnahmen geopfert werden dürfe und Nachbesserungen notwendig seien, wenn die Versorgungssicherheit ernst genommen werde.

Vergütungsdeckelung als Kernproblem

Im Kern des Problems steht die geplante Begrenzung der Vergütungssteigerungen für Leistungserbringer im Gesundheitswesen. Die Bundesregierung folgt damit Expertenempfehlungen, um eine "einnahmen-orientierte Ausgabenpolitik" der Krankenkassen zu fördern. Ziel ist es, zu verhindern, dass die Kassen mehr Geld ausgeben, als sie einnehmen. Dies soll erreicht werden, indem sich Vergütungen nicht mehr am Wachstum der Grundlohnrate orientieren. Die Luftrettungsorganisationen sehen darin eine direkte Bedrohung ihrer Existenz. "Beim Entwurf der Reform sind die absehbaren Folgen für die Notfallversorgung offensichtlich nicht ausreichend berücksichtigt worden", kritisiert Bruder. Er befürchtet, dass mittelfristig Einschränkungen von Leistungen oder gar die Schließung einzelner Luftrettungsstationen drohen könnten, was die flächendeckende Einsatzfähigkeit gefährde. Besonders betroffen wären demnach ländliche und strukturschwache Regionen. Dort spielt die Luftrettung oft eine entscheidende Rolle bei lebensbedrohlichen Notfällen, da es weniger Rettungswachen und Krankenhäuser gibt. Die steigenden Anforderungen durch längere Transportwege für Patienten und eine gleichzeitig gedeckelte Finanzierung stünden in einem klaren Widerspruch.

Steigende Einsatzzahlen und wachsende Bedeutung

Die Bedeutung der Luftrettung für die Notfallversorgung in Deutschland ist unbestritten. Mehr als 90.000 Einsätze werden pro Jahr von den gemeinnützigen Organisationen geflogen. Der ADAC-Rettungshubschrauber Christoph 28 in Osthessen, der am Klinikum Fulda stationiert ist, verzeichnet jährlich rund 1.300 Einsätze – mit steigender Tendenz. Notarzt Alexander Lay bestätigt den Trend: "Wir werden deutlich häufiger alarmiert, mindestens ein Drittel mehr als früher." Insbesondere im ländlichen Raum, wo Rettungswagen- und Notarztstandorte ausgedünnt würden, müsse die Luftrettung häufiger einspringen. Schnelle Hilfe sei bei schweren Notfällen entscheidend, da jede Verzögerung der optimalen Versorgung zu größeren Schäden bis hin zu lebensbedrohlichen Konsequenzen führen könne. Die steigende Zahl der Einsätze wird auch mit Veränderungen in der Krankenhauslandschaft in Verbindung gebracht. Klinikschließungen oder die Konzentration auf bestimmte Fachbereiche führen zu längeren Anfahrtswegen für Patienten. In solchen Fällen wird die Luftrettung häufiger zur schnellen Erstversorgung und zum Transport eingesetzt. Ein Rettungshubschrauber kann innerhalb von 15 Minuten einen Radius von etwa 50 Kilometern abdecken.

Finanzielle Realitäten und Spendenabhängigkeit

Die ADAC-Luftrettung und ihre Partnerorganisationen sind bereits heute mit erheblichen Kosten konfrontiert. Neben Kerosin und Wartung steigen auch die Personalkosten. Die Ausgaben für Rettungseinsätze sind in den vergangenen Jahren stark gewachsen, auch wenn die Luftrettung laut einer Auswertung der AOK nur einen winzigen Bruchteil dieser Gesamtausgaben ausmacht und unterdurchschnittlich gewachsen ist. Die gemeinnützigen Organisationen sind teilweise auf Spenden angewiesen, um ihre Einsätze zu finanzieren. Sollte der Gesetzentwurf unverändert umgesetzt werden, drohe eine dauerhafte strukturelle Unterfinanzierung. Kurzfristige Einsparungen seien kaum möglich, da Investitionen in Hubschrauber, medizinische Ausstattung und Rettungsstationen über Jahrzehnte geplant werden. Im vergangenen Jahr flog die ADAC-Luftrettung nach eigenen Angaben knapp 49.000 Einsätze. Für sie und ihre Tochterunternehmen arbeiten bundesweit rund 1.500 Menschen, darunter 180 Piloten und etwa 670 Notärzte. Die Sorge ist groß, dass die finanzielle Grundlage für diese lebensrettende Arbeit durch die Sparpläne entzogen werden könnte.

Auswirkungen des Sparpakets auf das Gesundheitssystem

Das geplante Sparpaket der Bundesregierung zielt darauf ab, die Beiträge für gesetzliche Krankenkassen stabil zu halten. Neben den Vergütungsdeckelungen für Rettungsdienste sind weitere Maßnahmen vorgesehen, darunter Ausgabenbremsen für Praxen, Kliniken und die Pharmabranche. Auch höhere Zuzahlungen für Medikamente und Einschränkungen bei der kostenlosen Mitversicherung von Ehepartnern sind Teil des Pakets. Die Luftrettungsorganisationen befürchten, dass diese umfassenden Sparmaßnahmen die gesamte Notfallversorgung destabilisieren könnten. Die ADAC Luftrettung betont, dass die steigende Zahl der Einsätze und die zunehmende Verantwortung nicht mit einer gedeckelten Finanzierung vereinbar seien. Die Sorge ist, dass die Qualität und die Flächendeckung der lebensrettenden Dienste leiden könnten. Die Bundesregierung argumentiert, dass die Ausgaben im Gesundheitswesen eingedämmt werden müssen, um die Beitragszahler zu entlasten. Die Rettungsdienste und ihre gemeinnützigen Träger sehen darin jedoch eine Gefährdung der Daseinsvorsorge. Sie fordern eine Nachbesserung des Gesetzentwurfs, um eine ausreichende Finanzierung der Luftrettung sicherzustellen.

Das Wichtigste

  • Geplante Sparmaßnahmen der Bundesregierung könnten die Luftrettung in Deutschland unterfinanzieren.
  • Begrenzungen bei Vergütungssteigerungen für Rettungsdienste sind ein zentraler Kritikpunkt.
  • Steigende Kosten für Betrieb und Personal der Rettungshubschrauber sind nicht mehr gedeckt.
  • Die ADAC Luftrettung warnt vor Einschränkungen der Notfallversorgung, besonders in ländlichen Regionen.
  • Die Organisationen sind teilweise auf Spenden angewiesen und sehen ihre flächendeckende Einsatzfähigkeit gefährdet.
  • Die steigende Zahl der Einsätze und die wachsende Bedeutung der Luftrettung werden durch die Sparpläne bedroht.
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