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Ein Jahr Merz: Kanzler mit 13 Prozent Zustimmung – Koalition im Umfragetief

Nur noch 13 Prozent der Deutschen sind mit Friedrich Merz zufrieden; Union und SPD verharren auf Tiefstwerten, während die Grünen zulegen.

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Ein Jahr Merz: Kanzler mit 13 Prozent Zustimmung – Koalition im Umfragetief
Nur noch 13 Prozent der Deutschen sind mit Friedrich Merz zufrieden; Union und SPD verharren auf Tiefstwerten, während dCredit · tagesschau.de

Die Fakten

  • Friedrich Merz wurde am 6. Mai 2025 im zweiten Wahlgang zum Kanzler gewählt.
  • CDU/CSU erreichten bei der Bundestagswahl Februar 2025 28,6 Prozent, die SPD 16,4 Prozent.
  • Das Sondervermögen von 500 Milliarden Euro wurde mit Stimmen von Union, SPD und Grünen beschlossen.
  • Bis Ende 2025 wurden 24 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen investiert.
  • Im RTL/ntv-Trendbarometer vom 28. April bis 4. Mai 2025 liegt die Union bei 22 Prozent, die SPD bei 12 Prozent.
  • 85 Prozent der Befragten sind mit Merz unzufrieden, 53 Prozent der Unionsanhänger ebenfalls.
  • 66 Prozent der Deutschen erwarten eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Verhältnisse.

Ein holpriger Start und ein Jahr voller Konflikte

Vor genau einem Jahr, am 6. Mai 2025, wurde Friedrich Merz zum Bundeskanzler gewählt – allerdings erst im zweiten Wahlgang, ein bislang einmaliger Vorgang in der deutschen Geschichte. Die schwarz-rote Koalition aus Union und SPD war noch nicht vereidigt, da schlitterte sie bereits in ihre erste Krise. Grüne und Linke mussten einer Fristverkürzung zustimmen, damit die Wahl noch am selben Tag stattfinden konnte. Seither betonen Spitzenvertreter beider Parteien immer wieder, dass die Koalition Bestand habe. „Es werde hart gerungen, zur Politik gehöre auch Streit – entscheidend seien Sachlichkeit und Augenhöhe“, sagte SPD-Fraktionschef Matthias Miersch. Doch die vielen öffentlich ausgetragenen Meinungsverschiedenheiten der vergangenen Monate lassen Zweifel an der Stabilität des Bündnisses aufkommen.

Das Sondervermögen: 500 Milliarden Euro und ein gebrochenes Wahlversprechen

Schon vor Amtsantritt der schwarz-roten Regierung sorgte das geplante Sondervermögen für Turbulenzen. Mit den Stimmen der sich anbahnenden Koalition sowie der Grünen wurde die Schuldenbremse für Verteidigungsinvestitionen gelockert und ein 500-Milliarden-Euro-Paket auf den Weg gebracht – entgegen anderslautender Positionen von Merz im Wahlkampf. Die massive Schuldenaufnahme stieß in der Union auf heftige Kritik. Bis Ende 2025 sind laut Regierung bereits 24 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen über ein „Investitions-Sofortprogramm“ investiert worden. Allerdings ist umstritten, inwieweit es sich tatsächlich um zusätzliche Investitionen handelt, die es regulär nicht gegeben hätte. Der Koalitionsvertrag mit dem Titel „Verantwortung für Deutschland“ verspricht einen „Politikwechsel“ und will vor allem die Wirtschaft stärken, doch auf 144 Seiten steht vieles unter Finanzierungsvorbehalt oder bleibt vage.

Umfrage-Debakel: Union und SPD auf Tiefstständen

Ein Jahr nach Regierungsantritt können weder CDU/CSU noch SPD von ihrer Arbeit profitieren. Im RTL/ntv-Trendbarometer, erhoben vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut Forsa vom 28. April bis 4. Mai 2025, verzeichnen beide Parteien Tiefstwerte. Die Union kommt auf 22 Prozent – der niedrigste Wert seit Bestehen der schwarz-roten Regierung. Die SPD stagniert bei 12 Prozent, nachdem sie bei der Bundestagswahl im Februar 2025 noch 16,4 Prozent erzielt hatte. Die AfD liegt mit 27 Prozent deutlich vor der Union und erreicht knapp sieben Punkte mehr als bei der Bundestagswahl (20,8 Prozent). Die Grünen legen einen Punkt auf 16 Prozent zu, eine deutliche Steigerung verglichen mit 11,6 Prozent bei der Wahl. Die FDP bleibt bei 4 Prozent, das BSW unter 3 Prozent.

Merz‘ Vertrauensverlust: Nur 13 Prozent zufrieden

Bundeskanzler Friedrich Merz steht schlechter da als vor einem Jahr. Nur noch 13 Prozent der Befragten sind mit seiner Arbeit zufrieden – zwei Punkte weniger als in der Vorwoche. 85 Prozent äußern sich unzufrieden, ein Plus von zwei Punkten. Selbst unter Unionsanhängern sind 53 Prozent unzufrieden, bei der SPD sind es 81 Prozent. Die größte Unzufriedenheit herrscht bei Wählern von Grünen (90 Prozent), Linken und AfD (je 98 Prozent). Zum Vergleich: Im Juni 2025, kurz nach seinem Amtsantritt, waren noch 42 Prozent zufrieden und 50 Prozent unzufrieden. Der Kanzler, der sich als „Außenkanzler“, „Reformkanzler“ und „Wirtschaftskanzler“ profiliert, scheint in der Bevölkerung an Rückhalt verloren zu haben.

Wirtschaftliche Pessimismus und politische Kompetenzkrise

Die Stimmung in der Bevölkerung ist geprägt von Pessimismus: 66 Prozent der Deutschen erwarten, dass sich die wirtschaftlichen Verhältnisse in den kommenden Jahren verschlechtern. Nur 12 Prozent sehen optimistisch in die Zukunft. Bei der Frage nach politischer Kompetenz liegt die AfD mit 14 Prozent vorn, die Union folgt mit 12 Prozent. Eine Mehrheit von 54 Prozent traut keiner Partei zu, mit den Problemen des Landes fertig zu werden. Dieser Vertrauensverlust spiegelt sich auch in den Umfragewerten wider: Die AfD profitiert von der Unzufriedenheit, während die Grünen als einzige Regierungspartei Zugewinne verzeichnen. Die SPD und die Union scheinen in einer Abwärtsspirale gefangen.

Ausblick: 36 Monate bis zur nächsten Wahl – Zeit für Kurskorrekturen?

Bundeskanzler Merz kündigte für die Kabinettssitzung am Jahrestag einen kurzen Dank an sein Kabinett an, wolle dann aber den Blick nach vorne richten auf das, was in den kommenden 36 Monaten noch zu erledigen sei. Die Koalition hat noch gut drei Jahre Zeit, um das Ruder herumzureißen. Doch die Herausforderungen sind gewaltig: Die Wirtschaft lahmt, die Zustimmungswerte sind im Keller, und die AfD drängt von rechts. Ob Merz und seine Koalition die Wende schaffen, bleibt fraglich. Bislang ist die Bilanz durchwachsen: Ein Sondervermögen, das Kritiker als nicht zusätzlich bezeichnen, ein Koalitionsvertrag mit vielen vagen Versprechungen und eine Regierung, die sich in öffentlichen Streitigkeiten verzettelt. Die nächsten Monate werden zeigen, ob Schwarz-Rot die Kurve kriegt oder weiter an Boden verliert.

Das Wichtigste

  • Friedrich Merz ist seit einem Jahr Kanzler, seine Zustimmungswerte sind von 42 auf 13 Prozent gefallen.
  • Union und SPD verzeichnen in Umfragen Tiefststände: 22 bzw. 12 Prozent.
  • Die AfD liegt mit 27 Prozent vor der Union und profitiert von der Unzufriedenheit.
  • Das 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen wurde trotz Wahlkampfaussagen beschlossen; 24 Milliarden sind bislang investiert.
  • 66 Prozent der Deutschen erwarten eine Verschlechterung der Wirtschaftslage.
  • Mehr als die Hälfte der Bürger traut keiner Partei politische Kompetenz zu.
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