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Weltkriegsbombe in Stuttgart-Nord entschärft

Seltener Zünder machte 250-Kilo-Bombe zu einer besonderen Herausforderung für Experten.

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Weltkriegsbombe in Stuttgart-Nord entschärft
Seltener Zünder machte 250-Kilo-Bombe zu einer besonderen Herausforderung für Experten.Credit · SWR

Die Fakten

  • Eine 250 Kilogramm schwere Weltkriegsbombe wurde am Freitagmittag in Stuttgart-Nord entschärft.
  • Die Bombe verfügte über einen seltenen chemischen Langzeitzünder.
  • Rund 1.400 Menschen in einem Radius von 250 Metern um die Eduard-Pfeiffer-Straße wurden evakuiert.
  • Hunderte Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei, Rettungsdienst und Kampfmittelbeseitigungsdienst waren vor Ort.
  • Die Entschärfung erforderte schnelles Handeln und war keine Routineaufgabe.
  • Die Warn-App NINA löste Alarm aus, Anwohner konnten eine Sporthalle als Notunterkunft nutzen.
  • Auch das Hotel Azenberg musste evakuiert werden, was Gäste und Personal betraf.

Entschärfung einer Weltkriegsbombe im Stuttgarter Norden

Am Freitagmittag ist im Stuttgarter Stadtteil Nord eine 250 Kilogramm schwere Weltkriegsbombe erfolgreich entschärft worden. Der Fund löste eine sofortige Evakuierung von rund 1.400 Menschen aus. Die Behörden hatten vor extremer Gefahr gewarnt, da die Bombe mit einem seltenen chemischen Langzeitzünder ausgestattet war, was eine schnellstmögliche Entschärfung unabdingbar machte. Die Einsatzkräfte standen vor einer großen Herausforderung. Daniel Anand von der Feuerwehr Stuttgart betonte, dass es sich nicht um eine Bombe handele, deren Entschärfung man auf ein Wochenende mit voller Vorabinformation der Bevölkerung legen könne. Die Brisanz der Situation erforderte schnelles und präzises Handeln. Mathias Peterle, Einsatzleiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes, beschrieb die besondere Natur des Zünders, die bei den Experten ein gewisses Maß an Anspannung hervorrief: "Da kribbelt es etwas mehr in den Fingern." Solche Funde sind in Baden-Württemberg keine Seltenheit, doch die spezifische Beschaffenheit dieses Blindgängers stellte die Fachleute vor eine besondere Aufgabe.

Umfangreiche Evakuierung und Einsatzmaßnahmen

Aufgrund der unmittelbaren Gefahr wurde ein Evakuierungsbereich in einem Radius von 250 Metern um die Fundstelle an der Eduard-Pfeiffer-Straße eingerichtet. Betroffen waren mehrere Straßen, darunter die Azenbergstraße, Ehrenhalde, Gähkopf und Schottstraße. Die Warn-App NINA löste Alarm aus, mit der dringenden Aufforderung, das Gebiet sofort zu verlassen. Hunderte Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei, Rettungsdienst und dem Kampfmittelbeseitigungsdienst waren im Einsatz, um die Sicherheit zu gewährleisten und die Entschärfung durchzuführen. Für die evakuierten Anwohnerinnen und Anwohner wurde die Sporthalle des Hölderlin-Gymnasiums als Notunterkunft eingerichtet. Ein Bürgertelefon stand für Fragen zur Verfügung. Auch das Hotel Azenberg lag im Evakuierungsbereich. Geschäftsführer Ulrich Bauknecht schilderte, wie das Hotelpersonal Gäste aus ihren Zimmern holen musste, teils mitten bei privaten Tätigkeiten. Rund 10 Mitarbeitende und etwa 20 Gäste waren von der plötzlichen Räumung betroffen, was die logistischen Herausforderungen eines solchen Einsatzes verdeutlichte.

Der seltene chemische Langzeitzünder

Das Hauptaugenmerk der Experten lag auf dem chemischen Langzeitzünder der 250 Kilogramm schweren Bombe. Diese Art von Zündern kann über lange Zeiträume hinweg scharf bleiben und stellt eine erhebliche Gefahr dar, insbesondere wenn sie durch äußere Einflüsse wie Bauarbeiten aktiviert wird. Die Notwendigkeit einer schnellen Entschärfung ergab sich direkt aus dieser besonderen Eigenschaft. Die genaue Funktionsweise und die damit verbundenen Risiken des Zünders machten die Aufgabe für den Kampfmittelbeseitigungsdienst komplex. Während Standard-Entschärfungen oft planbar sind, erforderte dieser Fall ein sofortiges Eingreifen, um jegliches Risiko einer unbeabsichtigten Detonation zu minimieren. Die erfolgreiche Neutralisierung des Zünders und der Bombe selbst beendete die unmittelbare Gefahr für die Anwohner und die Stadt. Der Einsatz unterstreicht die anhaltende Präsenz von Weltkriegsrelikten und die fortwährende Notwendigkeit spezialisierter Expertise zur Bewältigung solcher Funde.

Hintergrund: Blindgänger in Baden-Württemberg

Immer wieder werden in Baden-Württemberg nicht explodierte Bomben aus Kriegszeiten gefunden. Diese Blindgänger stellen auch Jahrzehnte nach Kriegsende eine erhebliche Gefahr dar und erfordern bei Entdeckung aufwendige Evakuierungs- und Entschärfungsmaßnahmen. Erst kürzlich, am Sonntagmittag, wurde im Stuttgarter Stadtteil Weilimdorf eine 240 Kilogramm schwere Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg erfolgreich entschärft. Auch in diesem Fall waren Evakuierungsmaßnahmen notwendig, um die Sicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten. Diese wiederkehrenden Funde verdeutlichen die Notwendigkeit ständiger Wachsamkeit und die Bedeutung der Expertise von Kampfmittelräumdiensten. Die Funde ereignen sich oft auf Baustellen, wie auch im Fall der aktuellen Bombe in Stuttgart-Nord, wo die Bombe in den Birkenäckern entdeckt wurde. Dies unterstreicht die fortwährende Relevanz der Kampfmittelräumung im Zuge von Bauprojekten im ganzen Land.

Entwarnung und Folgen für die Stadt

Nach der erfolgreichen Entschärfung gaben die Behörden Entwarnung für den betroffenen Bereich in Stuttgart-Nord. Die Warnung für das Gebiet um die Eduard-Pfeiffer-Straße wurde aufgehoben, und die evakuierten Anwohner konnten in ihre Häuser zurückkehren. Der Vorfall hatte auch Auswirkungen auf den öffentlichen Nahverkehr, wie aus Meldungen hervorgeht, die die Folgen für ÖPNV-Reisende thematisierten. Die Sperrung von Straßen und die Evakuierungsmaßnahmen erforderten Umleitungen und führten zu Beeinträchtigungen im täglichen Leben der Stadt. Der Einsatz im Stuttgarter Norden war eine Demonstration der Effizienz und Koordination verschiedener Rettungsdienste und Behörden. Die schnelle Reaktion auf den Fund einer Bombe mit einem seltenen Zünder verhinderte eine Katastrophe und minimierte die Auswirkungen auf die Bevölkerung.

Das Wichtigste

  • Eine 250 kg schwere Weltkriegsbombe mit einem seltenen chemischen Langzeitzünder wurde am Freitagmittag in Stuttgart-Nord entschärft.
  • Rund 1.400 Menschen wurden in einem Radius von 250 Metern um die Fundstelle evakuiert.
  • Die Entschärfung war aufgrund des Zündertyps eine besondere Herausforderung für die Experten.
  • Hunderte Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei und Kampfmittelbeseitigungsdienst waren im Einsatz.
  • Die Warn-App NINA wurde zur Alarmierung der Bevölkerung eingesetzt.
  • Solche Bombenfunde sind in Baden-Württemberg keine Seltenheit und erfordern regelmäßige Entschärfungseinsätze.
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