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Chemiealarm am Salzburger Hauptbahnhof: Brennbare Substanz Natriummethylat ausgetreten

Nach stundenlanger Sperrung und Evakuierung konnte der Zugverkehr am Montagabend wieder aufgenommen werden, doch die ÖBB rechnen bis Betriebsschluss mit Verspätungen.

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Chemiealarm am Salzburger Hauptbahnhof: Brennbare Substanz Natriummethylat ausgetreten
Nach stundenlanger Sperrung und Evakuierung konnte der Zugverkehr am Montagabend wieder aufgenommen werden, doch die ÖBBCredit · salzburg.ORF.at

Die Fakten

  • Am Montagnachmittag trat aus einem Güterwaggon eines privaten Bahnunternehmens die Chemikalie Natriummethylat aus.
  • Die Meldung des Gefahrgutaustritts erfolgte um 15.38 Uhr bei der Polizei.
  • Gegen 17.30 Uhr wurde der gesamte Hauptbahnhof geräumt und gesperrt.
  • Um 19.00 Uhr konnte der Bahnverkehr wieder aufgenommen werden.
  • Die Berufsfeuerwehr Salzburg war mit bis zu 60 Kräften im Einsatz.
  • Branddirektor Werner Kloiber bestätigte, dass es sich um Restbestände vom Befüllen handelte.
  • Es gab keine Verletzten.

Gefahrgutaustritt legt Bahnverkehr lahm

Ein Gefahrgutaustritt am Salzburger Hauptbahnhof hat am Montag zu einem Großeinsatz von Feuerwehr, Polizei und Rettung geführt. Aus einem Güterwaggon eines privaten Bahnunternehmens trat die brennbare Chemikalie Natriummethylat aus. Der Vorfall begann am Nachmittag und weitete sich von einer lokalen Gleissperre zur vollständigen Evakuierung des Bahnhofs aus. Die Meldung des Austritts ging um 15.38 Uhr bei der Polizei ein. Zunächst wurden die Bahnsteige 8 und 9 sowie der Hintereingang gesperrt, später kamen die Gleise 6 und 7 hinzu. Gegen 17.30 Uhr ordneten die Einsatzkräfte die Räumung des gesamten Hauptbahnhofs an.

Die Chemikalie: ätzend, selbstentzündlich und wasserreaktiv

Bei der ausgetretenen Substanz handelt es sich um Natriummethylat, ein weiß-gelbliches, geruchloses Pulver, das als Katalysator in der Biodieselherstellung dient. Die Chemikalie war in Methanol gelöst und haftete in kristalliner Form am Kesselwaggon. Branddirektor Werner Kloiber von der Berufsfeuerwehr Salzburg erklärte: „Das ist gefährlich, weil es ätzend und selbstentzündlich ist sowie heftig und giftig reagiert, wenn es mit Wasser oder Feuchtigkeit in Berührung kommt.“ Aufgrund dieser Eigenschaften durfte die Substanz nicht mit Löschwasser in Kontakt kommen, da dies zu einer explosionsartigen Reaktion hätte führen können. Die Feuerwehrleute mussten daher in luftdichten Spezialanzügen mit integrierter Sauerstoffversorgung arbeiten. Der Einsatz erfolgte in Absprache mit dem Landeschemiker und der Werkfeuerwehr Gendorf, die auf Gefahrguteinsätze spezialisiert ist.

Evakuierung und Sicherheitsmaßnahmen

Um die Gefahr zu bannen, wurde die Oberleitung geerdet und ein gefährdeter Zug aus dem Gefahrenbereich entfernt. Die Feuerwehr begann anschließend mit der vorsichtigen Reinigung des Waggons. „Wir gehen davon aus, dass es sich um Restbestände vom Befüllen handelt. Der Waggon selbst scheint dicht zu sein“, so Kloiber. Der Zugang zum Bahnhof war während des Einsatzes nur über den Haupteingang möglich; der Eingang vom Stadtteil Schallmoos blieb gesperrt. Die Polizei richtete eine Sperrzone ein, und die Lastenstraße hinter dem Bahnhof war über Stunden komplett dicht. Auch der Straßenverkehr kam zum Erliegen. Die Rettung war vorsorglich im Einsatz, es gab jedoch keine Berichte über Verletzte.

Auswirkungen auf den Zugverkehr und Fahrgäste

Der Zugverkehr war am Salzburger Hauptbahnhof für über eine Stunde komplett eingestellt. Die Züge warteten die Dauer der Sperre in den Stationen vor dem Bahnhof ab. Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) richteten einen Schienenersatzverkehr mit Bussen auf der Weststrecke ein, was aufgrund des hohen Fahrgastaufkommens im Abendverkehr zu langen Wartezeiten führte. ÖBB-Sprecher Robert Mosser erklärte, dass bis zum Betriebsschluss mit massiven Verspätungen und Zugausfällen zu rechnen sei. Dutzende Reisende versammelten sich am Südtiroler Platz und warteten auf die Wiederaufnahme des Verkehrs. Ein Zeuge berichtete: „Ich dachte erst, es gibt schon wieder eine Bombendrohung.“ Andere reagierten mit Unverständnis und sprachen von „Panikmache“.

Hintergrund: Privater Güterzug und offene Fragen

Der betroffene Güterzug wird nicht von den ÖBB, sondern von einem privaten Bahnunternehmen betrieben. Die genaue Ursache des Austritts ist noch unklar. Die Polizei teilte zunächst nicht mit, um welche Chemikalie es sich handelte und wie es zu dem Austritt kam. Branddirektor Kloiber ging davon aus, dass es sich um Restbestände vom Befüllen des Kesselwaggons handelte. Der Einsatz dauerte insgesamt mehrere Stunden. Nach der schrittweisen Freigabe des Bahnhofs gegen 19.00 Uhr war der Zugang zunächst nur über den Haupteingang möglich. Die ÖBB warnten vor anhaltenden Behinderungen im Abendverkehr.

Bewertung und Ausblick

Der Vorfall am Salzburger Hauptbahnhof zeigt die Risiken im Umgang mit Gefahrgütern im Schienenverkehr. Die schnelle Reaktion der Einsatzkräfte verhinderte offenbar Schlimmeres, doch die Evakuierung eines der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte Österreichs führte zu erheblichen Beeinträchtigungen. Die Frage nach der Sicherheit solcher Transporte und der Verantwortung privater Bahnunternehmen bleibt bestehen. Die Ermittlungen zur genauen Ursache des Austritts dauern an. Es ist zu erwarten, dass die Behörden die Vorfälle zum Anlass nehmen, um Sicherheitsprotokolle zu überprüfen. Für die Reisenden bedeutet dies, dass sie auch in den kommenden Stunden mit Verspätungen rechnen müssen.

Das Wichtigste

  • Am Salzburger Hauptbahnhof trat am Montag die Chemikalie Natriummethylat aus, was eine Evakuierung und stundenlange Sperrung zur Folge hatte.
  • Die Substanz ist ätzend, selbstentzündlich und reagiert heftig mit Wasser, was den Einsatz erschwerte.
  • Die Feuerwehr trug Spezialanzüge und arbeitete mit dem Landeschemiker und der Werkfeuerwehr Gendorf zusammen.
  • Der Zugverkehr war ab 17.30 Uhr komplett eingestellt und wurde gegen 19.00 Uhr wieder aufgenommen.
  • Es gab keine Verletzten; die ÖBB rechnen bis Betriebsschluss mit Verspätungen und Ausfällen.
  • Der betroffene Güterzug gehört einem privaten Unternehmen; die Ursache des Austritts ist noch unklar.
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