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Buckelwal Timmy in Nordsee entlassen – Streit um GPS-Tracker und Vorwürfe gegen Retter

Nach tagelangem Transport in die Freiheit bleibt der Aufenthaltsort des Wals unklar, während Fachleute die Angaben zu Vitaldaten des Senders anzweifeln.

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Buckelwal Timmy in Nordsee entlassen – Streit um GPS-Tracker und Vorwürfe gegen Retter
Nach tagelangem Transport in die Freiheit bleibt der Aufenthaltsort des Wals unklar, während Fachleute die Angaben zu ViCredit · ORF

Die Fakten

  • Buckelwal Timmy wurde am Samstag, 8:45 Uhr, in der Nordsee freigelassen.
  • Der Wal war 41 Tage nach seiner Strandung vor Poel in einer gefluteten Barge transportiert worden.
  • Der GPS-Tracker sendet keine Ortsdaten, aber laut Initiative Vitalzeichen – Experten bestreiten dies.
  • Das Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) sagt, GPS-Tracker liefern keine medizinischen Vitaldaten.
  • Der dänische Meeresbiologe Peter Madsen von der Universität Aarhus nennt Behauptungen über Vitaldaten unwahr.
  • Tierärztin Kirsten Tönnies erhebt schwere Vorwürfe gegen die Crew des Schleppers 'Fortuna B'.
  • Die Helfer der Initiative prüfen rechtliche Schritte gegen die Freisetzungsaktion.
  • Das Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommerns hat noch keine Daten vom Sender erhalten.

Rettungsaktion endet mit offenen Fragen

Der Buckelwal Timmy, der 41 Tage lang vor der Ostseeinsel Poel gestrandet war, ist am Samstagmorgen um 8:45 Uhr in der Nordsee freigelassen worden. Eine private Initiative hatte das Tier in einer gefluteten Barge um die Nordspitze Dänemarks durch das Skagerrak in die Nordsee transportiert. Doch seit der Freilassung ist unklar, wo sich der Wal aufhält und wie es ihm geht. Der Schlepper „Robin Hood“ setzte die Barge am Montag im Kieler Hafen ab, während die „Fortuna B“ bereits in Cuxhaven eintraf – begleitet von der Küstenwache. Die Rückkehr der Schiffe markiert das Ende einer mehrtägigen Aktion, die von Beginn an von Kontroversen begleitet wurde.

Streit um angebliche Vitaldaten des GPS-Senders

Die private Rettungsinitiative hatte erklärt, der am Wal befestigte Sender übermittle keine Ortsdaten, aber Vitalzeichen des Tiers. Diese Aussage stieß bei Fachleuten auf erhebliche Zweifel. Das Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) stellte klar, dass ein GPS- oder Satellitentracker üblicherweise keine medizinischen Vitaldaten liefere. „Echte Vitalparameter würden spezielle Sensorik voraussetzen“, hieß es vom Institut. Der dänische Meeresbiologe Peter Madsen von der Universität Aarhus betonte: „Es gibt keinen handelsüblichen GPS-Sender, der Vitaldaten des Wals liefern kann – wer das behauptet, sagt nicht die Wahrheit.“ Auch Thilo Maack von der Naturschutzorganisation Greenpeace widersprach der Darstellung und erklärte, ein GPS-Tracker könne keine Vitaldaten erfassen oder übertragen.

Unklarheit über Sendertyp und Datenlage

Welcher Sendertyp konkret verwendet wurde, blieb zunächst offen. Weder die Initiative noch Jeffrey Foster vom beteiligten Whale Sanctuary Project oder das in die Prüfung der Aktion eingebundene Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommerns machten dazu nähere Angaben. Aus dem Ministerium hieß es am Montag lediglich, man habe noch keine Daten erhalten und warte weiterhin auf Rückmeldungen. Nach Angaben der Kleintierärztin Kirsten Tönnies von der Privatinitiative wurde der Tracker am Tier festgeschraubt. Der Meeresbiologe Boris Culik, früher am Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel, erklärte, der Sender werde üblicherweise mittels Durchstich an der Rückenfinne befestigt, da er nur an der Wasseroberfläche Daten liefere. Ein so befestigter Tracker könne gar keine Vitaldaten wie Herz- und Atemfrequenz ermitteln, ergänzte Maack.

Tierärztin erhebt schwere Vorwürfe gegen Schiffscrew

Die Tierärztin Kirsten Tönnies, die sich während des Transports an Bord befand, kritisierte die Crew des Schleppers „Fortuna B“ scharf. Sie warf der Mannschaft vor, den Wal zu früh freigesetzt zu haben. Die genauen Umstände der Freilassung blieben unklar, und Tönnies forderte Aufklärung. Auch die Geldgeberin der Aktion bezeichnete die letzten Minuten vor der Freilassung als „ein Rätsel“. Die Helfer der Initiative selbst wollen nun rechtliche Schritte prüfen. „Wir werden jetzt alles aufklären und dann werden wir natürlich auch die Fragen entsprechender gerichtlicher Konsequenzen oder auch strafrechtlicher Konsequenzen abstimmen“, sagte Sprecherin Constanze von der Meden vor Journalisten in Cuxhaven.

GPS-Sender sendet Signale – Lebenszeichen des Wals

Am Montagmorgen bestätigte Tierärztin Kirsten Tönnies der „Bild“, dass der GPS-Sender mehrere Signale gesendet habe. Da Signale nur übertragen werden, wenn der Wal an der Wasseroberfläche ist und Luft holt, wertete sie dies als unmittelbares Zeichen, dass der Wal am Leben ist. Allerdings liefern die Signale keine genauen Ortsdaten, sodass der Aufenthaltsort des Wals weiterhin unbekannt bleibt. Greenpeace-Experte Thilo Maack hatte bereits am Samstag betont, dass nur mit Trackingdaten und dem jeweiligen Aufenthaltsort des Wals transparent gemacht werden könne, ob sich das Leiden des Tiers auf dieser Reise gelohnt habe. Der Wal gilt als extrem geschwächt, und es ist ungewiss, ob er überleben wird.

Hintergrund: Eine private Rettungsaktion mit vielen Fragezeichen

Der Buckelwal, von manchen „Timmy“, von anderen „Hope“ genannt, war vor der Ostseeinsel Poel gestrandet. Eine private Initiative organisierte den Transport in einer gefluteten Barge, die von Schleppern gezogen wurde. Die Aktion dauerte mehrere Tage und führte das Tier um die Nordspitze Dänemarks herum in die Nordsee. Die Rettung war von Anfang an umstritten. Experten zweifelten an der Sinnhaftigkeit des Transports, da der Wal bereits geschwächt war. Die fehlende Transparenz der Initiative und die widersprüchlichen Angaben zum GPS-Tracker haben die Kritik weiter verschärft. Das Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommerns, das in die Prüfung der Aktion eingebunden war, wartet weiterhin auf Daten.

Ausblick: Was bleibt von der Rettung des Buckelwals?

Die Rettungsaktion des Buckelwals Timmy wirft mehr Fragen auf als sie beantwortet. Während die Initiative von einem Erfolg spricht, mehren sich die Zweifel an der Transparenz und den Methoden. Der Verbleib des Wals ist ungewiss, und die Kontroverse um den GPS-Tracker untergräbt das Vertrauen in die Angaben der Retter. Die rechtlichen Schritte, die die Helfer nun prüfen, könnten weitere Details ans Licht bringen. Doch für den Wal selbst bleibt die Zeit knapp: Ohne verlässliche Daten lässt sich nicht sagen, ob er die Strapazen der Reise überstehen wird. Die Geschichte von Timmy ist noch nicht zu Ende – sie ist zu einem Symbol für die Herausforderungen und Risiken von Wildtierrettungen geworden.

Das Wichtigste

  • Buckelwal Timmy wurde am Samstag in der Nordsee freigelassen, sein Aufenthaltsort ist unbekannt.
  • Die private Initiative behauptet, der GPS-Tracker sende Vitaldaten – Experten widersprechen entschieden.
  • Das ITAW, Greenpeace und der Meeresbiologe Peter Madsen bestreiten, dass handelsübliche GPS-Sender Vitaldaten liefern können.
  • Tierärztin Kirsten Tönnies erhebt schwere Vorwürfe gegen die Crew des Schleppers 'Fortuna B'.
  • Die Helfer der Initiative prüfen rechtliche Schritte; das Umweltministerium wartet noch auf Daten.
  • Der Wal gilt als extrem geschwächt, ein Überleben ist ungewiss.
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