Alessandro Zanardi ist tot: Italienischer Sportheld mit 59 Jahren gestorben
Der ehemalige Formel-1-Pilot und viermalige Paralympics-Sieger erlag am Freitag seinen Verletzungen, nachdem er 2020 bei einem Handbike-Unfall schwer verletzt worden war.

SWITZERLAND —
Die Fakten
- Alessandro Zanardi starb am Freitag im Alter von 59 Jahren.
- Seine Familie gab seinen Tod am Samstag bekannt und sagte: „Alex ist friedlich eingeschlafen.“
- Zanardi verlor 2001 bei einem Champ-Car-Unfall auf dem Lausitzring beide Beine.
- Er gewann 2012 Paralympics-Gold in London und 2016 drei weitere Medaillen in Rio.
- 2012 wurde er von der Gazzetta dello Sport zu Italiens Sportler des Jahres gewählt.
- 2020 erlitt er bei einem Handbike-Unfall in Pienza schwere Kopfverletzungen.
- Zanardi absolvierte 41 Formel-1-Rennen für Jordan, Minardi, Lotus und Williams.
- Er war zweimaliger Champ-Car-Meister und 1996 Indy-Cart-Rookie of the Year.
Ein Leben zwischen Ruhm und Tragödie
Alessandro Zanardi, der italienische Ex-Formel-1-Pilot und paralympische Ausnahmesportler, ist tot. Er starb am Freitag im Alter von 59 Jahren, wie seine Familie am Samstag mitteilte. „Alex ist friedlich eingeschlafen“, hieß es in der Erklärung, ohne Angaben zur Todesursache. Zanardis Leben war eine Abfolge von Triumphen und Katastrophen. Der Mann, der nach dem Verlust seiner Beine im Jahr 2001 zu einem der erfolgreichsten Para-Sportler der Welt wurde, kämpfte sich immer wieder zurück. Sein Tod markiert das Ende einer außergewöhnlichen Karriere, die Millionen inspirierte.
Der Unfall auf dem Lausitzring und das Comeback
Am 15. September 2001 veränderte sich Zanardis Leben für immer. Bei einem Champ-Car-Rennen auf dem Lausitzring in Deutschland verlor er nach einem Boxenstopp die Kontrolle über sein Auto und wurde von einem anderen Fahrzeug getroffen. Die Wucht des Aufpralls war so verheerend, dass ihm beide Beine oberhalb der Knie amputiert werden mussten. Siebenmal musste er aufgrund des hohen Blutverlustes wiederbelebt werden; als er ins Berliner Krankenhaus eingeliefert wurde, soll sich nur noch ein Liter Blut in seinem Körper befunden haben. Doch Zanardi gab nicht auf. Bereits 2005 kehrte er in den Motorsport zurück und fuhr bis 2009 für BMW in der Tourenwagen-WM (DTM). Die BMW Group würdigte ihn in einem Statement als „wundervollen Menschen, unerschütterlichen Optimisten und eine Inspiration für viele Menschen weltweit“. Das Unternehmen verliere einen „faszinierenden Menschen als Repräsentanten sowie einen ehrgeizigen und erfolgreichen Sportler aus der Familie unserer Werksfahrer“.
Vom Formel-1-Piloten zum Para-Radsportler
Zanardi gab sein Formel-1-Debüt im September 1991 beim Großen Preis von Spanien. Insgesamt bestritt er 41 Grands Prix für Teams wie Jordan, Minardi, Lotus und zuletzt Williams, wo er gemeinsam mit Ralf Schumacher fuhr. Parallel dazu feierte er in der US-amerikanischen Champ-Car-Serie (später IndyCar) große Erfolge: 1996 wurde er zum „Rookie of the Year“ gewählt und gewann zweimal die Meisterschaft. Nach seiner Amputation wandte sich Zanardi dem Para-Radsport zu. 2011 stieg er mit dem Handbike ein, und bereits 2012 triumphierte er bei den Paralympischen Spielen in London mit Gold in der Klasse H4. Die italienische Sportzeitung Gazzetta dello Sport kürte ihn daraufhin zu Italiens Sportler des Jahres. 2016 in Rio de Janeiro folgten drei weitere Paralympics-Medaillen. Parallel dazu absolvierte er mehrere Ironman-Wettkämpfe, darunter auf Hawaii, und beendete 2007 erfolgreich den New-York-Marathon.
Der zweite schwere Unfall und die Folgen
Im Juni 2020 ereignete sich eine weitere Tragödie. Während eines Benefizrennens in der Toskana verlor Zanardi die Kontrolle über sein Handbike und kollidierte mit einem Lastwagen. Er erlitt schwerste Kopf- und Gesichtsverletzungen und schwebte lange Zeit in Lebensgefahr. Erst im Dezember 2021 konnte er das Krankenhaus verlassen. Ein Jahr später, 2022, brach ein Brand in seinem Haus aus, der einen weiteren längeren Krankenhausaufenthalt erforderte. Die genaue Todesursache gab die Familie nicht bekannt. Die Nachricht von seinem Tod verbreitete sich rasch und löste weltweit Trauer aus.
Reaktionen aus Politik und Sport
Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni äußerte auf X ihre tiefe Trauer. „Italien verliert einen großen Champion und einen außergewöhnlichen Mann, der jede Prüfung des Lebens in eine Lektion über Mut, Stärke und Würde verwandeln konnte“, schrieb sie. Die Sportwelt würdigte Zanardi als Vorbild für Kampfgeist und Überlebenswillen. Die BMW Group, für die Zanardi als Werksfahrer aktiv war, sprach der Familie ihr Beileid aus. „Die BMW Group ist in diesen schweren Stunden in Gedanken bei seiner Frau Daniela, seinem Sohn Niccolo und allen Angehörigen und Freunden“, hieß es in der Mitteilung.
Ein Vermächtnis des Mutes
Alessandro Zanardi hinterlässt ein Erbe, das weit über den Sport hinausreicht. Er zeigte, dass selbst die schwersten Schicksalsschläge nicht das Ende bedeuten müssen. Sein Leben war eine einzige Lektion in Resilienz: Nach dem Verlust seiner Beine kehrte er nicht nur in den Motorsport zurück, sondern wurde auch zum erfolgreichsten Para-Radsportler seiner Zeit. Sein Tod hinterlässt eine Lücke, aber seine Geschichte wird weiterleben. Millionen Menschen weltweit ließen sich von seinem unerschütterlichen Optimismus inspirieren. Zanardi wird als einer der größten Sportler Italiens in Erinnerung bleiben – ein Held, der nie aufgab.
Das Wichtigste
- Alessandro Zanardi starb am Freitag im Alter von 59 Jahren; die Familie gab keine Todesursache bekannt.
- Nach einem schweren Unfall 2001, bei dem er beide Beine verlor, feierte er ein bemerkenswertes Comeback im Motorsport und im Para-Radsport.
- Er gewann 2012 Paralympics-Gold und wurde Italiens Sportler des Jahres; 2016 folgten drei weitere Medaillen.
- 2020 erlitt er bei einem Handbike-Unfall schwere Kopfverletzungen, von denen er sich nie vollständig erholte.
- Die Sportwelt und die italienische Politik würdigten ihn als Vorbild für Mut und Stärke.
- Sein Leben und seine Karriere gelten als Symbol für den Sieg des Willens über das Schicksal.


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