Frankfurter „Tatort: Fackel“ entfacht Debatte über Baumängel und Vertuschung – SRF zeigt andere Folge
Der 1338. Tatort aus Frankfurt verarbeitet die Grenfell-Tower-Katastrophe und stößt auf geteilte Resonanz; der Schweizer Sender SRF verzichtet auf die Ausstrahlung.

SWITZERLAND —
Die Fakten
- „Tatort: Fackel“ wurde am 22. März 2026 um 20:15 Uhr in der ARD ausgestrahlt.
- Die Folge ist bis zum 22. März 2027 in der ARD Mediathek verfügbar.
- Im Mittelpunkt steht der Brand eines Sozialbaus vor fünf Jahren, bei dem mehrere Menschen starben.
- Die Ermittler Hamza Kulina (Edin Hasanovic) und Maryam Azadi (Melika Foroutan) nehmen die Ermittlungen wieder auf.
- Ein Bauprüfer, der damals zuständig war, soll Selbstmord begangen haben – es tauchen Indizien für Mord auf.
- Das Drehbuch ließ sich von der Brandkatastrophe des Grenfell Tower in London 2017 inspirieren, bei der 72 Menschen starben.
- SRF zeigte eine andere Folge, die zuvor wegen der Berichterstattung über das Skirennen in Crans-Montana verschoben worden war.
- Branchenlobbyisten äußerten vor der Ausstrahlung Bedenken hinsichtlich der Darstellung von Dämmstoffen wie Polystyrol.
Ein Brand, der nicht verglimmt
Am 22. März 2026 um 20:15 Uhr strahlte die ARD den 1338. Tatort mit dem Titel „Fackel“ aus. Die Frankfurter Episode greift den Brand eines Sozialbaus auf, der sich vor fünf Jahren ereignete und mehrere Todesopfer forderte. Im Zentrum steht die Frage nach Schuld und möglicher Vertuschung von Baumängeln. Die Ermittler Hamza Kulina, gespielt von Edin Hasanovic, und Maryam Azadi, dargestellt von Melika Foroutan, nehmen die Ermittlungen wieder auf. Sie stoßen auf Ungereimtheiten: Ein Bauprüfer, der damals zuständig war, soll Selbstmord begangen haben, doch Indizien deuten auf Mord hin. Die Handlung führt die Ermittler in ein Geflecht aus wirtschaftlichen Interessen und politischem Kalkül.
Inspiration aus London: Der Grenfell-Tower-Fall
Das Drehbuch des Tatorts ließ sich von der Brandkatastrophe des Grenfell Tower in London im Jahr 2017 inspirieren, bei der 72 Menschen starben. Auch dort spielten leicht entflammbare Dämmplatten und Fassadenverkleidungen eine verheerende Rolle. Die Dreharbeiten fanden bereits vor einem Jahr statt. Kommissar Kulina kehrt in seine alte Heimat, ein Frankfurter Sozialbauviertel, zurück. Dort trifft er seine Jugendliebe Almila, gespielt von Seyneb Saleh, die bei dem Brand ihre Mutter verloren hat. Gemeinsam mit Azadi deckt er Ungereimtheiten auf und stößt auf einen Baustoffkonzern mit Verbindungen in die Politik.
Geteilte Resonanz bei Zuschauern und Kritikern
Die Meinungen zum Tatort „Fackel“ sind gespalten. Gelobt wird vor allem die Aktualität des Themas und die Auseinandersetzung mit sozialen Fragen. Kritisiert wird hingegen die Umsetzung der Handlung und die teils überkonstruierte Geschichte. Einige Zuschauer bemängeln, dass der Film zu viele Themen auf einmal behandele und dadurch die Glaubwürdigkeit leide. Andere kritisieren die Darstellung der Baubranche und werfen dem Film vor, mit Falschbehauptungen zu arbeiten. Branchenlobbyisten äußerten bereits vor der Ausstrahlung Bedenken hinsichtlich der Darstellung von Dämmstoffen wie Polystyrol.
Schauspielerische Leistung und düstere Atmosphäre
Positiv hervorgehoben wird die Leistung der Schauspieler, insbesondere Edin Hasanovic und Melika Foroutan. Auch die düstere Atmosphäre und die spannende Inszenierung werden von vielen Zuschauern gelobt. Die Produktion des Hessischen Rundfunks (HR) schafft es, eine beklemmende Stimmung zu erzeugen, die die Thematik des Brandes und der Vertuschung unterstreicht.
SRF zeigt Horror-Tatort statt „Fackel“
Der Schweizer Sender SRF entschied sich, den Tatort „Fackel“ nicht auszustrahlen. Stattdessen wurde eine andere Folge gezeigt, die bereits zuvor wegen der Berichterstattung über das Skirennen in Crans-Montana verschoben worden war. Alexandra Kedves kommentierte im Tages-Anzeiger, dass SRF eine Folge ohne Brandkatastrophe bevorzugte, obwohl der Frankfurter Tatort als stark eingeschätzt wurde. Diese Entscheidung wirft Fragen nach der redaktionellen Unabhängigkeit und der Sensibilität gegenüber realen Katastrophen auf.
Ausblick: Was bedeutet die Kritik für zukünftige Produktionen?
Die Kontroverse um „Fackel“ zeigt, wie realitätsnahe Krimis gesellschaftliche Debatten anstoßen können. Die gemischte Resonanz und die Entscheidung des SRF könnten Einfluss auf künftige Tatort-Folgen haben, die sich an realen Ereignissen orientieren. Die ARD Mediathek stellt die Folge noch bis zum 22. März 2027 zur Verfügung. Ob die Kritik zu einer Anpassung der Darstellung von Baustoffen oder politischen Verflechtungen führt, bleibt abzuwarten.
Das Wichtigste
- Der Tatort „Fackel“ thematisiert den Brand eines Sozialbaus und mögliche Vertuschung von Baumängeln, inspiriert vom Grenfell-Tower-Unglück.
- Die Ermittler Kulina und Azadi decken Verbindungen zwischen einem Baustoffkonzern und der Politik auf.
- Die Folge erntet gemischte Kritiken: Lob für Aktualität und Schauspiel, Kritik an überladener Handlung und angeblichen Falschbehauptungen.
- SRF strahlte die Folge nicht aus und zeigte stattdessen eine zuvor verschobene Episode.
- Die Debatte verdeutlicht die Herausforderungen, reale Katastrophen im Fiktionsformat zu verarbeiten.







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